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16.02.2012

Morten Harket

Ende Januar 2012. Vom Balkon seines Hotelzimmers blickt Morten Harket auf die  Avenida Atlantica in Rio de Janiero. Von der Copacabana weht eine warme Brise herüber. Verkehrslärm und Strandtrubel bilden ein vielfältigen Rhythmus. Das pralle Leben pulsiert.
 
Für einen Moment lässt Harket die Beats der Metropole auf sich wirken. Es ist ein flirrendes Gemisch, der seine Aufbruchsstimmung zu beflügeln scheint. "Mein Besuch hier ist ein erster Schritt raus aus der Höhle", sagt er mit seinem unverwechselbaren Lächeln. Er ist zurückgekehrt in jene Stadt, in der er einst vor fast 200.000 Menschen spielte. Eine Rekordkulisse für seine Band a-ha, die bereits 1991 alle Dimensionen gesprengt hatte. 21 Jahre später steht er vor dem Neustart.

"Die Studioaufnahmen sind abgeschlossen und es freut mich wieder hinauszutreten ins Licht der Welt." Der Terminplan ist dicht gepackt, seine brasilianischen Fans trifft Harket im Rahmen einer moderierten Fragestunde. Bei dieser Gelegenheit stellt er erstmals sein neues Soloalbum "Out Of My Hands" vor. Eine durchaus emotionale Situation; schließlich beginnt nun unweigerlich das nächste Karrierekapitel. Ein Kamerateam, das an einer Dokumentation über sein bewegtes Leben arbeitet, begleitet ihn dabei.

"Der Geist von a-ha steckt tief in meinem Inneren", sagt Morten Harket. "Ich verspüre einen großen Respekt vor dem, was in all den Jahren passiert ist. Doch die Idee dieser Band ist noch nicht zu Ende erzählt. Im Gegenteil: Es war ein würdevoller Ausklang, der alle Möglichkeiten offen gelassen hat". Er verbindet diese Erinnerungen mit dem 4. Dezember 2010, als eine letzte, neunmonatige aha-Welttour mit dem triumphalen Abschiedskonzert in der Spectrum-Arena von Oslo endete.

"Die Konten waren ausbalanciert. Ich wollte auf keinen Fall etwas Halbherziges beginnen: Doch ich spürte auch, dass es weitergehen konnte." Harket wird damit zum Fackelträger eines der erfolgreichsten Bandprojekte der Popgeschichte. Nach der legendären Debütsingle "Take On Me" (1985) veröffentlichten a-ha neun Studioalben, die sich bis heute weltweit rund 40 Millionen mal verkauft haben.

Songs wie "The Sun Always Shines on TV", "The Living Daylights" "Manhattan Skyline", "Hunting High and Low" oder "Summer Moved On" wurden zu modernen Klassikern. Keiner anderen Band aus der Post-New-Wave-Ära der mittleren Achtziger ist es gelungen, ihre Fusion aus Rock und Elektronik über 25 Jahre hinweg so erfolgreich weiter zu entwickeln. Eine Ausnahmestellung, die Morten Harket maßgeblich geprägt hat. Als Sänger, Songwriter, Bandleader, Umweltaktivist und Weltbürger.

Seine bisherigen Soloalben "Poetenes Evangelium" (1993) und "Vogts Villa" (1996) widmeten sich thematischen Konzepten oder waren wie "Letters from Egypt" (2008) als Songsammlung aus verschiedenen künstlerischen Phasen angelegt. "Out of my Hands" entstand dagegen als kompakte Pop-Produktion. Keine Ausflüge in spezielle Genres, sondern Hooklines und Hymnen, welche die großen a-ha-Momente in die Jetztzeit überführen.

"Es existiert sogar ein wirklicher Startpunkt im März 2011", erinnert sich Harket. "Einige Songs nahmen ihren Ausgang direkt in meinem Haus am Oslofjord, als mir mitten in der Nacht einige Akkorde durch den Kopf schwirrten. Am nächsten Morgen habe ich sofort bei Erik angerufen und wir spielten erste Skizzen am Piano ein. Innerhalb von 30 Minuten hatten wir eine Struktur im Kasten." In einem "Netzwerk der Inspirationen" versammelte er ein Team aus altbewährten und neuen Mitstreitern um sich.

Bei Textarbeit stand ihm der norwegische Dichter Ole Sverre Olsen zur Seite, ein langjähriger Freund von Harket. Tour-Keyboarder und Basssist Erik Ljunggren zählt neben Peter Kvint aus Schweden und dem Engländer Steve Osborne (der bereits beim a-ha-Album "Foot of The Mountain" mitwirkte) zu den Co-Produzenten. Zusammen mit Ole Sverre Olsen und Peter Kvint hat Harket etwa die plakativen Einzeiler für die Uptempo-Hymne "I'm The One" geschrieben:

Ein poetisches Vanbanque-Spiel zwischen Liebeslied und den großen Sinnfragen des Lebens. "Insgesamt war es ein wechselseitiger Prozess, der sich zu einem dichten Zusammenspiel verschiedener Köpfe und Eingebungen entwickelt hat.", beschreibt Harkert den kreativen Prozess zu "Out Of My Hands". Als Regisseur und Handwerker zugleich feilte er an den Arrangements, die frisch und kraftvoll seine große Soundtradition fortschreiben.

In der Single-Auskopplung "Scared Of Heights" schwebt Harkets einzigartige Stimme durch ein federleichtes Uptempo-Arragement des norwegischen Songwriters Espen Lind, der 2009 ebenfalls an dem Hit "Hey Soul Sister" von Train beteiligt war. Und mit dem treibenden Rhythmus stellt sich sofort wieder jene ganz spezielle a-ha Magie ein, bei der eines klar wird: Es geht weiter!

Das Spektrum reicht von der melancholischen Ballade "Quiet" mit ihrem feingesponnenen Dialog einer halbakkustischen Gitarre und warmen Synthietönen bishin zum munter voran marschierenden "Lightning", in dem sich die Soundwände zum Refrain hin stetig hochschrauben. "When I Reach The Moon" wiederum verbindet ein markantes Gitarrenriff mit Harketts unverkennbarem Falsett. Die kraftvollen Hymne "Burn Money Burn" geht auf den Orginalsong "Kärleken Väntar" der schwedischen Band Kent zurück.

Es ist eine freie, englische Interpretation des Orginaltexts von Songschreiber Joakim Berg, die im Gegensatz zu früheren politischen Statements Harkets (etwa der Song "East Timor" vom "Wild Seed"-Album) keine explizite Botschaften formuliert. "Die gegenwärtige Krise des Kapitalismus ist wohl etwas zu komplex für die Popbühne und ich sehe mich auch nicht als Prediger", sagt Harkett. "Das bedeutet aber keineswegs, dass ich mich nicht weiter engagiere – nur eben auf anderen Wegen."

Morten Harket hat eine neue Balance gefunden. Seine beswingte Solo-Präsentation in Rio de Janiero steht stellvertretend für die Aura von "Out Of My Hands". Ein eindrucksvolles Bekenntnis zum großen Popsong, das bereits ab Mitte April 2012 in einer ausgedehnten Livetour umgesetzt wird. Ein Reisemarathon, der ihn von Russland quer durch Europa und später auch nach Südamerika führen wird.

"Wir beginnen gerade mit den Proben der neuen Songs für die Live-Auftritte", berichtet er. "Das wird sich modular entwickeln und wenn das aktuelle Material steht, können wir darüber nachdenken, wie sich frühere Songs in diese Dramaturgie einfügen. Die Fans können ihre Favoriten über ein Online-Voting einbringen. Es ist eine offene Situation."