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26.03.2014

Rea Garvey, Prisma, 2015

"Prisma" - So lautet der vielversprechende Titel von Rea Garveys drittem Solo-Album. Und das nicht ohne Grund. Eroberte der charismatische Ire bislang durch emotionale Aussagen die Herzen der Nation, widmet er sich nun einem Thema, das ihm ebenso wichtig ist: dem Hinsehen, Wachwerden und Aufstehen. Die Philosophie von "Prisma" ist eine Politik. Eine, die sich mit persönlichen Kämpfen und Unrecht auseinandersetzt - ausgedrückt in der uralten, universellen Sprache der Emotionen- und des Protests: Musik.

Und hier sind wir bei seinen tiefsten Wurzeln. Einer langen musikalischen Tradition folgend, hat Rea Garvey einen ausgiebigen Blick auf die Welt um sich herum geworfen und ein Album mit Kopf und Herz geschrieben; mit leidenschaftlichen Songs, die bei allem ungebrochenen Optimismus, aufrütteln sollen.

Ein "Prisma" macht Dinge sichtbar, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Es verwandelt, mittels der Zerstreuung von Licht, einen einzigen Lichtstrahl in ein buntes Farbenspektrum. Stellt man sich vor, dieser Lichtstrahl steht für uns – den Zuhörer, für dessen Emotionen und zerteilt sich in viele Farben, dann ist man angekommen auf "Prisma": "Dies ist keine neuzeitliche These, sondern dient einer pragmatischen Absicht. Die Songs "Armour", "Fire", "Run For The Border", "Put Your Tools Down Boys" sollen auf eine Tatsache aufmerksam machen: Die Welt steht in Flammen und wenn die Dinge nicht besser werden, dann müssen wir laut werden.“

Konfrontation. So lautet die Devise auf diesem Album. Obwohl Rea Garvey sich seine positive Grundeinstellung beibehält, mahnt er zum Lautwerden. Er weiß, er ist sowohl Opfer als auch Täter und richtet seine Worte somit genau so sehr an sich selbst, wie auch an die Welt da draußen. Man muss womöglich etwas härter durchgreifen, denn es stehen keine geringeren Dinge als unsere Freiheit und unser Wohlergehen auf dem Spiel. Doch obwohl die Songs dazu aufrufen, aufzurüsten, sind sie keine Predigten. Dafür ist Garvey zu sehr mit dem Oscar Wilde Zitat: "Every saint has a past, every sinner a future" vertraut. "Wenn alleine der Name "Prisma" zum Nachdenken bewegt hat, möchte ich, dass meine Musik ihr Übriges leistet“, sagt Garvey. Und in der Tat entspricht die Musik ganz dem lyrischen Inhalt.

Auch wenn Rea Garvey immer aufgeschlossen und bereit ist, sich in verschiedene Richtungen auszustrecken, geht er auf diesem Album seinen ganz eigenen Weg. Seine Wurzeln sind verankert in einer musikalischen Tradition, die in vielerlei Hinsicht zeitlos ist. Eine Tatsache, die er sich angehalten fühlt, mit diesem Album zu betonen.

Vom langjährigen Wegbegleiter und Garvey-Produzenten Andy Chatterley produziert, rücken die schillernden Synth-Sounds von „Can’t Stand The Silence“ und die akustische Instrumentation, wie sie auf „Pride“ stark vertreten war, in den Hintergrund. Klare, satte E-Gitarren und ein großer, luftiger Drum-Sound helfen nun, seine aktuelle Message rüberzubringen.

Erstmalig in seiner 15-jährigen Karriere, hat Rea Garvey ein Album in seiner deutschen Wahlheimat, Berlin, aufgenommen. Der überwiegende Großteil der Aufnahmen fand in den legendären Hansa Studios in Berlin statt – Geburtsstätte einiger Alben von Größen wie David Bowie, Iggy Pop, Depeche Mode, Snow Patrol, Manic Street Preachers, U2 uvm. Die entsprechenden Alben machten reichlich Gebrauch von der Akustik dieser berühmten Säle und auch "Prisma" bildet in dieser Hinsicht keine Ausnahme.

