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Wegweisende Verschmelzung – Martin Grubingers Debüt für Deutsche Grammophon

Martin Grubinger © Felix Broede
© Felix Broede
15.10.2010
Seine Verschmelzung gregorianischer Choräle mit verschiedensten weltmusikalischen Elementen eröffnet neuartige Klangräume, die auf geistiger wie auf sinnlicher Ebene gleichermaßen zu verblüffen vermögen. Seit dem legendären Schlagzeug-Marathon „Showdown at Musikverein“, mit dem Martin Grubinger 2006 den altehrwürdigen Wiener Musikverein buchstäblich „rockte“, ist der Name des 1983 in Salzburg geborenen Multi-Perkussionisten in der internationalen Konzertszene immer mehr zu einem festen Begriff geworden. Eine Entwicklung, die am 14. August dieses Jahres mit Grubingers umjubeltem Auftritt in der Berliner Waldbühne ihren vorläufigen Höhepunkt fand.

Lässt man Grubinger jenen kultverdächtigen Wiener Abend 2006, der für ihn zum Startschuss für eine Weltkarriere werden sollte, reflektieren, so wird sofort deutlich, wonach der ambitionierte junge Österreicher musikalisch strebt: „Das war der Beweis, dass zeitgenössische Musik in voller Dosis einen traditionellen Saal wie den Goldenen Saal des Wiener Musikvereins ausfüllen kann. Die Leute waren wirklich bis zum Schluss da. Es war brechend voll. Und es war natürlich auch für mich der Beweis, dass man neue Konzertformen einführen kann, ohne das Publikum zu überfordern!“

Von dieser Motivation ist auch Martin Grubingers Deutsche Grammophon-Debüt „Drums ‘N’ Chant“ in jeder seiner knapp 65 Minuten geprägt: Natürlich klingen die weltmusikalischen Improvisationen, die Grubinger und seine Bandkollaborateure über die gregorianischen Choralgesänge der berühmten Schola Cantorum der Benediktinerabtei Münsterschwarzach gelegt haben, erstmal denkbar ungewohnt. Aber sie schmeicheln dem Ohr, während sie unsere Hörgewohnheiten herausfordern, sie bedrücken oder beklemmen nicht. Martin Grubinger hat, was anhand der Präzision der Darbietungen sofort augenfällig wird, nicht nur die komplexe Rhythmik des gregorianischen Chorals eingehend analysiert, der ambitionierte Österreicher hat es sich darüber hinaus nicht nehmen lassen, das komplette dazugehörige Textmaterial selbst aus dem Lateinischen zu übersetzen. Eintauchen in etwas Altes und zutiefst Fremdes war das Motto, solange eintauchen, bis sich in ihm eine lebendige musikalische Antwort herausbildet. „Monatelang hörte ich mir CDs mit gregorianischen Gesängen der Mönche von Münsterschwarzach an“, sagt Grubinger, „und wurde immer vertrauter mit der Musik. Ich bemerkte, welch tiefe Wirkung sie auf meine Seele hatte und spürte, dass sie einen besonderen Geist besaß, der gut zum Geist der Perkussion passte. Schließlich fand ich eine Möglichkeit, diese Texte und Rhythmen mit Perkussionsinstrumenten in Beziehung zu setzen."

Die archaische Musik des Okzidents hat sich in Martin Grubinger schließlich mit der archaischen Musik Afrikas und des Orients verschmolzen – der Nukleus, aus dem „Drums ‘N’ Chant“ entstehen konnte: Neben Elementen von Jazz und Minimal Music hören wir eine Vielzahl an Rhythmen und Melodieformen aus fremden Kulturkreisen. Vollkommen klassikfremde Instrumente wie Djembe, Doun Doun, Sangba oder die Ney-Flöte verbinden sich unter Grubingers Führung mit der Gergorianik zu einer stimmigen und extrem attraktiv anzuhörenden Dualität der Klangbilder. Das ist Weltmusik im reinsten Sinn des Wortes!

Martin Grubinger, den DIE ZEIT in selten so deutlich zum Ausdruck gebrachter Begeisterung bereits zu „einem der besten Perkussionisten der Welt“ kürte, hätte seine Debüt beim Hamburger Klassik-Traditionslabel Deutsche Grammophon kaum aufregender gestalten können.
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