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02.12.2016

Claudia Koreck: "Kinderplatte"

Eine Familienangelegenheit für alle Familien: Claudia Korecks "Kinderplatte"

 

Claudia Koreck, preisgekrönte Singer-Songwriterin aus Traunstein, veröffentlicht ein Album für die ganz jungen Hörer und ihre Eltern - auf Hochdeutsch und mit ungewöhnlichem Konzept. Zu den tierischen Gute-Nacht-Geschichten präsentiert die zweifache Mutter begleitende, handgemachte Songs mit schöner Botschaft für Außenseiter: "Ihr seid genau richtig, wie ihr seid." 

 

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis Stinktier Rudi und seine Freunde aus dem Wald groß herauskommen würden. Zum einen, weil Claudia Koreck zum Geschichtenerfinden regelrecht gezwungen wurde, dafür sorgten schon ihre beiden Kinder Timmi (6) und Lani (2). Zum anderen, weil der Wunsch, irgendwann ein Album für die sehr jungen Hörer zu machen, schon etwas länger in der Traunsteiner Singer-Songwriterin schlummerte. Außerdem kann Koreck vieles, aber eines, das kann sie nicht: nicht kreativ sein.

 

"Timmi wollte immer Geschichten", erzählt die junge Mutter. Also hat sie sich Figuren ausgedacht, die spannende Abenteuer erlebten. Rudi zum Beispiel, das Stinktier, das gerne Partys feiert, aber leider sehr streng riecht. Irgendwann hat Koreck die tierischen Erzählungen aufgeschrieben. Später kam Gesang ins Spiel. "Nur Geschichten wäre mir zu wenig gewesen", sagt sie, "ich bin ja Musikerin!" In den hübschen Miniaturen geht es um das Anderssein, um Außenseiter, um Liebe, Freundschaft und Lebensfreude.

 

Was vor ein paar Jahren spielerisch begann - selbstverständlich unter der Aufsicht des kritischen Nachwuchses -, darf nun in eine professionelle CD münden: Claudia Koreck, kürzlich 30 geworden, bringt eine Kinderplatte heraus. Eine, die auch so heißt: "Kinderplatte". Das Konzept des herzigen Werks besteht darin, Gute-Nacht-Geschichten und Lieder zusammenzubringen. Sechs Hörspielepisoden, sechs begleitende Songs. Keine endlos lange Riesengeschichte, sondern liebevolle Häppchen. Erzählt und gesungen von der vielseitigen Musikerin ("Fliang"), aufgenommen in den eigenen Honu-Lani-Studios in Traunstein.

 

Gunnar Graewert, der die musikalische Illustration bei den Geschichten übernommen und das Album produziert hat, komponiert seit einigen Jahren vor allem für den Disney Channel Musik. Und auch Claudia Koreck hat Erfahrung mit Disney, was für das Familienprojekt durchaus hilfreich war. Unter anderem hat sie für "Disney Junior" das Gute-Nacht-Lied "Lalelu" gesungen. Mit bisher 21 Millionen Abrufen ist es das erfolgreichste Disney-YouTube-Video der Geschichte.  

 

Keine Frage, die Kinderplatte ist anders als alles, was Claudia Koreck in ihrer mehr als zehnjährigen Karriere gemacht hat. Dennoch fügt sie sich prima in ihr Werk. "Die Themen, die mich bewegen, verarbeite ich in meinen Songs." Das war schon immer ein Grundsatz von Koreck. Nun, in ihren jungen Elternjahren, schleichen sich eben auch Kinderthemen mit ein.

 

Die Lieder, die sie zu den Geschichten geschrieben hat, sind im vergangenen Winter entstanden, nach dem Ende der Tour zum jüngsten, fünften Album "Stadt Land Fluss" (2015). Sie gehen leicht und reduziert ins Ohr, mal fidel und beschwingt, mal verträumt und auch ein bisschen melancholisch. Gitarre und Ukulele kommen zum Einsatz, Klavier und Keyboards, Schlagzeug und Percussion. Gefallen werden sie nicht nur den Kleinen, auch die Eltern werden viel Freude damit haben, zum Beispiel auf langen Autofahrten. Der Ansatz unterscheidet sich schon deshalb von vielen anderen Kindermusikplatten, weil die Musik nicht superkindisch daherkommt, anbiedernd oder betont happy, sondern authentisch, gefühlvoll, mitreißend. Claudia Koreck und Gunnar Graewert sind überzeugt: "Kinder geht es in erster Hinsicht um Rhythmus, Melodie und Groove, und das bewegt sie - im wahrsten Sinne."

