Various Artists | News | Weihnachten im Vinylrausch - Verve-LPs im Fünfer-Pack

Weihnachten im Vinylrausch — Verve-LPs im Fünfer-Pack

Es gibt viele, die der Meinung sind, dass klassische Jazzaufnahmen aus den 1950er und 1960er Jahren am besten klingen, wenn man sie auf dem Medium abspielt, für das sie ursprünglich gedacht waren: nämlich Vinyl-LPs. Genau für solche Jazzfans sind von Verve Records nun drei prächtige Vinyl-Boxen zusammengestellt worden. Sie enthalten Aufnahmen von drei der größten und einflussreichsten Stars aus der goldenen Ära des Jazz: Tenorsaxophonist Stan Getz sowie den Sängerinnen Billie Holiday und Dinah Washington. Jede dieser Boxen versammelt fünf der bekanntesten und besten Alben dieser Künstler auf hochwertigem 180-Gramm-Vinyl und in liebevoll reproduzierten Originalhüllen. Die Alben wurden neu remastert, für die Freunde digitalen Musikgenusses liegen Downloadgutscheine bei.

Stan Getz — Bossa Nova Years

Obwohl in Philadelphia geboren, fungierte Tenorsaxophonist Stan Getz als einer der Schlüsselarchitekten bei der Entwicklung des “cool school”-Sounds an der amerikanischen Westküste. Berühmtheit erlangte Getz in den 1940er Jahren, nachdem er seine musikalische Ausbildung in den Bands von Jack Teagarden, Benny Goodman und Woody Herman absolviert hatte. Seine beeindruckende Solokarriere startete er in den 1950ern. Zu diesem Zeipunkt hatte Getz bereits den Spitznamen “The Sound” erworben, der eine Anspielung auf seinen federleichten Ton auf dem Tenorsax und seine Begabung für scheinbar mühelose melodische Improvisationen war.
"Bossa Nova Years" beginnt mit dem Album “Jazz Samba”, das 1962 das internationale Bossa-Nova-Fieber auslöste und für Getz mit “Desafinado” auch seine erste Pop-Hit-Single hervorbrachte. Das Album, das in Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Charlie Byrd entstanden war, eroberte die Spitze der Charts. Für die Aufnahme von “Desafinado” erhielt Getz außerdem seinen ersten von insgesamt fünf Grammys. Auf seinem nächsten Album “Big Band Bossa Nova”, das im selben Jahr wie “Jazz Samba” erschien, lotete Getz die Möglichkeiten aus, die sanft swingende brasilianische Bossa mit einem großen Orchester zu spielen. Das Ergebnis war spektakulär, nicht zuletzt dank der raffinierten Arrangements von Gary McFarland. Besonders hervorzuheben sind hier “Manhã de Carnival”, das von pulsierenden Samba-Rhythmen angetrieben wurde, und das kontemplativere “Melancolico”.
Prominente Verstärkung aus Brasilien holte sich Stan Getz ein Jahr später für “Jazz Samba Encore!” ins Studio. Anstelle von Byrd war sein hauptsächlicher “Sparringspartner” nun der brasilianische Gitarrist Luiz Bonfá. Maestro Tom Jobim spielte bei vier Nummern Gitarre und steuerte das luftige Piano zu “Insensatez” bei, während Maria Toledo vier Stücke mit ihrer samtig-dunklen Stimme veredelte. Mit José Carlos und Paulo Ferreira sorgten außerdem zwei brasilianische Schlagzeuger für stilechte Bossa-Rhythmik. Jobim war auch der Komponist von “The Girl From Ipanema”, dem großen Hit von Getz’ nächstem Album “Getz/Gilberto”, das eine Kollaboration mit dem brasilianischen Gitarristen und Sänger João Gilberto war. Eingesungen wurde das Lied von Gilbertos damaliger Frau Astrud, die ihren Mann eigentlich nur als Dolmetscherin ins Studio begleitet hatte. Dann aber ließ Stan Getz Astrud, obwohl sie gar keine professionelle Sängerin war, die Titel “The Girl From Ipanema” und “Corcovado” singen. Das Album wurde zu einem weltweiten Hit und gewann als erste Jazzproduktion überhaupt den Grammy für das beste Album des Jahres.
Nur zwei Tage nach Beendigung der Einspielung von “Getz/Gilberto” ging der Tenorsaxophonist erneut ins Studio, um ein weiteres Album mit dem brasilianischen Gitarristen Laurindo Almeida als Gaststar sowie dem Pianisten Steve Kuhn und anderen, überwiegend brasilianischen Musikern aufzunehmen. Almeida hatte sich schon in den 1940ern als Mitglied der Stan Kenton Band in den USA einen Namen gemacht und feierte später auch an der Seite von Bud Shank, Ray Brown und Shelly Manne mit dem Quartett L.A. 4 große Erfolge. Ihm wird außerdem zugeschrieben, schon in den 1950ern den Begriff “Samba-Jazz” für seine Musik verwendet zu haben.

