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19.09.2014

Sheppard, "Bombs Away", 2014

Davon träumt wohl so mancher Teenager: Gerade noch im Wohnzimmer der Eltern sitzen und Songs schreiben und im nächsten Moment schon Pharrell Willams’ “Happy” vom Chart-Thron stoßen. Sheppards internationale Hit-Single „Geronimo“ war der Kampfschrei der Band aus Brisbane, eine wahnsinnig raffinierte Stadionpophymne, die das Wechselbad der Gefühle reflektiert, das junge Menschen erleben. Jetzt lässt die sechsköpfige, mehrfach mit Platin ausgezeichnete Indieband mit den Geschwistern George, Amy und Emma Sheppard ihr erstes Album Bombs Away auf die Welt los. Bis dahin war es ein schneller und verrückter Weg.

 

Die Geschichte von Sheppard beginnt 4000 km entfernt von Brisbane im tropischen Pazifikparadies Papua-Neuguinea, wo die Familie hinzog. Der Vater ist Anwalt und im Haus war ständig Musik zu hören: Morgens drehte der Vater Cat Stevens auf, um alle zu wecken, und die Mutter schickte sie zum Klavierunterricht und Musiktheoriestunden. Doch der größte Einfluss war ihr Musiklehrer in der Schule in Port Moresby, Baruka Tau-Matagu, der Keyboarder der legendären Aborigine-Band Yothu Yindi, der auch schon mit Janet Jackson und Madonna gespielt hat. Bei Tau entdeckten die Sheppards ihre Liebe zu Harmonien, ihre Faszination für das Musikerleben – und ihre Arbeitsmoral. „Er hat sich alles selbst erarbeitet“, meint George. „Er hat unglaublich viel Erfolg gehabt, aber er ist ein sehr bescheidener Mensch.“

 

Baruka brachte der Band jedoch nicht nur Harmonien bei, durch ihn lernten sie auch die australische Musiklegende Michael Chugg kennen, der später ihr Manager wurde.

Dieser zeigte sich allerdings nicht sofort begeistert -im ersten Moment traf die Band nicht ganz Chuggs Geschmack. Nachdem sie aber sechs Monate lang nicht locker ließen, lud er sie zum Vorspielen – vor seinem kompletten, 40 Mann starken Team. Der Auftritt muss überzeugend gewesen sein, denn danach nahm Chugg sie sofort unter seine Fittiche und sie waren einer der ersten Acts, die bei seinem Label unter Vertrag standen.

 

Die ungewöhnliche Kindheit der Band in Papua-Neuguinea hat musikalisch ihre Spuren hinterlassen – eine sonnendurchflutete Inselatmosphäre, die auf ein Talent für Popmelodien trifft, hinter denen man ein dreimal so altes Songwriting-Team vermuten würde. Wie viele andere Bands auch entstanden Sheppard aus einem Zufall, zurück in Australien, als Amy, das mittlere der Geschwister, für ihren Musikabschluss büffelte. Sie hatte das Gefühl, dass einem ihrer Songs (Arbeitstitel „Cheese on Toast“) noch etwas fehlte. Ihr Bruder George, der zu dem Zeitpunkt in Sydney Schauspiel studierte, half ihr bei den Harmonien, und die beiden entdeckten, dass sie zusammen schreiben konnten. Sie holten den jungen Komponisten und Produzenten Jay Bovino mit ins Boot, der gerade von der Band Vienna Circus aus Sydney kam und nach gerade einmal zwei Monaten hatte das Trio Bovino, Sheppard und Sheppard 30 Songs geschrieben. Die Musiker Michael Butler und Dean Gordon aus Brisbane stießen an Gitarre und Drums dazu, und ihre kleine Schwester Emma übernahm die Bassgitarre. Nachdem sie es mit mehreren Produzenten probiert hatten, trafen sie mit Stuart Stuart von Analog Heart Records endlich einen, für den sie sich nicht verbiegen mussten.

 

„Bei ‚Geronimo‘“, erzählt Amy, „wussten wir eigentlich, dass das ein Hit wird. Wir schrieben den Song in ungefähr zwei Stunden, wir hatten so viele Hooks, dass wir nicht einmal alle verwendet haben.“ „Songwriting ist wie ein Puzzle“, fügt George hinzu. „Es ist, wie Aufgaben lösen.“

 

Nach fünf Minuten mit Sheppard ist klar, dass die Band eine kreative Vision hat, die ihr Alter und ihre geringe Erfahrung vergessen lässt. „Zurzeit gibt es nicht viele reine Pop-Acts auf der Welt, die ihre Songs selber schreiben und über ihr eigenes Leben singen“, sagt George. „Meistens steckt hinter einem Hit ein Team von sechs oder sieben Songschreibern. Sheppard ist eine Band für Leute, die klassische Popmusik wie Fleetwood Mac, Cat Stevens und die Beatles mögen.“

 

Der Melodienreichtum von Bombs Away erinnert in der Tat an die üppigen Kompositionen klassischer Chart-Pophits aus den 70er- und 80er-Jahren. Kernige Akustikgitarren und Basstrommeln treiben die Songs durch überraschende Modulationen und Stile – neben etwas Southern Gothic („Halfway To Hell“) finden sich auch cooler Skandi-Pop („This Electric Feeling“) und in sich gekehrte Lovesongs („Something’s Missing“). Die Kombination aus euphorischen Melodien und emotionalem Inhalt sorgt für einen überwältigend inspirierenden Sound. „Das ist Musik für Underdogs“, schreiben einige Kritiker, und die Band ist einverstanden: „Sheppard schreiben Songs für und über die Entmutigten“, sagt Jay. „Aber es gibt immer Hoffnung.“

 

Wenn man ein Publikum in Camden sieht, das den Text des frechen Trennungssongs „Let Me Down Easy“ lauthals mitsingt, beschleicht einen das Gefühl, dass Sheppard genau wissen, was sie tun: Es mag perfekte Popmusik sein, doch ihre Indiewurzeln verleihen ihnen Authentizität und Glaubwürdigkeit. Laut eigener Aussage kann sich die Band glücklich schätzen, in Brisbane angefangen zu haben, denn mit seiner großen, solidarischen Szene sei es „die beste australische Stadt, um als Band ohne Plattenvertrag den Durchbruch zu schaffen“.

 

Nun, da sie die Aufmerksamkeit des britischen Agenten Steve Strange (Eminem, Coldplay) und des legendären amerikanischen Talentmanagers Scooter Braun (Usher, Justin Bieber, Psy) erregt haben, steht ihnen die Welt offen. Die Band ist den Rest des Jahres auf Tour. In den Pausen zwischen den Shows sind sie bereits mit den Aufnahmen für ihr nächstes Album beschäftigt – hinten im Bus singen sie in ihre iPhones.