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Nicola Benedetti – Die italienische Violine

Nicola Benedetti © Decca / Simon Fowler
© Decca / Simon Fowler
12.08.2011
Barocke Geiger waren zuweilen durchaus umtriebige, manchmal gar wild impulsive Zeitgenossen. Der florentinische Virtuose Francesco Veracini beispielsweise soll in seinem ereignisreichen Leben gleich zweimal seine Lieblingsinstrumente verloren haben, das eine Mal auf spektakuläre Weise durch  Schiffbruch im Ärmelkanal, das andere auf eigene Veranlassung. Denn da ihn ein Zeitgenosse herausgefordert hatte, verbrannte er zwei wertvolle Geigen, nur um auf einem billigen Jahrmarktsinstrument zu beweisen, dass sein berühmter Ton unabhängig von der Violine sei, die er spielte. Giuseppe Tartini wiederum war einige Jahre in der ganzen barocken Welt als Konzertstar unterwegs, bevor er sich in Padua niederließ und dann als Lehrer, Theoretiker und Komponist an seinem Erbe für die Nachwelt arbeitete. Antonio Vivaldi schließlich war der wahrscheinlich spektakulärste dieser drei Koryphäen, zu Lebzeiten als Musiker, Komponist oder auch Geigenlehrer am venezianischen Mädchenwaisenhaus Ospedale della Pietà geschätzt, inzwischen eine der Säulen der europäischen Musikgeschichte.   

Für die junge Geigenvirtuosin Nicola Benedetti ist es daher von besonderem Reiz, aus der Vielfalt der Werke, die die versierten Ahnen hinterlassen haben, ein Programm zusammen zu stellen, das den Charakter der Komponisten durch die Musik hindurch scheinen lässt. Als Kind italienischer Eltern in Schottland beheimatet, hatte sie sich zunächst durch überwiegend romantisches Repertoire einen Namen gemacht, bevor sie sich nun den Wurzeln der eigenen Musiktradition zuwendet. Und das ist nicht nur eine Frage des Repertoires, sondern auch der damit verbundenen Spieltechniken. „Um den Stil zu erfassen, spielte ich einige frühe italienische und französische Sonaten, aber anfangs hatte ich das Gefühl, das ich mehr Zeit brauchte“, erinnert sich Nicola Benedetti an die Ursprünge des Albums „Italia“. „Die ‘Alte Musik’ ist eine Welt, die sich nicht leicht erschließt – lange schien mit, dass so viele Dinge eine Frage von richtig oder falsch waren: ‘Dieser Stil ist korrekt, jener Stil nicht…’ Aber heute ist dies einer der Bereiche, in denen man die größte Interpretationsfreiheit genießt“.

Für die Künstlerin wiederum bedeutet das, einen großen Spielraum zu haben, den sie mit viel Kompetenz auszufüllen versteht. Vivaldi beispielsweise kommt mit dem berühmten „Sommer“-Konzert aus den „Vier Jahreszeiten“, aber auch mit dem energiegeladenen „Großmogul“-Konzert und Transkriptionen zweier Arien zum Zug. Sein schärfster Konkurrent zu Lebzeiten Giuseppe Tartini ist mit der „Teufelstriller“-Sonate und einem späten „Konzert in a-Moll“ dabei, Francesco Veracini steuert das „Largo“ aus seiner „Sonate Accademiche op.2 no.6 in A-Dur“ bei. Flankiert wird Nicola Benedettis federleichtes, luzides Spiel vom Scottish Chamber Orchester und dessen Solisten unter der Leitung von Christian Curunyn. Auf diese Weise konnte ein Programm entstehen, das das Ungestüme der italienischen Barock-Geige mit der Energie und Kompetenz einer Interpretin kombiniert, die spätestens mit „Italia“ über die britischen Inseln hinaus zu den Stars ihres Instruments zählt.

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