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Evolve

(Deluxe Version)

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08.06.2017

Imagine Dragons "Evolve", 2017

Knapp fünf Jahre ist es inzwischen her, seit Imagine Dragons mit ihrem Debütalbum "Night Visions" erstmals die internationalen Charts überrollten und dafür wenig später rund um den Globus (auch in Deutschland) Platin abräumen sollten: seither werden sie in aller Welt für ihren unverwechselbaren Alt-Rock-Sound gefeiert. Auf ihrem dritten Album "Evolve" klingen die GRAMMY-Gewinner um Frontmann Dan Reynolds nun nicht nur noch vielseitiger und optimistischer, denn auch emotional setzen sie noch mehr auf Offenheit und Tiefgang.

"Das vergangene Jahr war wohl das gesündeste in meinem ganzen Leben, und das hört man auch ganz klar in diesen neuen Songs", berichtet der Sänger der aus Las Vegas stammenden Band, zu der auch Gitarrist Wayne Sermon, Bassist Ben McKee und Schlagzeuger Daniel Platzman gehören. "Sicher gibt es auch vereinzelt düstere, eher traurigere Passagen auf dem Album, aber andererseits sind da eben auch diese echt krass euphorischen Momente." 

Die Grundstimmung und die ganze Dynamik von "Evolve" haben Imagine Dragons schon mit der im Vorfeld veröffentlichten Hit-Single "Believer" angedeutet: Der Gesang verweist zusammen mit dem Beat klar in Richtung Hip-Hop – und die unmissverständliche Message lautet, dass man an seinen Krisen wächst, nur durch sie stärker wird. "Natürlich gab's auch nicht so tolle Phasen in den letzten acht Jahren (seit der Gründung), aber letztlich waren es so gut wie immer genau diese Phasen, in denen wir uns weiterentwickelt haben", so Sermon, der für diese Entwicklungsstufen das im Titel auftauchende Verb "to evolve" benutzt. "Wir wollten dabei gar nicht unbedingt wachsen, aber irgendein Hindernis oder Problem hat jedes Mal dazu geführt, dass eine Tür aufging und wir uns weiterentwickeln mussten."

Schon für die bereits erwähnte erste Single taten sich Imagine Dragons mit dem schwedischen Producer-Duo Mattman & Robin zusammen, was insgesamt zu einem cleaneren Sound führte. Überhaupt war Minimalismus das oberste Gebot: "Bei jedem einzelnen Song des neuen Albums waren wir sehr darauf bedacht, mit dem absoluten Minimum an Instrumenten zu arbeiten, um die jeweiligen Emotionen zu transportieren, die wir damit zum Ausdruck bringen wollten", berichtet Reynolds über diesen neuen Ansatz.

Ganz anders also als das größtenteils selbst produzierte "Night Visions"-Album oder auch der 2015 veröffentlichte Nachfolger "Smoke + Mirrors", arbeitete die Band dieses Mal eng mit Leuten wie Mattman & Robin oder auch Produzenten wie Joel Little zusammen – letzterer ist bekannt als Produzent von Lordes "Pure Heroine". "Wir haben ganz bewusst Produzenten ausgewählt, die selbst auf das Motto 'Weniger ist Mehr' setzen. Sie waren die richtige Adresse, um immer noch diesen massiven Imagine-Dragons-Sound zu kreieren – aber dieses Mal mit sehr viel kleinerer Palette", so Sermon.

Tatsächlich klingen Imagine Dragons auf "Evolve" trotz der Minimalismus-Maxime extrem vielschichtig und druckvoll – was auch daran liegen mag, dass sie sich vorher eine ordentliche Auszeit gegönnt haben. Ein ganzes Jahr lang hatten die vier nach dem Ende der letzten Tour damit verbracht, in sich zu gehen, und als sie dann wieder zusammenkamen, stellten sie schnell fest, dass ihr Musikbegriff inzwischen sehr viel weniger begrenzt war als zuvor.

"Also 'Smoke + Mirrors' ist in einer echt introspektiven Phase entstanden: Wir dachten damals viel über spirituelle Fragen nach und wollten herausfinden, was diese Dinge für unsere Leben bedeuten", berichtet Reynolds, woraufhin Sermon ergänzt: "Bei dem Album war dieses Ringen um Antworten noch absolut zentral – und dieses Mal waren wir einfach zufrieden damit, dass es keine Gewissheit und keine definitiven Antworten gibt."

