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23.03.2016

Catfish And The Bottlemen, "The Ride", 2016

von Steve Lamacq (BBC)

 

Catfish And The Bottlemen sind zurück mit "The Ride", ihrem zweiten Album: Randvoll mit übergroßen Riffs und unzähligen Pop-Hooks, weshalb man die Tracks treffender als Hymnen bezeichnen müsste. Aber fangen wir ganz vorne an, am besten vielleicht mit der Frage: Wie haben Catfish And The Bottlemen es geschafft, sich ganz nach oben zu spielen, ja eine Viertelmillion Einheiten ihres Debütalbums "The Balcony" zu verkaufen? Und nebenher auch noch den BBC Award als Introducing Artist of the Year des Jahres 2014 einzusammeln – wie übrigens auch zu Beginn dieses Jahres den BRIT Award 2016 als Best Breakthrough Act?

Eine verkürzte Antwort darauf lautet: Konzerte. Tourneen. Und noch mehr Tourneen. Denn ihnen ist es tatsächlich gelungen, von Anfang an mit jeder ihrer Shows einen Nerv zu treffen – und das Publikum regelrecht umzuhauen. Ihre allerersten Kompositionen, die rund drei Jahre lang den Kern ihrer gefeierten Live-Shows ausmachen sollten, waren auch deshalb so ansteckend, weil sie schon nach wenigen Takten als aufrichtig vertonter Blick auf das eigene Teenager-Dasein zu erkennen waren. Gespickt mit Zeilen, die dermaßen persönlich waren, dass sie signalisierten: wir wollen euch reinlassen, euch an uns ranlassen – die aber zugleich auch offen und mehrdeutig genug waren, dass die Zuhörer sich selbst darin wiederfinden konnten. Dazu hatte die Band mit Van McCann einen Frontmann, der einfach mal in seinem Element war: Frech und dabei doch irgendwie bescheiden, war seine Beziehung zum Publikum von Anfang an einzigartig, weil es überhaupt keine Grenze zwischen der Band und der Crowd zu geben schien. Es stimmt: Bei den Konzerten von Catfish hatten alle das Gefühl dazuzugehören. Jeder im Raum war Teil der Gang.

Ich selbst habe sie nun schon im Rahmen von vier Tourneen auf der Bühne erlebt: Los ging’s mit gerade mal 31 Zuschauern in der Academy 3 in Leicester im Herbst 2013 – und zuletzt, gegen Ende 2015, waren’s gleich zwei ausverkaufte Abende hintereinander in der Brixton Academy. Zwischendurch sah ich noch ihren Auftritt im Joiners in Southampton, eines der krassesten Konzerte, das ich je erlebt habe, und ihren Gig im Clwb Ifor Bach in Cardiff. Nachdem die Radioredakteure ihre Songs für sich entdeckt hatten, wurden die Zuschauerräume zunächst immer stickiger und voller, dann immer größer – nur blieb ihr Ansatz dabei über Jahre hinweg exakt derselbe: Gib alles. Arbeite immer weiter an dir und deinen Songs. Lass es Abend für Abend drauf ankommen. Sag laut, was du dir vornimmst – und zieh’s dann auch durch. Jahrelang hatten sie dafür geprobt und Pläne geschmiedet. Und als es dann richtig abging, stand Van irgendwann sichtlich schockiert vor einer weiteren ausverkauften Halle (Stylus in Leeds) und sagte nur: "Vollkommen verrückt ist das hier. Danke."

Als sie schließlich die beiden Abende in der Brixton Academy binnen fünf Minuten ausverkaufen sollten, hatten Catfish And The Bottlemen schon eine Goldauszeichnung für ihr Debütalbum kassiert und von Japan bis USA weitere erfolgreiche Tourneen absolviert. Es war an der Zeit, die ganze Maschinerie anzuhalten und zu schauen, wie weit sie es eigentlich in den letzten paar Jahren geschafft hatten. "Also ich sehe das so", setzt McCann an: "Das erste (Album) war gewissermaßen der Support-Act, und das zweite, das nun kommt, das ist der Headliner."

Die gute Nachricht: Auch dieses neue Album, das die Band größtenteils in Los Angeles mit dem Produzenten Dave Sardy aufgenommen hat, klingt zu 100% nach Catfish And The Bottlemen. Die noch besseren Nachrichten: Es klingt dabei allerdings noch größer, noch massiver. Selbstbewusster und fokussierter. "Ich hab irgendwie das Gefühl, dass alle immer viel zu weit über den Tellerrand schauen wollen, weil sie unbedingt avantgardistisch und arty und anders sein wollen. Wir wollten schön bei unserem Teller bleiben, bei unseren Leisten: sollen sich doch die anderen über solche Dinge die Köpfe zerbrechen", meint McCann. "Ich sage immer: Wenn du’s auf einer Akustikklampfe spielen und damit eine Bar oder vielleicht auch nur eine Küche voller Chaoten für dich gewinnen kannst, dann... nun dann hast du’s geschafft. Das ist meine Definition von gutem Songwriting. Und ich würde mich nicht einmal als Künstler bezeichnen. Ich bin eher ein Amateurfußballer, der über eine ganz anständige Gesangsstimme verfügt."

