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Bernstein 100 – Kult-Einspielung und Referenzaufnahme eines Multitalents: Die “West-Side-Story”

Leonard Bernstein hat die Musikgeschichte des vergangenen Jahrhunderts mannigfaltig geprägt und bereichert. Am 25. August diesen Jahres wäre der amerikanische Pianist, Komponist und Dirigent 100 Jahre alt geworden. Die Serie Bernstein 100, die heute bei KlassikAkzente startet, würdigt Leonard Bernstein als einzigartige Künstlerpersönlichkeit und stellt seine unterschiedlichste Facetten des musikalischen Multitalents vor.

Der erste Teil widmet sich mit der “West-Side-Story” einem musikalischen Höhepunkt in Bernsteins Karriere. Mit ihr definierte Bernstein das Genre des Musicals neu und schuf ein mitreißendes Meisterwerk, das bis heute in den Bann zieht.
Die “West Side Story” von Leonard Bernstein ist ein Meisterwerk von packender Intensität, reich an einzigartigen Melodien und getragen von einer hoch emotionalen Geschichte, die Liebe und Hass, Leben und Tod in sich vereint. Darüber hinaus stellt dieses Werk eine völlig neue Ausprägung des Musical-Genres dar und erweitert es um die menschliche Dramatik und Tiefe eines Stoffs, der ebenso für eine Oper hätte verwendet werden können.
Es kommt nicht von ungefähr, dass die “West Side Story” mit ihrer universalen Thematik und Ausdruckskraft bis heute in unzähligen Interpretationen und auf verschiedensten Bühnen dieser Welt gespielt wurde und wird. Die wichtigste Einspielung aber ist unangefochten jene, die von Leonard Bernstein 1984 selbst dirigiert wurde und bei Deutsche Grammophon veröffentlicht worden ist. Mitreißend und farbenreich gibt sie ein eindrucksvolles Zeugnis von Bernsteins brillantem Können als Komponist wie als Dirigent. Bernsteins Tochter Nina und sein Sohn Alexander übernahmen bei den Aufnahmen die gesprochenen Parts von Tony und Maria und erinnern sich noch deutlich an die charismatische Präsenz und die professionelle Aura ihres Vaters. So schreibt seine Tochter: “Wir kannten all seine kleinen Hinweise aus Fernsehmitschnitten seiner Konzerte: die gehobene linke Augenbraue, das Nasenbeben, das Schulterzucken. Alles das war aber nichts im Vergleich dazu, nun selbst in Echtzeit den Befehlen seines Taktstocks Folge leisten zu müssen. Es war eine Erleuchtung.”

Eine perfekte Gratwanderung: Die “West-Side-Story” als Meisterwerk zwischen Broadway und Oper

Die berührende Geschichte von Tony und Maria, die sich ineinander verlieben und als Mitglieder verfeindeter Straßengangs doch nicht zueinander finden dürfen, wurde von Leonard Bernstein kunstvoll als Musical komponiert, bei dem er sowohl in den Gesangpartien als auch in der Orchestrierung der einzelnen Stücke Elemente der Oper verwendete. Leonard Bernstein selbst schrieb in seinem Logbuch von dem “Hauptproblem: die feine Scheidewand zwischen Oper und Broadway zu finden, zwischen Wirklichkeit und Dichtung, zwischen Ballett und bloßem Tanz, zwischen Abstraktion und Abbildung.” In ihrer Tragik und Düsternis stellte die “West Side Story” einen deutlichen Bruch mit der traditionellen Unbeschwertheit des Broadways dar und definierte damit den Anfang einer ganz neuen Sicht auf das Musical-Genre. 

Romeo und Julia in New York City: Von der Idee zur Aufführung

Die Entstehungsgeschichte der “West-Side-Story” beginnt Anfang des Jahres 1949. Damals wandte sich der Choreograph Jerome Robbins mit der Idee an Bernstein, eine moderne Version des Romeo-und-Julia-Plots zu schaffen. Bernstein war davon sofort fasziniert und berichtet in seinem Logbuch zur Entstehung der “West Side Story” von der “Idee, ein Musical zu machen, das eine tragische Geschichte mit den Mitteln und im Stil eines Musicals erzählt und nie Gefahr läuft, in ‚Oper‘ auszuarten. Lässt sich das machen?”, fragt Bernstein unsicher und schließt an: “Bei uns hat das bis jetzt noch keiner zustande gebracht. Ich finde alleine die Idee sehr aufregend. Wenn es gelänge – es wäre das erste Mal.” Es sollte gelingen, doch bis es so weit war, war es ein langer Weg: Gemeinsam mit Robbins entwickelte Bernstein anfangs ein Konzept für die “East Side Story”. Als Textautor wurde Arthur Laurents gewonnen und bereits im April 1949 lagen Entwürfe für die ersten vier Szenen vor. Dann jedoch musste die Arbeit unterbrochen werden, weil die Mitwirkenden anderweitig beschäftigt waren. Erst 1955 nahm Bernstein das Projekt mit weiteren Unterbrechungen wieder auf. Nun nannte er das Stück “West Side Story” und gut zwei Jahre später fand am 19. August 1957 im National Theatre in Washington die Vorpremiere statt. Sie wurde ein voller Erfolg. So schreibt Bernstein in seinem Logbuch: “Da steht sie nun, diese tragische Geschichte mit ihrem inhaltsschweren Thema, in dem sich Hass und Liebe gegenüberstehen, mit all den Fährnissen des Theaters wie Tod und Rassenfragen und jugendliche Darsteller und ‚ernste‘ Musik und kompliziertes Getanze – und alles zusammen leuchtete dem Publikum und den Kritikern ein. Ich habe gelacht und geweint, als hätte ich es nie zuvor gesehen oder gehört.”

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