Selbstreflexion wird trotzdem groß geschrieben auf "Evolve", nur verwandeln Imagine Dragons diese Impulse immer wieder in etwas sehr viel Größeres: Im Fall von "Whatever It Takes" nehmen sie ihre Selbstzweifel und stricken daraus eine übergroße Hymne mit fetten Beats und dem krassen Flow von Reynolds. Ebenfalls abgerechnet wird auf "Thunder": Über majestätischen Melodien blickt der Sänger auf sein bisheriges Leben zurück (und setzt dafür den einen oder anderen Stimm-Effekt ein).

"Da werfe ich tatsächlich einen Blick auf meine Anfangsjahre, als ich mich noch wie ein richtiger Spinner gefühlt habe. Damals war Musik genau genommen mein einziger Zufluchtsort – obwohl ich zu der Zeit noch viel zu schüchtern war, um sie mit anderen zu teilen. In dem Song taucht diese Phase als eine Art Blitz auf, der vor dem Donner kommt: Und jetzt bin ich an dem Punkt, wo ich das machen kann, was ich schon immer wollte, wenn wir um die Welt ziehen und den Leuten unsere Songs präsentieren."

Auf Neuland bewegen sich Imagine Dragons dann, wenn sie auf "Evolve" auch ein paar echte Lovesongs einstreuen: Seichtere Gitarren, softerer Gesang, so klingt z.B. "Walking The Wire", was Reynolds "als turbulente Beziehungskiste" bezeichnet, "die jederzeit zerbrechen und in sich zusammenfallen kann – nur macht genau das die Sache erst so aufregend." Etwas bedrohlicher wirkt dagegen "I Don’t Know Why" mit seinen unterkühlten Synthesizern über dem treibenden Beat: "Der Beat war auch der Ausgangspunkt für 'I Don’t Know Why', damit ging’s los", erinnert sich die Band.

"Es geht um dieses Gefühl, mit 150 Sachen zwischen anderen Autos durchzusurfen, und jeden Moment könnte etwas schieflaufen. Die Gefahr gehört in dem Song einfach zur Romantik dazu: Das Ganze ist dermaßen aufregend, dass es früher oder später tragisch enden muss. "Am ehesten in Richtung Ballade geht der Song "I'll Make It Up To You": Die Stimme und die Gitarren klingen sehr viel wärmer, wenn es „um den leidenschaftlichen Moment" geht, „der alle vorherigen Fehltritte vergessen macht", wie Reynolds sagt.

Die im Jahr 2009 gegründete Band benötigte nur ein paar in Eigenregie veröffentlichte EPs, um damit bereits eine massive Fanbase für sich zu gewinnen. Nachdem Alex Da Kid sie zu KIDinaKORNER/Interscope Records geholt hatte, erschien mit der EP "Continued Silence" (2012) ihre erste Major-Veröffentlichung, auf der auch ihre erste offizielle Hitsingle "It's Time" vertreten war (2x Platin in den USA). Für "Radioactive", die zweite Auskopplung aus ihrem "Night Visions"-Erstling, kassierten sie 2014 schließlich sogar einen Diamond Award und einen GRAMMY in der Kategorie "Best Rock Performance". Zuletzt hatten sie Anfang 2015 mit dem Platinalbum "Smoke + Mirrors" auf Anhieb die Spitze der US-amerikanischen Billboard-Top-200 erstürmt und auch hierzulande die Top-3 erobert.

Die bedingungslose Offenheit und Ehrlichkeit, die "Evolve" insgesamt auszeichnet, ist dabei die vielleicht größte Errungenschaft ihrer bisherigen Karriere: "Anstatt mich hinter irgendwelchen Metaphern zu verstecken, habe ich es dieses Mal geschafft, sehr viel direkter in meinen Texten zu sein", so Reynolds. "Ich bin auch sehr viel tiefer in mich gegangen, um den Texten dieses Gewicht zu verleihen." Zugleich reagieren sie damit auf das aktuelle Zeitgeschehen: "Momentan wird man ja das Gefühl nicht los, dass die Welt ein ziemlich düsterer und beängstigender Ort ist", meint Reynolds abschließend.

"Wir wollten gerade deshalb etwas kreieren, das eher wie diejenigen Alben funktioniert, mit denen wir selbst groß geworden sind: Etwas, das sich anfühlt, als würde man eintauchen in eine Welt, die viel lebendiger und lebenswerter zu sein scheint. Hoffentlich kann dieses Album den Leuten dabei helfen, die Schönheit des Moments wiederzuerkennen: Sie sollen diesen Glanz, all die Farben und Facetten des Lebens wieder mit neuen Augen sehen."