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Zäsur — Ludovico Einaudi veröffentlicht das Album “Day 5”

Ludovico Einaudi
© Ray Tarantino
18.07.2019
Ludovico Einaudis Reise geht weiter. Im neuen Album “Day Five” verwischt der italienische Komponist die Spuren, die seine Tracks in den voran gegangen Folgen von “Seven Days Walking” machten. Der 63-Jährige nahm den Zyklus im Herbst 2018 auf Schloss Elmau in Bayern und in den Londoner Air Studios auf.

Day Five ist womöglich das abgefahrenste Kapitel von “Seven Days Walking”

Einaudi und Co. sind in Day Five alles andere als geerdet, sie fließen und fliegen umher. Immer wieder verlässt der Turiner Tastenkünstler mit seinen Mitmusikern Federico Mecozzi (Geige und Bratsche) und Redi Hasa (Cello) den Pfad, landet querfeldein im Unterholz klangvoller Vamps und in sich ruhender Rubato-Passagen. Er fängt nochmal von vorne an, zieht alle möglichen Register, wirkt hier mal entrückt, euphorisch, verzaubert, dann ganz konzentriert und vorsichtig, hin und wieder liturgisch, epiphanisch, spirituell, dann wieder impressionistisch-verklärt.

Spätestens hier zeigt sich die superbe Aufnahmequalität von “Seven Days Walking”

Nehmen wir das Stück “Ascent”, mit dem Day Five beginnt. Während Einaudi in seiner Version von “Day One” eher gedankenverloren den Berg erklimmt, scheint er hier aus dem Staunen nicht herauszukommen, lässt die einzelnen Noten vollständig ausklingen, tief atmen. In “Campfire” hat er das auf “Day Three” so poppig und prägnant anmutende Motiv heruntergeschraubt. Wenn es am dritten Tag so klingt wie bei den Beatles, dann ist er hier bei den Doors angekommen; lässig spielt er die Noten, verschluckt einige, die Streicher fallen sich um ihn herum erschöpft in die Arme, so als wären die Drei schon so lange da draußen, dass es nun ans Eingemachte geht. Eine Zäsur im gesamten Opus “Seven Days Walking” setzt Einaudi mit “Low Mist, Variation 1”, dem ersten Stück von “Day One”. Am Ende von Day Five kommen unsere drei Wanderer wieder an diesem Punkt an. Aber der Ort ist kaum wiederzuerkennen, er vibriert mit geheimnisvollem Leben, das sie beim ersten Vorbeigehen gar nicht bemerkten. Wenn Einaudi “Musik zum Waldbaden” mache, wie unlängst die “Welt” bemerkte, dann ist “Day Five” ein musikalisches Pendant zu den fantastischen Natur-Gedichten der großen amerikanischen Poetin Emily Dickinson.

Einaudis aktuelle “Seven Days Walking”-Welttournee macht Schlagzeilen

Die Menschen verlieren sich voller Begeisterung und Hingabe in Ludovico Einaudis minimalistischem Labyrinth. Mit dem Start von “Seven Days Walking” im März 2019 fegte der “Meister der Massenhypnose” (RBB) Andrea Bocelli vom Spitzenplatz der britischen Klassikcharts (in deren Top−100 sich nebenbei noch sechs andere Einaudi-Alben tummelten). Die Menschen zahlen dreistellige Summen für ein Ticket, um Einaudis Trio auf seiner aktuellen “Seven Days Walking”-Welttournee zu erleben. Hier werden Managerinnen, Hipster und Supermarktkassierer gleichermaßen zu kleinen Kindern, die sich von seinen meditativen musikalischen Erkundungen mitreißen lassen, euphorisch applaudieren, sich die Noten seiner Musik eintätowieren, die Presse sprachlos machen, geradezu in Erklärungsnot bringen. Ein Konzert von Einaudi sei wie eine “Séance”, eine spiritistische Sitzung, “annähernd paranormal”, urteilte der kalifornische Berkeley Daily Planet. Mit “Seven Days Walking” erschließt der Grenzgänger zwischen Klassik, Ambient, Pop und Weltmusik ein neues Format und eine neue Dimension. Einaudis globaler musikalischer Fußabdruck wird tiefer. Im September bringt er den gesamten Siebenteiler als hochwertiges Album-Boxset heraus.  

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