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Gratwanderer zwischen Jazz und Klassik — Zum Tod von Jacques Loussier

Jacques Loussier
07.03.2019
Der aus Leipzig stammende Pianist Joachim Kühn hat Johann Sebastian Bach einmal als den ersten großen Improvisationsmusiker bezeichnet. Doch einer der ersten Jazzer, die das enorme Improvisationspotenzial in der Musik des Barockkomponisten erkannt und aufgriffen haben, war Kühns französischer Instrumentalkollege Jacques Loussier. Als dieser 1959 mit seinem Trio "Play Bach No. 1″, das erste Album mit swingenden Improvisationen über Bach-Werke einspielte, eroberte er damit auf Anhieb nicht nur Jazzfans in aller Welt, sondern auch Hörer klassischer Musik.

Seine Leidenschaft für Bach hatte der 1934 im westfranzösischen Angers zur Welt gekommene Loussier schon als Zehnjähriger während seiner ersten Klavierstunden entdeckt. Sie sollte ihn sein Leben lang nicht loslassen. Die Legende will es, dass Loussier bei einer Prüfung am Pariser Konservatorium, wo er klassische Musik studierte, mitten in einem Stück von Bach den Faden verlor und kurzerhand improvisierender Weise weiterspielte. Das unfreiwillige Experiment kam bei den Prüfern so gut an, dass Loussier es wenig später ganz bewusst in einem Trio mit dem Bassisten Pierre Michelot und dem Schlagzeuger Christian Garros weiter auslotete und zur Vollendung ausreifen ließ. Gemeinsam brachte das auch als Play Bach Trio bekannt gewordene Ensemble eine umfangreiche Reihe mit Bach-Alben heraus. Später wendete Loussier das Konzept auch auf Werke anderer klassischer Komponisten an: von Satie, Debussy und Ravel über Vivaldi bis hin zu Beethoven, Mozart, Händel und Schumann.

Nach beinahe zwanzig erfolgreichen Jahren, in denen das Trio über 3.000 Konzerte gab und mehr als 6 Millionen Platten verkaufte, löste Loussier das Ensemble auf. Fortan widmete er sich anderen musikalischen Projekten und errichtete in der Provence ein eigenes Tonstudio, Studio Miraval, in dem u.a. Pop-Größen wie Pink  Floyd, Elton John, Sting, The Cranberries, The Cure und Yes Aufnahmen machten. 1985 formierte er dann ein neues Trio mit dem Bassisten Vincent Charbonnier und dem Schlagzeuger André Arpino. Einen hervorragenden Namen hatte sich Loussier aber auch Filmkomponist gemacht. Nachdem er sich 1963 das erste Mal in diesem Genre versucht hatte, schrieb er die Musik zu über 67 Filmen und Fernsehserien. Jetzt ist Jacques Loussier am 5. März im Alter von 84 Jahren verstorben.

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