 

Kenner von Claudia Korecks Werk hören viel Vertrautes heraus, aber etwas ist ungewohnt, etwas ist neu: Das ist die Sprache, Koreck singt (und erzählt) auf Hochdeutsch, nicht im Dialekt. "Alle Kinder sollen mich verstehen können, ich möchte niemanden ausgrenzen", sagt die Traunsteinerin. "Die Stücke haben sich ganz natürlich angefühlt, ich gehe immer intuitiv vor." Die Musikerin ist sich sicher: "Man muss auch mal Veränderungen zulassen." Die Schranken, die man sich selbst auferlegt hat, müsse man immer auch überdenken, betont Koreck, denen Moden und Marketingtrends immer herzlich wurscht waren. "Ich war immer ein freier Mensch."

 

So überrascht denn auch die Erzählerinnenstimme in den Geschichten: Klar, fesselnd und liebevoll klingt Claudia Koreck, wenn sie auf Hochdeutsch - gleichwohl mit verschmitzter bayerischer Färbung - erzählt. Wie ein Profi, so hat man das Gefühl. Dabei ist sie konsequent autodidaktisch vorgegangen. "Ich habe das einfach gemacht", sagt sie. "Ich lese halt viel und lese viel vor."  

 

Die Stars der Platte stammen allesamt aus dem Tierreich. "Ich erzähle gern von Tieren", sagt Claudia Koreck. "Sie sind eigene Charaktere und eröffnen dir eine andere Welt." Wer sind denn nun die kleinen Helden genau? "Da ist zum Beispiel das Stinktier Rudi, der unheimlich gerne Partys feiert, aber sein müffeliger Duft macht ihm immer wieder einen Strich durch die Rechnung", beschreibt die Musikerin. "Oder Kakerlake Karla, eine Steptänzerin aus Hawaii, die sich ihren Traum vom Starsein erfüllt und dann merkt, dass das Träumen oft viel schöner ist als die Wirklichkeit, die von Heimweh geplagt wird und schließlich wieder glücklich ist mit ihrem einfachen Leben in ihrer Holzhütte in Hawaii. Außerdem mit dabei: Die dicke Martina, eine total verfressene Biene, die von allen verspottet wird. Dabei rettet sie dank ihres Umfangs den kompletten Bienenstock, so dass sie am Ende zur Bienenkönigin gekürt und von allen heiß verehrt wird." Und dann gibt es da noch Charlotte, das langbeinige Huhn und die Nacktschnecke Glitschi. Von einer ungewöhnlichen Liebesbeziehung ist ebenfalls die Rede: Eine vegetarische Spinne liebt eine japanische Fliege.

 

Eine Kernbotschaft transportieren die liebenswerten Außenseiter auch, die zieht sich durch die ganze Platte: "Ich möchte Kindern das Gefühl geben, dass sie genau richtig sind, wie sie sind. Das ist für mich die Botschaft, die ich meinen Kindern mitgeben möchte. Und die sollen das auch irgendwann weitergeben." 

 

Ebenfalls nicht ganz unwichtig bei einem Projekt wie diesem: die optische Aufmachung. Die Illustrationen, die den tierischen Helden im hübschen Booklet ein Gesicht geben, stammen von der russischen Designerin Natalya Berezina. Koreck ist über eine Internetrecherche auf die junge Künstlerin aufmerksam geworden - und hat sich sofort in ihre Arbeiten verliebt. Auch hier war Rudi, das Stinktier, der Vorreiter.

 

Weitere Mitwirkende fand Koreck sozusagen vor der eigenen Haustüre. Sowohl Claudias Vater, als auch Claudias Schwester sowie zwei ihrer Freundinnen haben Sprachrollen in den Hörspielstücken übernommen. Und dass auch Gunnar Graewert, Timmi und Lani singend und sprechend zu hören sind, dürfte sich von selbst verstehen. So ist denn auch die "Kinderplatte" eine Familienangelegenheit. Eine Familienangelegenheit für alle Familien, wenn man so möchte.

 

Doch damit nicht genug: Neben der Kinderplatte erscheint auch eine App für Smartphones und Tablets, bei der Kinder selbst aktiv werden und in die Geschichten eingreifen können. Interaktiv können sie zum Beispiel Instrumente wegnehmen oder dazuschalten, um spielerisch den Zugang zur Musik zu finden. Eine kleine Tour mit Auftritten, zum Beispiel in Kindergärten, kann sich Claudia Koreck ebenfalls vorstellen. Wie eingangs erwähnt: Es war nur eine Frage der Zeit, bis Stinktier Rudi und seine Freunde aus dem Wald groß herauskommen würden.