Billie Holiday — Classic Lady Day

Die von dem Saxophonisten Lester Young “Lady Day” getaufte Billie Holiday (1915–1959) war eine der einflussreichsten und ikonischsten Jazzsängerinnen aller Zeiten. Sie hatte einen unverwechselbaren Ton, ein einzigartiges Timbre und eine markante Phrasierung, die an jene von Bläsern angelehnt war. Ihre ausdrucksstarke Stimme besaß außerdem eine emotionale Aufrichtigkeit, die alles, was sie sang, wie eine ehrliche Reflektion ihrer eigenen Lebensmühen erscheinen ließ. Holiday wurde als Eleanora Fagan in Philadelphia geboren und flüchtete sich nach einer schwierigen Kindheit in die Musik. Sie begann als Teenager in den späten 1920er Jahren professionell zu singen und unterschrieb 1935 ihren ersten Plattenvertrag, bevor sie in der Swing-Ära mit Teddy Wilson und den Bigbands von Count Basie und Artie Shaw zusammenarbeitete. Ihr Stern als Solokünstlerin ging in den 1940er Jahren auf. Aber hinter all dem Showbiz-Glamour verbarg sich stets die dunkle Unterseite ihrer Drogen- und Alkoholabhängigkeit, die schließlich ihr tragisches Ende beschleunigte (sie starb 1959 im Alter von nur 44 Jahren).
"Classic Lady Day" versetzt einen zurück in die Jahre, in denen das LP-Zeitalter begann. Die Box versammelt Alben, die Holiday in den 1950er Jahren für die von dem Jazz-Impresario und Produzenten Norman Granz gegründeten Labels Clef und Verve aufgenommen hatte. Das erste Album “Solitude: Songs by Billie Holiday” stammt aus dem Jahr 1956, enthielt aber Aufnahmen, die tatsächlich schon 1952 entstanden und zuvor auf einer 10-Zoll-LP mit dem Titel “Billie Holiday Sings” bei Clef herausgekommen waren. Für die Verve-Neuauflage 1956 wurden diese Aufnahmen um vier Einspielungen ergänzt, die 1952 bei einer zweiten Session mitgeschnitten worden waren. Zu hören ist Holiday hier mit einem exzellent besetzen kleinen Ensemble mit Trompeter Charlie Shavers, Tenorsaxophonist Flip Phillips, Pianist Oscar Peterson, Gitarrist Barney Kessel, Bassist Ray Brown und Drummer Alvin Stoller. Besonders zu Herzen geht Holidays Version von Duke Ellingtons unsterblicher Komposition “Solitude”, fesselnd sind aber auch ihre Interpretationen der Standards “You Go To My Head” und “These Foolish Things”.
"A Recital By Billie Holiday" ist eine Zusammenstellung aus dem Jahr 1956, die durch unter die Haut gehende Darbietungen von Songs wie “What A Little Moonlight Can Do” und “Stormy Weather” glänzt, während das Album “Velvet Moods — Songs By Billie Holiday”, das im selben Jahr bei Clef erschien, mit Klassikern wie “Nice Work If You Can Get It” und “I’ve Got A Right To Sing The Blues” aufwartet. Ebenfalls 1956 kam Holidays berühmtestes Album heraus: “Lady Sings The Blues”. Parallel veröffentlichte die Sängerin damals ihre gleichnamige Autobiographie. Das Album enthält neben dem Titelsong, den Holiday zusammen mit dem Pianisten Herbie Nichols geschrieben hatte, noch zwei weitere ikonische Billie-Holiday-Songs: “God Bless The Child” und “Strange Fruit”. Abgerundet wird “Classic Lady Day” schließlich durch das Verve-Album “All Or Nothing At All”, das ein Jahr vor dem Tod der Sängerin veröffentlicht wurde und unvergessliche Aufnahmen von “April In Paris”, “Sophisticated Lady” und “Love Is Here To Stay” enthielt.

