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Biografie

20.07.2016

Imany, "The Wrong Kind Of War", 2016

"Ich hab' es schon immer geliebt zu singen, aber lange Zeit dachte ich, dass ich nicht gut genug wäre."

Imany mag ihre Berufung vielleicht etwas spät gefunden haben, aber der Weg, den sie seitdem zurückgelegt hat, ist mehr als beeindruckend. Die Ruhe und Gelassenheit, die sie dabei ausstrahlt, ist ebenso charakteristisch für die bildhübsche in Paris lebende Sängerin, wie auch die Tatsache, dass sie niemals aufhört, unentwegt an ihrem eigenen für sie so typischen Stil zu feilen, ihn zu verfeinern und zu perfektionieren.

Und so war es auch nur eine Frage der Zeit, bis Imany mit ihren emotionalen, in wunderbare Songs verpackte Geschichten ein immer größer werdendes Publikum für sich einnehmen konnte. Nachdem sie jahrelang Konzerte für andere Künstler eröffnet hatte, erschien zunächst eine erste eigene EP, bald darauf folgte ihr Debüt-Album "The Shape Of A Broken Heart" (2012). Mit diesem Longplayer begann für Imany ein unaufhaltsamer Aufstieg - nicht zuletzt angetrieben durch den überwältigenden Erfolg ihrer Single "You Will Never Know".

Seitdem hat Imany über 400 Konzerte gespielt, fast eine halbe Million Alben verkauft und ihre ganz eigene Nische irgendwo zwischen Soul, Folk, Blues und Pop gefunden. Obwohl - oder vielleicht gerade wegen der in ihren Songs stets mitschwingenden und deutlich zu spürenden Melancholie sind Imanys Songs von einer kaum greifbaren Tiefe und berühren ungewöhnlich und unerwartet stark. Gespeist werden die Songs aus der Lebenserfahrung eines jungen Mädchens, für das niemals etwas wirklich sicher war. Vielleicht ist auch das der Grund, warum der Name, den sie sich selbst gegeben hat, auf Suaheli "Glaube" bedeutet.

Nun, fünf Jahre nachdem sie erstmals für Aufmerksamkeit gesorgt hat, ist Imany zurück. Endlich. Wenn wir uns an sie erinnern, sehen wir im Geiste eine junge Frau - fast noch mädchenhaft - mittlerweile ist sie eine Mutter und man kann durchaus sagen, dass sich die Transformation, die sie durchlebt hat, natürlich auch auf ihr musikalisches Schaffen auswirkt. Nach wie vor vereint sie die diversen Musikstile, die ihren Erfolg geformt haben und transportiert mittels ihrer einzigartig tiefen und dennoch zugleich sanften Stimme Gefühle, Emotionen und Gedanken - und dennoch ist spürbar wie sich Imanys Blick auf die Welt geändert - oder vielmehr eine neue Perspektive hinzugewonnen hat.

Das Team an ihrer Seite ist geblieben: "Über eine lange Zeit mit den gleichen Leuten zu arbeiten, sich auf ihre Loyalität zu verlassen - das ist der Weg um sie bei dir zu behalten". Und so war das Arbeiten an dem Album, das den Titel "The Wrong Kind Of War" trägt, geprägt von vielen Reisen, was sicherlich ebenfalls Spuren hinterließ. Die Studioarbeiten, die also sowohl im "Globo Studio" in Dakar als auch im Studio "Question de son" in Paris stattfanden, erfolgten nach einem klaren Prinzip: "Meine Grundregel ist 'Die Musik kommt zuerst'. Wenn ich also erstmal die Melodie in meinem Kopf habe, kommt das Schreiben von ganz alleine. Wir hatten ungefähr 50 Songs und haben circa ein Dutzend behalten."

Der erste von diesen Songs war eine Akkustikversion von "Don’t Be So Shy", der als Filatov and Karas-Remix die weltweiten Charts erobert. Ob iTunes (#1 Deutschland, Schweiz, Ungarn etc.), Shazam (TOP 10 weltweit), Youtube (117 Millionen Views) oder die offiziellen Deutschen Single-Charts (#1 Deutschland) - eines scheint offensichtlich - "Don’t Be So Shy" trifft weltweit den Nerv der Zeit und etabliert sich unaufhaltsam zum diesjährigen Sommerhit.

Die Original-Akustik-Version wird sich natürlich auch auf dem Album wiederfinden und der Erfolg des Remixes sollte nicht von der eigentlichen Qualität des Longplayers ablenken. "The Wrong Kind Of War" ist ein Album, dass aufwendig produziert wurde und großartige Orchester-Features beinhaltet - ein rhythmisches Quartett bildet das Fundament der Band: "Das Live-Spielen hat uns viele neue Impulse gegeben." Dadurch ist ein organischer Sound entstanden, der die Menschen direkt zu berühren vermag und gleichzeitig universell ist.

Das gilt auch für die Lyrics. Songs über die Wahrheit, die Liebe, über sich selbst - und scheinbar sind alle Geschichten auf eine sehr feine Art miteinander verwoben und verbunden. So handelt "No Reason No Rhyme" von der Bewältigung einer Trennung, genau wie "Nothing To Save". "You Don’t Belong To Me" erzählt die Geschichte einer vermutlich unmöglichen Romeo-und-Julia-Liebe, während "I Used To Cry" einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zieht und sich die Inspiration bei den Größen des Blues und Jazz, wie Billie Holiday und Dinah Washington, holt. "I Long For You" ist dagegen eher optimistisch - ein wunderbarer Lovesong mit einer starken Bob Dylan Note. Sein Einfluss ist sogar noch mehr bei "I'm Not Sick But I'm Not Well" zu spüren: "… the state one finds oneself in when one falls in love. There's nothing left of you - everything becomes focused on the other person. You're not ill, you're just not well… or just very well!" "The Wrong Kind Of War" hat einen vehementeren Tonfall als noch der Vorgänger. "Auf diesem Album sind die Melodien stärker und die Lyrics bestimmender. Aber nicht alle Songs sind autobiographisch - sogar weit weg davon. Aber ich nehme trotzdem viel Inspiration aus dem realen Leben an - ob von meinem oder dem anderer Menschen".

Doch in Imanys Songs geht es nicht nur um die romantische Liebe. So zeigt sie sich sehr besorgt über das, was gerade in der Welt passiert und täglich über die Nachrichten verbreitet wird. "Save Our Soul" ist ein Schrei der Liebe gegen Gewalt im Fernsehen oder Gewalt, die durchs Fernsehen verherrlicht wird.

"The Rising Tide", das mit einem etwas bitteren Unterton daher kommt, wirkt fast ein wenig anklagend, denn es geht um das ernste Thema Umwelt. "Die kollektive Blindheit mit der wir leben, kann unser aller Ende sein." Diese beiden, fast desillusionierend anmutenden Songs wirken wie das Resultat eines imaginären Gesprächs zwischen Nelson Mandela und der heutigen Generation. "There Were Tears" ist ein gebührendes Tribut an den letzten Helden des 20. Jahrhunderts. "You have to get up and fight, without simply bowing your head and accepting things as they are".

Es steht außer Frage, dass Imany eine ganze Reihe von Fehlschlägen hat erleben müssen. Sie ist eine Frau, die einen umständlichen Weg hat nehmen müssen, um dahin zu kommen, wo sie heute steht und auch jetzt hinterfragt sie sich Tag für Tag aufs Neue. "It is in darkness that belief in the light is best" (*), sagt sie uns in "The Silver Lining", der positivste Song auf dem Album. Message angekommen, mehr muss man nicht sagen.