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09.01.2013

Elif

Es gibt Dinge, deren Notwendigkeit liegt so sehr auf der Hand, dass man sich wundert, warum es sie noch nicht gibt: Einen Streichelzoo für Eulen, ein nie endendes Coldplay Konzert oder einen Second-Hand Laden nur für schöne Kleider im Uniformen-Look. Elif würde uns all diese Dinge sofort verordnen. Die junge Frau, gerade erst hat sie die zarten 20 Jahre berührt, ist nicht nur in der Auswahl ihrer Lieblings-Streicheltiere sehr "besonders".

Wenn die Augen der Schlüssel zur Seele sind, dann betrachten wir sie einmal: Sie sind rund und funkelnd wenn Elif aus dem Nichts heraus sagt: "Das weiß ich nicht!", und sie sind offen und hell wenn sie sagt: "Ich finde, wir sollten das jetzt so machen." Elif lacht gerne und laut, sie gestikuliert ausladend – und ist dann ganz plötzlich wieder still, introvertiert, vielleicht um auf sich zu hören, sich selbst zu fragen, ob das, was sie gerade tut, wirklich "wahr" ist.

Und wenn sie eine Antwort darauf gefunden hat, entscheidet sie sich trotzdem manchmal dazu diese zu ignorieren - und dann lacht sie wieder, wischt die Stille aus dem Raum, die Haare aus dem Gesicht und erzählt. "Ich glaube, das was ich im Leben am aller liebsten mag ist es zu basteln!" Basteln? "Schau mal, du kannst mit Schere und Papier basteln und die wundersamsten Dinge machen! Aber du kannst auch mit Musik basteln. Du nimmst Eindrücke, Gefühle, vielleicht eine Melodie, die dir morgens in den Sinn kommt – und daraus bastelst du dann ein Lied. Und genau so bastelst du auch dein Leben. Wir alle tun das!"

Elif bastelt ihre Welt – und sie erlebt sich selbst in den Liedern die sie schreibt. Lieder für den unbekannten Jungen im Fahrstuhl, der die Rettung ihrer Welt sein könnte ("Ein Wort"). Lieder für das Fernweh und den Abschied ("Feuer"), für das kleine Glück ("Regenstadt") und für die Liebe. Immer wieder für die Liebe. In dem Lied, das dem Album seinen Namen gibt, besingt Elif ein Erlebnis, dass uns vielleicht alle in ihrem Alter so berührt, beflügelt und verletzt hat:

Zum, ja, erneuten mal trifft sie "Ihn", denjenigen, der so viel zu versprechen scheint, dessen Nähe auf einmal alles erhellt, mit dem sie wach ist und wach bleibt, über zwei Tage "Panic at the Disco Songs" singend – nur um ihn dann nie wieder zu sehen. Elif war verliebt – "aber mehr in die Idee, in das, was er sein könnte, in meine Träume, die ich in ihm gesehen habe". Ein Mücke, die zum Elefanten wurde, und die doch so nah und ehrlich ist. Weil wir sie alle kennen. Fast so sehr wie das Basteln liebt Elif es nämlich, "aus einer Mücke einen Elefanten zu machen", wie sie selbst als erste zugibt.

Und das hören wir auf diesem Album in seiner schönsten Form: Elif entdeckt die kleinen, anfassbaren Momente ihres Alltags, in denen diese besondere Magie liegt das Große im Kleinen greifbar zu machen. "Fahr mich noch mal auf deinem Fahrrad heim... Ist jetzt die Luft raus?... Bitte, atme ein". Elif verabschiedet sich von einem Menschen, der zu viel verlangt, zu nah zu kommen droht. Sie flüchtet vor dem Moment, in dem Nähe zu Obszession wird und in Abneigung zu kippen droht:

Aus "Du" wird "Du kannst mir nichts" – denn der Rückzug wird mit verletztem Stolz und dem Versuch der Rache quittiert. Wow – ein ganz schöner "Elefant" – der allerdings genau so sehr oder so wenig eine "Mücke" ist, wie all diese Dinge, die im Leben einer 17 bis 20 Jährigen passieren, die Elif s Geschichte hat. Denn Elif ist diese Generation junger, selbstbewusster Mädchen in Deutschland, die zu Frauen heran wachsen.

Zwischen Tradition und Facebook, zwischen Familienwerten und ihrer Dekonstruktion, zwischen strengen Vorstellungen und ihrer Biegung, Erweiterung und Überschreitung – durch den Durst nach Abenteuer. Immer bewusst und behutsam – doch sehr mutig. Das gerade diese Generation von jungen Frauen bisher in der Popkultur und Musiklandschaft noch keine hörbare Stimme haben ist eine Sache, über die man sich wundert, warum es sie noch nicht gibt.

Und dann spüren wir, dass hier auch Dinge ausgesprochen werden, die aus einer Art Parallelwelt zu Elif s oft so lächelnder Seite zu stammen scheinen. Elif will nichts erfinden. Sie will bei der Wahrheit bleiben. Bei einer Wahrheit, die sie selbst durchlebt und gefühlt hat. Und Dinge passieren. Situationen entstehen. Ereignisse, die sie prägen. Doch darüber spricht sie nicht – aber sie singt.

Und das tut sie sehr pur, sehr eindringlich. Nicht nur zu hören, sondern zu spüren ist dieses ungeschminkte, rohe Wesen Elif s vor allem auch in Liedern, in denen sich die dunkle, schwierige Seite ihrer Welt findet. Manche Erlebnisse haben die Kraft, unsere Sicht nachhaltig grau zu färben. Doch Elif weiß: "Nichts tut für immer weh" – denn sie liebt das Leben, dieses, ihres! Sie liebt dieses Leben so sehr, dass sie immer wieder dahin zurück kehrt wo sie sich zuhause fühlt: Zu ihrem Herz.

Und so ist "Nichts tut für immer weh" wie das Motto dieses jungen Lebens, und es ist auch der Song von dem Elif sagt: "Der hat mir echt von allen am meisten weh getan. Ich war doch zum ersten Mal verliebt! Da gibt es keine Grenzen, keine Erfahrungen auf die man zurück greift – da gibt es nur das eine!". Und weiter: "Genau diesen Song musste ich ‚groß‘ machen. Groß in der Musik, groß von der Stimme her". Immer wieder wird klar, was "Unter Meiner Haut" ist:

Hier geht es um Liebe, offene Liebe, Versprechen, Träume und Zukunftspläne, gescheiterte und neugemachte, immer-noch-dran-geglaubte... und um ganz intensives "erleben". Nicht abgeklärt. Oft romantisch. Und wenn Elif nicht so große, braune Kulleraugen hätte, könnte man fast sagen "blauäugig". Doch ist das nicht genau das, was wir in dieser ironisierten Welt brauchen?

Eine junge, besondere Frau, hübsch und apart, mit schrägem Humor und funkelnder Schüchternheit, bescheiden und mit der Gabe zu berühren. Eine, der man zu hören möchte wie sie wächst, erlebt, liebt und verliert, versucht und vergibt. Eine Berlinerin, deren Lieder das erzählen, was bisher still zu sein schien – und noch so viel mehr. Diese Stimme ist etwas, das so sehr auf der Hand liegt, dass man sich wundert, warum es sie bisher nicht gab. Bisher. Denn es gibt sie: Sie heißt Elif .