Dinah Washington — The Divine Miss Dinah Washington

Berühmt für ihre klare Diktion und Phrasierung sowie ihren deklamatorischen Vortragsstil, besaß Dinah Washington (1924–1963) wie Billie Holiday eine unverwechselbare Singstimme. Washington, die 1993 in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen wurde, war als Ruth Lee Jones in Tuscaloosa/Alabama zur Welt gekommen. Erste Aufmerksamkeit erregte sie in den 1940er Jahren mit schlüpfrigen Blues-Songs wie “Evil Gal Blues” und “Salty Papa Blues”. In den 1950er Jahren nahm Washington — die sich selbst “Queen of the Blues” nannte — für das Mercury-Sublabel EmArcy eine Reihe klassischer Alben auf, die sie als anspruchsvolle Songstilistin auswiesen, die ebenso mühelos Blues, Jazz und Pop zu singen verstand.
Das erste Album der Box “The Divine Miss Dinah Washington” ist “After Hours With Miss D” aus dem Jahr 1954, das eine superbe Session mit zwei legendären Bläsern enthält: Trompeter Clark Terry und Tenorsaxophonist Eddie “Lockjaw” Davis. Zu den Höhepunkten gehört hier ganz sicher die zum Fingerschnippen einladende Version des Irving-Berlin-Hits “Blue Skies”. Das elektrisierende Album “Dinah Jams”, 1954 vor einem Studiopublikum live aufgenommen, verfügt über einen lockereren, improvisatorischen Charakter und featuret die Bebop-Trompetenlegende Clifford Brown. Unverhohlen sanfter und romantischer ist wiederum “For Those In Love” aus dem Jahr 1955. Das Album bietet mit “Blue Gardenia” eines von Dinahs populärsten Stücken. Begleitet wurde die Sängerin bei dieser Aufnahme von einem kleinen, feinen Ensemble mit Musikern wie Pianist Wynton Kelly und Schlagzeuger Jimmy Cobb, die ein paar Jahre später mit Miles Davis dessen legendäre “Kind Of Blue”-Band bilden sollten.
In scharfem Kontrast dazu steht das Album “The Swingin’ Miss D” von 1957, auf dem Washington mit dem damals aufstrebenden Arrangeur/Bandleader Quincy Jones und dessen Orchester zusammenarbeitete. Das Repertoire reicht von spritzigen Bigband-Uptempo-Nummern (wie"Caravan") bis zu stilvollen, herzzerreißenden Balladen (wie “You’re Crying”). Washington und Jones erweisen sich als glamouröses Traumpaar, das unglaubliche Vitalität versprüht.
Zwei Jahre später landete Washington mit ihrem beeindruckenden Remake der alten Dorsey-Brothers-Nummer “What A Diff’rence A Day Makes” einen Top 10-Hit in den US-Pop-Charts. Die Aufnahme, die auf dem Album gleichen Namens erschien, brachte ihr außerdem einen Grammy ein (1998 wurde die Single zudem noch in die Grammy Hall of Fame aufgenommen). Auf “What A Diff’rence A Day Makes!” drückte Washington darüber hinaus auch Standards wie “Cry Me A River” und “Manhattan” ihren eigen Stempel auf. Begleitet wurde die Sängerin von einem jazzigen Sextett mit u.a. Gitarrist Kenny Burrell, Bassist Milt Hinton und dem späteren Weather-Report-Mitgründer und Pianisten Joe Zawinul.

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