Various Artists | News | Der Anti-Paparazzi - zum Tod des Jazzfotografen Chuck Stewart

Alice Coltrane, Keith Jarrett, Archie Shepp, Clark Terry by Chuck Stewart
03.02.2017

Der Anti-Paparazzi – zum Tod des Jazzfotografen Chuck Stewart

“Seine Arbeiten besaßen stets Wärme und Intimität”, meinte der Jazzhistoriker Dan Morgenstein über Chuck Stewart. “Fotografen waren in Aufnahmestudios nicht immer gerne gesehen, aber er war eine Ausnahme.” Der 1927 in Henrietta/Texas geborene Charles “Chuck” Stewart gehörte neben William Claxton und Herman Leonard sicher zu den bekanntesten und besten Jazzfotografen der USA. Seine erste Kamera hatte er zu seinem dreizehnten Geburtstag geschenkt bekommen. Und mit ihr machte er auch gleich die ersten Fotos von einer musikalischen Legende. Als die schwarze Opernsängerin Marian Anderson seine Schule besuchte, war Stewart zur Stelle, um das Ereignis zu dokumentieren. Mit den Abzügen verdiente er sich auch seine ersten Dollar. Und noch wichtiger: er hatte schon damals seine Berufung gefunden, die er einige Jahre später zu seinem Beruf machen sollte.
Den eigentlichen Einstieg ins Geschäft machte er 1949 als Assistent seines vormaligen Studienkollegen Herman Leonard. Dieser hatte in Manhattan ein Fotostudio eröffnet und führte Chuck Stewart in die einschlägigen Jazzclubs in Harlem und auf der 52nd Street ein. Schon bald lieferte er für Jazzlabels wie Verve, Mercury und Reprise für Cover und Plattenhüllen Fotos von Größen wie Louis Armstrong, Count Basie, Ray Charles, Miles Davis, Ella Fitzgerald, Lionel Hampton, Rahsaan Roland Kirk, Charles Mingus, Max Roach, Sonny Rollins, Sarah Vaughan und Dinah Washington. Nebenbei arbeitete er auch für Magazine und Zeitschriften wie Esquire, Paris Match und die New York Times. In den 1960er Jahren avancierte Stewart dann zum Hausfotografen von Impulse! Records. Erst 2014 entdeckte er in seinem Archiv 72 noch nicht entwickelte Bilder, die er 1964 bei Proben für die Aufnahme von “A Love Supreme” in Rudy Van Gelders Studio in Englewood Cliffs von John Coltrane, McCoy Tyner, Jimmy Garrison und Elvin Jones gemacht hatte.
“Die Produzenten und Toningenieure akzeptierten ihn”, erinnerte sich der eingangs zitierte Morgenstern. “Er war nicht im Geringsten störend. Er machte mit seinem Blendenverschluss niemals mitten in einem Take Lärm. Er war das absolute Gegenteil von einem Paparazzi.” Jetzt ist Chuck Stewart am 20. Januar 2017 im Alter von 89 Jahren in Teaneck, New Jersey verstorben.

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