Various Artists | News | Abendland trifft Morgenland - Fayrouz umarmt westliche Songklassiker

Fayrouz 2017
10.11.2017

Abendland trifft Morgenland – Fayrouz umarmt westliche Songklassiker

Jeden Morgen, wenn über dem Südwesten Asiens die Sonne aufgeht, in Dubai, Damaskus und Beirut, hört man ihre Stimme. Sie schallt aus den Radios der Busse und Taxis, aus den Cafés und Geschäften. Seit Generationen begleitet die legendäre libanesische Sängerin Fayrouz dort den Anbruch des Tages. Sie ist in der arabischen Welt so bekannt wie die Bollywood-Diva Lata Mangeshkar in Indien und Barbra Streisand bei uns.
Im November erscheint ihr neues AlbumBebalee”, mit dem Fayrouz noch mehr Menschen erreichen könnte, denn es besteht erstmals aus arabisch gesungenen Versionen weltberühmter Songs wie John LennonsImagine” und Barbra Streisands “The Way We Were”. “Bebalee” markiert die Studio-Rückkehr der Vokalistin nach gut sieben Jahren Pause.
Seit den 1960ern auf der Bühne und im Studio tätig, ist Fayrouz in ihrer Heimat ein Symbol, eine Institution. Zu den Konzerten der “Seele des Libanons” pilgern die Menschen wie zu Wallfahrtsorten, singen mit Tränen in den Augen die Worte ihrer Lieder mit. Wo arabischer Pop ansonsten nur mit viel Pomp und Zuckerglasur funktioniert, gilt sie als unkommerziell und personifiziert echte, bedeutsame Kunst. Musikkritiker vergleichen sie mit Maria Callas und Billie Holiday. Alle späteren Sängerinnen der Region klängen wie ihre Klone, schrieb der Independent. Fayrouz hat geschätzt 800 Songs veröffentlicht und hundert Millionen Schallplatten, Musikkassetten und CDs verkauft.
Ähnlich wie Khaled in Algerien hat auch die Kosmopolitin Fayrouz in ihrer Musik arabische und westliche Genres miteinander vermählt, sie hat die brasilianische Bossa Nova und das französische Chanson in die vorderasiatische Popmusik eingetaucht. Einen großen Teil ihrer üppig instrumentierten Songs schrieben und arrangierten die Rahbani-Brüder. Im Alleingang prägte dieses Songwriter-Team den libanesischen Pop der 60er, 70er und 80er-Jahre, mit Filmsongs und Musicals und natürlich den Studio-Alben von Fayrouz, deren immer noch unglaublich jung klingende Stimme auch heute noch alles überstrahlt. “Bebalee”, ihr geschätzt hundertstes Album, produzierte ihre Tochter Reema Rahbany.
Parallel mit Lata Mangeshkar besitzt auch Fayrouz die einzigartige Gabe, sich jeden musikalischen Stoff zu eigen zu machen. Ihr Cover des Traditionals “Auld Lang Syne” klingt verträumt und entrückt. Mit “Yemken”, einer dynamischen Version von “Imagine”, spricht sie ganz direkt aus dem Herzen ihrer von Kriegen und Flüchtlingsströmen durchzogenen Heimat. Den sie so charakterisierenden Hang zum Chanson zeigt sie mit den Fassungen von Gilbert Becauds “Seul sur son étoile” neben Line Reanuds “Ma Cabane au Canada”. Jazzig, poppig, afrokubanisch und bossa-affin sind ihre Interpretation von Becauds “Pour qui veille l’étoile” (auf der bejubelten Vorabsingle “Lameen”) und in “Ana Weyyak”, ihrer Version des von Victor Consuelo geschriebenen Latin-Standards “Besame Mucho”.
Welche orientalische Sängerin könnte besser den Text von Sinatras “My Way” adaptieren? Immer wieder haben syrische und libanesische Machthaber erfolglos versucht, sie in den Wirren der Bürgerkriege für sich einzuspannen: Fayrouz blieb integer, ein Fels in der Brandung, sang für alle: Syrer, Libanesen, Kurden – und jetzt auch für die Musikhörer der westlichen Welt. Ihre nostalgischen Songs haben alle Grenzen überwunden und ihr poetische Beinamen wie “Botschafterin der Sterne” gegeben. Fayrouz ließ eine bessere Welt erstehen und gab den Menschen als Menschen eine Identität. Zum Hineinhören in ihre Musik bietet “Bebalee” einen idealen Einstieg.

Weitere Musik von Various Artists