Analog zum "Prisma" des Albumtitels, wird das Spektrum an musikalischen Schattierungen zur Schau gestellt: Die lyrische Geschichte von "Mockingbird" handelt von Besessenheit und Verwirrung und ist verpackt in ein Arrangement, das an 60er R’n’B erinnert - verzerrte Gitarre und zunehmende Hörner. Wovon Letztere sich unheimlich und gespenstisch klingend und gepaart mit kriegerischem Trommeln, auch auf "Echo Me" (eine gerissene Selbstreferenz des "Can’t Stand The Silence"- Songtextes, in ganz neuem musikalischen Rahmen) wiederfinden.

Obwohl auch hier Gefahr von außen lauert, ist "I’m All About You" doch verhältnismäßig eine Oase der Ruhe, verglichen mit den eher stürmischen lyrischen Themen, mit denen sich "Prisma" auseinander-setzt. "I’ll meet you at the fire escape if it all starts to burn", verspricht Garvey in dieser aufrichtigen, sehr intimen Ballade für eine Geliebte.

Doch das wahrscheinlich hervorstechendste Element im Rahmen von "Prisma" kommt als Trio der one-take, semi-improvisierten Songs "Out On The Western Plain", "Put Your Tools Down Boys" und "Way Going On" daher. Als Teil der wohl radikalsten soundmäßigen Abweichung Garveys bisheriger Karrierelaufbahn erinnern sie an den Akustik-Blues der Großen Depressions-Ära der USA. Tatsächlich ist "Out On The Western Plain" eine Leadbelly via Rory Gallagher Nummer und hat als solche eine sehr persönliche Verbindung. Garvey selbst sagt: "Es ist eher ein Zelebrieren zu Ehren Gallaghers, als ein Cover".

"Put Your Tools Down Boys" ist ein prägnanter, musikalischer Aufruf zum gemeinsamen Handeln gegen einen Gegner, den man wahrscheinlich nicht auffinden wird. Obwohl es, Genre-technisch betrachtet, eine andere Richtung als Garveys üblichen Modus Operandi einschlägt, so verschmelzen doch seine Anliegen ganz formharmonisch mit vielen Thematiken der härteren Tracks auf "Prisma". "War", "Armour" und "Echo Me" – ein Weckruf, ein Aufruf zur Einigkeit und dem, was einige als "den Mann" oder "das System" bezeichnen mögen, die Stirn zu bieten; dem schändlichen Ende von Politik, Geschäftsbeziehungen und Religion. Und das bringt uns zurück an den Anfang und zu dem, was Kopf und Herz von "Prisma" ausmacht.

Parallel zu seiner musikalischen Karriere, setzt sich Garvey auch für humanitäre Arbeit ein, wofür er viel Anerkennung erntet. Es sind die Eindrücke, die er auf den umfangreichen Reisen im Rahmen dieser Arbeit sammeln durfte, die auf diesem Album, in seiner Musik ebenso Ausdruck finden. Indem er diese Beobachtungen als Inspiration nimmt, setzt sich Rea Garvey zum Ziel: "...die Verantwortung eines Musikers, über das Weltgeschehen zu berichten und eine Antwort auf die Anklagen, welche im Namen des Friedens erhoben wurden, zu liefern." Hierbei hat Garvey eine neue Ausdrucksform für seine künstlerische Stimme auf "Prisma" gefunden, und das ist der entscheidendste Aspekt dieses Albums.

Als Konsequenz trifft man im Interview einen merkbar bedachteren Garvey an, wenngleich seine Zuversicht davon unberührt bleibt. Seine Zusammenfassung von "Prisma" ist kurz und bündig:

"Dieses Album ist ein Ausbau meiner selbst, meiner Emotionen, meiner Gemütsverfassung, aber es ist eben auch ein Statement – Du bist ein Individuum und wenn ihr nicht glücklich mit der Welt seid, dann tut euch zusammen und werdet laut. Mit diesem Album könnte ich auch unter Beschuss geraten, ich tue mir nicht unbedingt selbst einen Gefallen damit, Dinge auszusprechen, die manche Menschen nicht hören wollen. Doch ich fühle mich gut gerüstet und habe keine Angst vor einem Kampf."

Reflektierte und doch leidenschaftlich kompromisslose Worte. Garvey hat ein Feldzeichen gesetzt und "Prisma" ist der Tusch. Hilfe ist zur Hand. Der Rest liegt an Euch.