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Nelson Riddle - Hey Diddle Riddle
12.05.2017

Sinatras “Schatten im Rampenlicht” – digitale Albumpremieren von Nelson Riddle

Für die Masse blieb er stets der “Schatten hinter den Stars”, von Kollegen und Insidern wurde er allerdings hochgeschätzt: Nelson Riddle, dessen Arrangements unter anderem den Sound von Frank Sinatra prägten, die besten von Ella Fitzgeralds Songbooks funkeln ließen und die Ohrwürmer von Nat King Cole verzierten. Er war weder ein guter Selbstvermarkter noch ein umgänglicher Typ, aber schlicht einer der wichtigsten amerikanischen Arrangeure der Nachkriegszeit. Und auch wenn das A&R–Department des Capitol-Labels darin nur eine Gefälligkeit gegenüber dem Mann sah, der den hauseigenen Gesangsstars passgenaue Arrangements auf die Stimmbänder schrieb, so durfte Riddle in den Jahren 1955 − 1962 dort unter eigenem Namen über ein Dutzend LPs einspielen. Die kunstvollsten dieser Alben gilt es nun als frisch remasterte Digital-Releases wiederzuentdecken. Auch die wunderbar nostalgischen Cover sind eine musikalische Reise in die Vergangenheit wert! 
The Music from Oklahoma! (1955)
Zu einer Zeit, als filmische Adaptionen von erfolgreichen Broadway-Musicals hoch im Kurs standen, erschien mit “The Music from Oklahoma!” Nelson Riddles erstes Solo-Album bei Capitol. Aus den prächtigen Melodien Richard Rodgers‘ destillierte er einen instrumentalen Musicalquerschnitt, der mit seiner farbenfrohen Instrumentierung, dem humoristischen Einsatz von Fahrradklingeln und einem betörenden Solosopran aufzeigte, zu was eine hochwertige musikalische Bearbeitung im Stande sein kan. Wer dieses Album heute hört dürfte schnell bemerken, dass auch aktuelle Filmerfolge wie “La La Land” ohne die Grundlagen von Könnern wie Rodgers oder Riddle unmöglich wären.
Das Album ist u.a. bei Amazon und iTunes erhältlich.
Hey… Let Yourself Go! (1957)
Anfang 1956 hatte Riddle mit seiner Version des portugiesischen Volksliedes “Lisbon Antigua” einen Riesenhit, der vier Wochen lang die Billboard-Charts anführte und ihm eine goldene Schallplatte einbrachte. Dadurch beflügelt entstand “Hey… Let Yourself Go!” mit feinsten Swing- und Jazzadaptionen moderner Songklassiker von Irving Berlin bis Hoagy Carmichael, stets verziert mit den typischen Streicherbackings, deren Sound bei Riddle nie schmalzig sondern fluffig-vital klang. Musik zum Tanzen, so versprach es der LP–Text einst – mehr als einmal, dass Riddle ein Versprechen vom Dirigentenpult aus einlöste.
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C’Mon…Get Happy! (1958)
Damals, als der große Orchestersound noch etwas wert war, galt es als chic, bei einer Party die neueste Platte von Nelson Riddle aus dem Schrank zu ziehen. Bei “C’Mon…Get Happy!” war der Name Programm, in noch jedem halbgaren Cocktail fingen die Oliven an fröhlich im Takt zu kreisen. Instrumentierungen mit Harfe und Celesta gaben den Ton an, neben den gedämpften Trompeten und Posaunen – deren Klang Riddle besonders liebte – gab es immer wieder solistische Einsprengsel von Top-Sessionmusikern der Szene. Mit einer Version der titelgebenden Harold-Arlen-Nummer “Get Happy” klingt ein Album aus, dessen Anklicken im Computer auch heute noch als chic gelten darf.