Allerdings einer, der in den letzten Jahren schon ein paar Tricks und Finten gelernt hat.

Unter den Tracks, die einen auf dem neuen Album erwarten, finden sich zum Beispiel ein perfekt arrangierter Angst-Sturm namens "Twice", die erste Single "Soundcheck" und der Eskapismus-Appell "Postpone", auf dem man auch eine von Vans Lieblingszeilen des neuen Albums finden kann: "When things are never looking up, we were brought up not to notice".

"Ich finde, dass gerade diese Zeile uns als Band irgendwie sehr treffend auf den Punkt bringt", meint er, um danach mit dem Album-Highlight "Outside" einen weiteren Favoriten in die Runde zu werfen: "In dem Song gibt’s eine Zeile, die klingt irgendwie nach Elton John... nur heavier. So wie eine vollkommen ausgeflippte, ausgerastete Version von Elton John."

"Uns ging es ja noch nie darum, musikalisch das Rad neu zu erfinden. Wir wollten stattdessen eher zeigen, dass das alte Rad doch eigentlich noch super läuft, vollkommen rund. Ich wollte schon immer erreichen, dass unsere Musik einem dasselbe Gefühl gibt wie z.B. ein Album von The Strokes: diesen positiven Kick und diese gute Laune, die man jedes Mal kriegt, wenn man es auflegt. Das ist so ein Gefühl... nun, man weiß danach einfach, dass es ein guter Tag wird. Oder auch dieser Wow-Faktor von Oasis: Musik, die einen einfach umhaut, ganz egal, wie groß oder wie klein die Konzerthalle ist, in der man sie hört. Mit ganz alltäglichen Texten, so wie bei Mike Skinner, in denen ich von wahren Begebenheiten berichte, von Dingen, die mir tatsächlich so passiert sind und von Leuten, denen ich begegnet bin."

Womit wir bei den Songtexten wären, die das zweite Album von Catfish And The Bottlemen letztlich zu einer Einheit zusammenschweißen. "Ich kann nun mal nur über das schreiben, was ich wirklich erlebt habe. Ich kann nur über den Menschen schreiben, der gerade vor mir steht. Und letztlich schreibe ich meine Texte auch genau für diesen Menschen, der gerade vor mir steht. Die Musik ist zwar für die Leute gemacht, die zu unseren Konzerten kommen. Aber die Story ist dabei jeweils ganz klar an einen spezifischen Menschen gerichtet."

"Ehrlich gesagt höre ich nie damit auf, über die Texte nachzudenken. Ist fast schon eine Obsession von mir. Ich liebe den Prozess einfach, und sobald ich einen Stift in die Hand nehme, sprudeln die Sachen aus mir heraus. Wenn ich mich zum Beispiel am Telefon unterhalte und ich danach feststelle, dass da ein paar lustige Stellen im Gespräch waren, dann schreibe ich einfach über diese Unterhaltung. So einfach ist das."

Dabei lässt sich der Longplayer grob in zwei Perspektiven einteilen: Ein Teil der Songs handelt davon, zusammen zu sein, und dann gibt es noch einen Teil, der davon handelt, voneinander entfernt zu sein. Womöglich hunderte, tausende Kilometer entfernt. Genau genommen klingt es so, als sei eine Hälfte dieses Albums am Telefon entstanden.

Und auch das ist so eine Besonderheit von McCann: Auch auf diesem Album schreibt er ohne jemals ein Blatt vor den Mund zu nehmen, ohne sich selbst zu zensieren, zu editieren (und deshalb wirkt er mal unglaublich romantisch, im nächsten Moment eigennützig, ohne es selbst zu bemerken, und an einer Stelle sogar richtig krass eifersüchtig). Und doch wissen wir irgendwie nicht sonderlich viel über ihn. Schließlich trifft man ihn nie bei irgendwelchen Promi- oder Popstar-Partys an. "Na ja, um solche Sachen geht’s uns halt nicht. Ich mag das ja schon, wenn mich jemand auf der Straße erkennt und wegen irgendeines Songs ein Foto mit mir machen will. Aber es ist eben nicht wirklich von Bedeutung, dass man mein Gesicht kennt. So wie bei Van Morrison, mit dessen Musik ich schließlich aufgewachsen bin. Bei dem ging’s auch immer nur um die Musik selbst."

Musik, die auf dem neuen Longplayer der Band noch umwerfender klingt, denn abgesehen von den beiden Akustiksongs "Glasgow" und "Heathrow", könnte tatsächlich jeder Track von "The Ride" eine Single sein. Eine perfekte Grundlage also für die kommenden Live-Shows und die nächste Tournee-Runde. "Und wo wir doch jetzt für immer größere Bühnen gebucht werden, brauchen wir genau solche Songs, mit denen man da eine gute Figur macht. Eigentlich ist das so wie im Fitness-Studio: Jedes Mal nimmt man die Songs mit und bringt sie noch besser in Form. Legt einfach noch ein Gewicht mehr auf."

Ein treffendes Bild ist das: Denn Catfish And The Bottlemen sind tatsächlich in Topform. Auf "The Ride" lassen sie ihre Muskeln richtig spielen.