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Biografie

01.08.2009

Biografie Brian Blade

“Ich erinnere mich noch, als ich diese Worte das erste Mal las. Meine Großmutter Rosa hatte sie gerahmt an der Wand hängen. Verstehen sollte ich das Gelassenheitsgebet aber erst ungefähr dreißig Jahre später”, erzählt Brian Blade. “Erst jetzt, nachdem ich schon einige Gipfel des Lebens erklommen und einige Täler des Lebens durchschritten habe, hallen die Worte in meinen Ohren in aller Klarheit wider.”

Brian Blade hat die Worte dieses Gelassenheitsgebets nun für sein erstes Album als Sänger, Gitarrist und Songwriter vertont. In den dreizehn Songs von “Mama Rosa” singt er von seiner Familie und anderen Personen, die ihm nahestehen, sowie von Reisen und davon, daß man all diese Erfahrungen, die einen formen und inspirieren, mit anderen teilen sollte, um einen Kreis zu schließen. Lieder über diese Themen schreibt und nimmt er schon auf, seit er begann Musik zu machen. Tatsächlich basiert das Material für “Mama Rosa” auf den Ideen, die er im Laufe mehrerer Jahre zu Hause mit einer Vierspurbandmaschine aufnahm, und das fertige Album enthält sogar einige dieser Originalaufnahmen. Eigentlich hatte Brian Blade gar nicht vor, diese sehr persönlichen Lieder an die Öffentlichkeit zu bringen. Aber dann ermutigte ihn sein langjähriger Freund Daniel Lanois dazu. Und so bilden diese Privateinspielungen nun den Grundstein für “Mama Rosa”.

“Diese Lieder haben schon geraume Zeit in der Einsamkeit meines Zimmers existiert, und allein die Tatsache, daß ich wußte, daß sie existierten, verschaffte mir viel Freude und Zufriedenheit”, sagt Blade. “Aber an einem bestimmten Punkt fragte ich mich, ob ich sie nun aus Angst oder Egoismus unter Verschluß hielt. Ich hörte mir die Musik an, betrachtete mich im Spiegel und stellte mir die Frage, ob das wirklich alles sein sollte. Was erwartete Gott von mir? Vielleicht könnten die Lieder auch noch anderen Menschen als Inspiration dienen...”

Die Texte handeln vom Zuhause, von Erinnerungen, dem Glauben und nahestehenden Personen und wie all dies einen zu dem Menschen formt, der man ist. Wie persönlich dieses Album ist, zeigt schon sein Titel: Brian Blade benannte es nach seiner Großmutter Rosa. Von ihr singt er auch in dem lebhaften Stück “After The Revival”, mit dem er das Album beginnt. Dafür versetzte sich Brian in seine Mutter Dorothy hinein, die der Geburt ihres ersten Sohns entgegenblickt: Brians fünf Jahre älterem Bruder Brady Jr. (der übrigens auch Schlagzeuger ist, einst die Brand New Heavies managte und derzeit in Schweden lebt). “After The Revival” spielt darüber hinaus auf Brians frühe Jahre in der Zion Baptist Church in Shreveport/Louisiana, an, der sein Vater Brady Blade Sr. als Pastor vorsteht. In dieser Kirche begann Brian zu singen und Schlagzeug zu spielen.

Obwohl der 1970 geborene und vielseitig talentierte Brian Blade mit seinen 39 Jahren noch nicht zu den alten Hasen der Musikszene zählt, gilt er als außergewöhnlich erfahrener Musiker, der in der Jazz- und Popwelt als Schlagzeuger, Songwriter und Bandleader immens geschätzt wird. Mit seiner The Fellowship Band hat er seit 1998 drei Alben bei Blue Note und Verve veröffentlicht, die überschwengliche Kritiken erhielten. Dem breiten Publikum ist er allerdings eher als Begleiter von musikalischen Größen wie Daniel Lanois, Joni Mitchell, Bob Dylan, Wayne Shorter, Michael Brecker, Seal, Bill Frisell, Joshua Redman, Norah Jones und Emmylou Harris bekannt.
Blade ist stets auf der Suche nach der richtigen Balance, die einem Song mit einer persönlichen Geschichte auch eine allgemeine Relevanz gibt. Einer dieser Songs, in dem es um Erinnerungen geht, ist “Second Home”. Das Stück ist eine Hommage an seinen Schlagzeuglehrer Johnny Vidacovich und die Stadt New Orleans, in der Brian zwei Mitglieder seiner Fellowship Band kennenlernte: Pianist Jon Cowherd und Bassist Chris Thomas. Sieben Jahre lebte Brian Blade in der Stadt und studierte dort bei Meistern wie Ellis Marsalis, David Lee Jr., Bill Huntington, Mike Pellera, George French, Germaine Bazzle, Steve Masakowski und John Mahoney.

