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18.12.2012

Fayzen

Fayzen, was bedeutet das? Klingt wie eine Mischung aus Faye Dunaway und Zen. Aus Femme Fatal und der inneren Mitte. Aber Fayzen ist einfach der MC-Name aus Farsad Zoroofchis Jugend. Den legt man nicht ab und den ändert man nicht. "Nicht jeder in der Clique durfte rappen. Ich hab zu Hause geübt und mich irgendwann getraut mit den Jungs zu Freestylen und irgendwann kamen sie mit einem Pulli, da stand der Crewname und Fayzen drauf."

Spätestens jetzt ist es aber auch der offizielle Künstlername des am 14. Februar 1983 in Hamburg geborenen, denn im Frühjahr 2013 erscheint das Debüt-Album "Meer" von Fayzen. Zehn Jahre früher. Hamburgs Innenstadt ist voll mit Shoppingwütigen. Eine Gruppe Jugendlicher läuft an dem Anfang zwanzig Jährigen Fayzen vorbei. Er weiß wie er sie ansprechen muss damit sie stehenbleiben. Irgendwann hat man das einfach raus. "Hey wie geht's Euch? Ich bin Fayzen und ich hab hier ne Platte gemacht. Wollt ihr mal rein hören?"

Er setzt einem von ihnen Kopfhörer auf. Die Musik überzeugt. In fünf Jahren verkauft Fayzen auf diesem Weg fünf verschiedene Mixtapes insgesamt 20.000 Mal. Das meiste von dem verdienten Geld schenkt Fayzen seinen Eltern. Das ist selbstverständlich. "Sie haben mir immerhin mit viel Mühe eine unbeschwerte Kindheit ermöglicht. Sie haben krass hart gearbeitet, damit es mir gut ging und das hab ich immer im Hinterkopf gehabt und das werd ich nie vergessen."

Schon mit fünf hat Fayzen inbrünstig zu persischer Traditionsmusik gesungen. Mit neun hat er angefangen Klavier zu spielen und seine ersten Lieder zu komponieren. Jetzt findet er seine Stimme im Hip-Hop und seine Zuhörer auf Hamburgs Straßen. Mit fünfundzwanzig fühlt Fayzen sich für den nächsten Schritt bereit. "Ich bin den Underground Weg gegangen. Irgendwann hat man aber auch keine Lust mehr Sachen zu verkaufen, sondern will einfach nur noch Musik machen, und ich dachte, einfach mal gucken obs klappt." Er will ein Plattenlabel finden und bastelt an einem neuen Demo.

Hinter den alten Sachen steht er nicht mehr wirklich. "Ich wollte einfach mehr auf den Punkt kommen. Musikalisch mutiger und versierter werden und weniger rumschwafeln. Mit weniger mehr sagen." Rund um die Uhr bastelt Fayzen Beats, übt Gitarre und Klavier spielen, schreibt Texte, dreht und wendet jedes Wort. Das Demo wird und wird nicht fertig. "Auch wenn ich etwas liebe, darf ich nicht verkrampfen. Man kann etwas auch zu doll wollen." Was dann passiert klingt wie ein Klischee, aber manchmal ist das Leben halt genau so.

Unter der Hand hört der A&R eines Major-Labels zwei der unfertigen, neuen Demos und will sich sofort mit Fayzen treffen. Er kommt nach Hamburg und Fayzen spielt für ihn, begleitet sich selbst mit Gitarre und Klavier. "Beim Essen danach wusste ich gar nicht ob es ihm gefallen hat. Der hat sich nichts anmerken lassen." Aber ein paar Tage später kommt der erlösende Anruf. Der A&R ist begeistert. Fayzen bekommt seinen Plattenvertrag. Endlich ist auch Geld für einen Produzenten da.

"Am Ende hat mir genau das gefehlt. Jemand der die Musik fühlt und ein Teil davon ist und ich nicht mehr alleine grübeln muss. Ich kam vom Hip-Hop aber wollte Musik machen, anspruchsvolle Musik machen. Alleine konnte ich das nicht." Fayzen findet den für ihn perfekten Produzenten und die einjährige Zusammenarbeit beflügelt ihn so, dass die meisten der Texte auf dem Album in dieser Zeit entstanden sind. "Ich konnte endlich los lassen. Konnte mich wieder mehr auf das konzentrieren, was mich eigentlich ausmacht. Texten, Rappen, singen."

Fayzen hat ein klares Ziel. Er will bei sich selber bleiben, eine persönliche Platte machen. "In dem Moment wo ich was will, etwas mit meiner Musik erreichen will, ist es nicht mehr ehrlich. Das ist mir einfach nicht ehrlich genug." Und ehrlich ist sein Album bis in jede Silbe. In "Paradies" erzählt er mit ruhiger, leicht gebrochener Stimme davon, dass er sich seine eigene Welt schafft, sein eigenes Paradies, "ne heile Welt, denn da draußen wird das nichts".

Die Bilder sind stark, die Sprache direkt. Doch dann in der dritten Strophe wird Fayzen plötzlich unerschrocken persönlich, wenn er von den Schmerzen spricht, die ihm die Welt da draußen bereitet: "Die Welt da draußen nimmt so kurz und schmerzlich Abschied, sie hat gemacht, dass meine Ex mein Baby abtrieb. Zuerst mein Opa, dann mein Kind, da werd ich depressiv. Sie nahm sie beide einfach mit, aber hier seh ich sie."

Das ist nicht die lyrische Effekthascherei, die man aus so manchen Hip-Hop Songs kennt. Diese Zeilen sind nicht krass, oder heftig, oder derbe. Sie sind ehrlich. "Wir sind nie so ran gegangen, dass muss jetzt Hip-Hop sein. wir wollten einfach nur Musik machen. Deshalb keine Ahnung ob das Hip-Hop ist, was Hip-Hop ist. Das wichtigste ist, dass ich's fühl." Und Fayzen gibt sich nicht zufrieden, solange er es nicht fühlt. "Ich fühl. Ja, ich fühl", sagt er dann in sich hineinhörend. "Ich fühl" kann viel bedeuten. "Ich verstehe", "Das sehe ich auch so", "Das find ich geil" aber vor allem bedeutet es: "Ich fühl".

Und Fayzen will fühlen. Fayzen muss fühlen. Was wäre das Leben ohne zu fühlen? Was wäre Musik, ohne dabei etwas zu fühlen? Auf jeden Fall nicht die Musik von Fayzen.