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Sea of Dreams (1958)
 Was Karajan im Bereich der E–Musik in die Karten spielte, galt auch für Riddle in der U–Musik: die neue Stereotechnik ließ seinen Sound noch wirksamer zu Geltung kommen. “Sea of Dreams” wurde in diesem neuen Verfahren eingespielt und Riddle widmete sich seiner Kernkompetenz, dem Verarbeiten großer Popballaden zu kleinen, musikalischen Miniaturewigkeiten. So glasklar wie das Meer sind seine Bearbeitungen von Mercer- oder van-Heusen-Melodien und immer hat man etwas Sorge, dass die fantastischen Streicher von einer kleinen Welle überspült werden könnten. Doch Riddle, dessen Eigenkomposition “Sea Of Dreams” das Album beschließt, führt sein Orchester sicher über den Sommersand am Traumesstrand.
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The Joy of Living (1959)
Wenn die Bassposaune plötzlich Melodieinstrument wird, die Kontrabässe fröhliche Schmiertöne produzieren und festliche Streicher das Ganze grundieren, dann weiß man sich in guten Händen. Es ist nicht weniger als der Sound einer Ära, den Riddle definierte: denn so wie hier klang ein gutes Jahrzehnt lang das mondäne Amerika, so klangen unbegrenzte Möglichkeiten. Das von Capitol-Produzent Lee Gillette beaufsichtigte Album “The Joy of Living” präsentiert nicht weniger als 12 Song-gewordene Gründe, warum es sich zu leben lohnt.
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Hey Diddle Riddle (1959)
Schon für den Opener “The Farmer In The Dell” hat sich “Hey Diddle Riddle” auf ewig gelohnt, denn die abrupten Stimmungswechsel setzten Maßstäbe. Ein hochgradig verspieltes Potpourri aus lasziven Schmuseschwelgern und agilen, tanzbaren Big-Band-Nummern stellte Riddle hier zusammen und ließ oftmals den Humor durchblitzen, dem ihm sein schwieriges eigenes Leben oft abverlangte. Wenn sich Piccolo-Flöte und Tuba doppeln und forsch drauflos swingen, mag man verstehen, warum ausgerechnet dieses Cover den ansonsten eher ernsten Arrangeur lächelnd am Pult zeigte.
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Sing a Song with Riddle (1959)
Auch in den Fünfzigern gab es schon Karaoke: Ein Album, das den Hörer durch Weglassen der Hauptstimme zum Mitsingen einlädt; vor Texthängern braucht man sich nicht zu fürchten, denn das lässige Swingen besorgt Nelson Riddle. Ansonsten: Melodien, schöner als die Wirklichkeit. Orchestrierungen, berührender als jedes Lacrimosa. Mit “Sing a Song with Riddle” durfte man erneut schwelgen in Klassikern wie “Darn That Dream”, “Fools Rush In” oder “Day In – Day Out”, bisweilen aufgelockert durch fetzige Kontrapunkte à la “Everywhere You Go”.
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Can Can (1960)
Was mit Richard Rodgers‘ “Oklahoma” funktioniert hatte, konnte mit Cole Porters “Can-Can” nicht schiefgehen. Für die Filmversion mit Sinatra in der Hauptrolle kam ‚sein Schatten‘ als Filmarrangeur zur Geltung, wobei Riddle zusätzlich die LP “Can Can” als Musicalquerschnitt aufnahm. Mit “It’s All Right With Me” oder “I Love Paris” waren einige der auch heute noch bekanntesten Porter-Melodien vertreten, Solisten wie Bassflötist Harry Klee, Trompeter Carroll ‘Cappy’ Lewis und der in Musikerkreisen schlicht ‚Mr. Bass Trombone‘ genannte George Roberts brachten die Bearbeitungen endgültig zum Glänzen. Wer sich den perfektesten Broadway-Sound nachhause holen möchte, ist mit diesem Album bestens versorgt.