Die Aufnahme von “Mama Rosa” stellte für den eher scheuen, nicht gerade das Scheinwerferlicht suchenden Brian Blade eine besondere Herausforderung dar, weil dieser liebevoll entworfene und emotional berührende Song-Zyklus tief in seinen persönlichen Erfahrungen verwurzelt ist. Lieder wie “All That Was Yesterday”, “You’ll Always Be My Baby” und “Nature’s Law” stellen uns Blade als gefühl- und ausdrucksvollen Vokalisten vor sowie als einen Songwriter mit der Fähigkeit, in seinen Stücken bewegende Geschichten zu erzählen, die einen zum Nachdenken anregen. “Mehr von einem selbst zu offenbaren ist immer entmutigend”, meint Blade, “aber ich glaube, daß ich es brauche, mich selbst herauszufordern. Um zum Kern dessen, was ich bin und was ich zu bieten habe, vorzustoßen, muß ich meine Außenhäute abstreifen.”

Die organische musikalische Palette von “Mama Rosa” gibt Brian Blade Gelegenheit seine diversen Talente zu zeigen: sei es an der akustischen Gitarre oder auf dem Piano, sei es am Schlagzeuger oder als Sänger. Eine der Personen, die Blade nun schon seit Jahren inspiriert, ist sein langjähriger Freund Daniel Lanois. Als Gitarrensolist steuert Lanois auch einiges zum musikalischen Gelingen von “Mama Rosa” bei: in den Songs “At The Centerline”, “Mercy Angel”, “All That Was Yesterday” und “Her Song” wartet er mit geradezu perfekt passenden und spirituell erhebenden Gitarrenimprovisationen auf, die unter die Haut gehen. Brillante Unterstützung erhielt Blade aber auch von Gitarrist Geoffrey Moore, dem Steel-Guitar-Virtuosen Greg Leisz, Bassistin Jenny Lee Lindberg (von der Band Warpaint), den Sängern Aaron Embry (Amnion), John Bigham (The Soul of John Black), Rocco Deluca und Daryl Johnson sowie den Fellowship-Mitgliedern Jon Cowherd, Chris Thomas und Kurt Rosenwinkel. Man merkt, daß hier nicht einfach eine bunt zusammengewürfelte Musikerschar am Werke war, sondern hochkarätige Künstler, die sehr viel mehr miteinander verbindet als nur die Musik. Die überaus talentierte Sängerin Kelly Jones ist mit Blade in den Songs “Mercy Angel” und “Get There” in wunderbaren Duetten zu hören. Zusammen wecken die beiden Erinnerungen an andere bewegende Duos wie Fred und Annie Mae McDowell, George Jones und Tammy Wynette, Marvin Gaye und Tammi Terrell, Porter Wagoner und Dolly Parton, Johnny und June Carter Cash, Donny Hathaway und Roberta Flack sowie Sullivan und Iola Pugh (The Consolers).

Neben den von Brian Blade geschriebenen Songs (bei jeweils einem fungierte Tucker Martine bzw. Adam Samuels als Koautor) enthält das Album auch eine bemerkenswerte Adaption von Milton Nascimentos “Faithful Brother” (Originaltitel: “Irmão de fé”) sowie mit “All Gospel Radio” und “Psalm 100” ein paar atmosphärische Instrumentalnummern.
“Ich hoffe, daß ich den Leuten mit den Songs von ‘Mama Rosa’ ein wenig persönliche Freude bereite”, sagt Brian Blade abschließend. “Die wahre Herausforderung ist, sich selbst treu zu bleiben und mehr von seiner eigenen Persönlichkeit durchblicken und hören zu lassen als die Songs für sich allein offenbaren könnten.”