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Love Tide (1961)
Von der “Sea of Dreams”-LP zu “Love Tide” brauchte man nicht weit zu schwimmen, lag doch beiden Alben dasselbe Konzept zugrunde: Melodien großer Komponisten wie Richard Rodgers, Duke Ellington oder Harold Arlen kunstvoll aufbereitet, dazu einen Titelsong von Riddle selbst und alles verpackt in betörend-entschleunigte Arrangements der Sonderklasse. In den Harmonien spannt Riddle oft den großen Bogen, würzt mit flirrendem Bongoklackern und garniert die Flut von lieblichen Momenten mit sonoren Hörnern aus der Echokammer. Selten klangen “Honeysuckle Rose‘” und “East Of The Sun” stärker nach Fernweh, Meer und Sonnenschein.
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Route 66 Theme And Other Great TV Themes (1962)
Zu Beginn der 1960er Jahre intensivierte Riddle seine Kompositionsaktivitäten für Film und Fernsehen. Als sein “Route 66 Theme” – eigentlich nur entstanden, weil der Produktionsfirma die Lizenzgebühren für Bobby Troups gleichnamigen Song zu hoch waren – in die Top−30-Charts kletterte, setzte Riddle mit dem Album “Route 66 Theme And Other Great TV Themes” nach, auf dem sich auch seine Themen der Serien “The Untouchables” und “Sam Benedict” wiederfanden. Mit vielseitigen Bearbeitungen – so verpackte er Raksins Thema aus “Ben Casey” in einem vertrackten 5/4-Takt – lieferte Riddle Hochleistungsjazz. 
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Love is a Game of Poker (1962)
 Ein erregendes Hörerlebnis wurde auch Riddles nächstes Album “Love is a Game of Poker”. Dank einer Spitzenbesetzung – so saßen u.a. die Trompeter Donald A. Fagerquist und Shorty Sherock oder die Posaunisten Tommy Shepard und Dick Nash in den legendären Capitol Studios – wurde es eines der temporeichsten Alben in der Karriere des Arrangeurs. Wenn Frank Flynn seine Mallets über das Vibraphon fliegen ließ, Buddy Collette kurze Saxophonsoli einstreute oder Ray Sherman kein perlendes Pianointerludium ausließ, dann riskierte Riddle in diesem als Pokerspiel getarnten 12-Gänge-Menü bei jedem Titel ’all in‘ – und ein Dutzend Mal blätterte er musikalisch ’Royal Flush‘ auf. Hut ab!
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The Best of Nelson Riddle (1962)
So ganz schlüssig erschien die Zusammenstellung dieser Werkschau zu Ehren Riddles nicht; vielleicht war es auch ein Zugeständnis der PR–Abteilung, da Riddle schon hatte durchblicken lassen, dass er Frank Sinatra zu Reprise Records folgen wollte. Natürlich enthält “The Best of Nelson Riddle” seine großen Hits wie “Lisbon Antigua”, “The Untouchables” und das “Route 66 Theme”, oder auch die mit Chor eingespielte Version des alten Kinderliedes “Brother John”. Tiomkins “The Green Leaves Of Summer” oder Billy Mays legendäres “Naked City Theme” fehlen ebenso wenig wie das unverwüstliche “Volare”. Es ist vielleicht nicht die repräsentativste Kopplung seines Schaffens, aber ein Lückenschluss für Riddle-Fans ist es in jedem Fall.
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More Hit TV Themes (1962)
Nachdem er als Ersatz für Billy May ein neues “Naked City Theme” geschrieben hatte, legte Riddle mit “More Hit TV Themes” noch einen Zahn zu. Von wildesten Doodle-Dandy-Anleihen über hengstige Westernadaptionen oder thrillende Trompetenstafetten ließ er es heiß hergehen, für das charmante “Moon River” schaltete Riddle einen Gang zurück. “More Hit TV Themes” wurde sein letztes Album für Capitol; dass er als Komponist für kultige Serien wie “Batman” (1966 − 1968) arbeiten sollte und nach mehrfacher Nominierung endlich einen Oscar für “The Great Gatsby” (1974) gewann, ist eine andere Geschichte. Solange kann man sich die Zeit versüßen mit diesen 13 Alben, die Nelson Riddle schlicht auf dem Zenit seines Ruhms und seiner Ideenvielfalt zeigen. ’Vorhang auf’ für den “Schatten im Rampenlicht”!
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