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17.09.2014

Tokio Hotel, "Kings Of Suburbia", 2014

Sieben Millionen weltweit verkaufte Tonträger, Platinauszeichnungen in 68 Ländern und eine Show vor 500.000 Menschen am Eiffelturm. TV-Stars und Lieblinge der Boulevardpresse. Superstars im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Band so groß, dass jeder ihrer Schritte von einer Armee von Fotografen begleitet wurde.

Bill und Tom Kaulitz haben all das eingetauscht gegen die Anonymität von Los Angeles. Einer Stadt, in der man sie nicht sofort auf der Straße erkennt. Eine Metropole, in der die Paparazzi andere Prioritäten haben. Ideale Bedingungen, um ihrer Band neues Leben einzuhauchen. 

"Als wir in die USA kamen, konnte ich den Namen Tokio Hotel nicht mehr hören. Ich hatte alles so satt.", sagt Bill. "Wir mussten rausfinden, was wir wirklich vom Leben wollten. Dafür mussten wir die Musik und unsere Karriere erst mal hinten anstellen, unseren Kopf freimachen und einen radikalen Neubeginn riskieren.“

"Ich war mir nicht mal sicher, ob ich das alles wirklich noch wollte." stimmt Tom seinem Bruder zu. "Den hohen Preis, den wir für unseren Erfolg zahlen mussten, der ganze Wahnsinn, so hatte ich mir mein Leben nicht vorgestellt. Aber in Los Angeles haben wir das Wichtigste wiederentdeckt - unsere Liebe zur Musik."

Das Ergebnis ist Kings of Suburbia, das neue Album der Band. Ein Fanal von Songs, die lichterloh brennen und nie verblassen. Beeinflusst von einem Jahr intensiver Neufindung, endlosen Eskapaden in Los Angeles Clubszene zeigt dieses Album das ganze Spektrum des neuen Lebens der Brüder, die wilden Nächte, die verkaterten Morgen. Sorgenfrei und kompromisslos.

Von Songs wie "Feel It All" und "Girl Got a Gun", die verschwitze Club-Atmosphäre und durchtanzte Nächte aus jeder Pore atmen, zu den sanfteren, introvertierten Klängen von "Run Run Run" (erster Vorab-Track) und "Love Who Loves You Back", erlebt man die Kaulitz-Zwillinge an den Grenzen ihrer Vernunft und Nüchternheit. Ihrer Erkenntnis, dass es möglich ist, ihr neues Leben in ihren Songs zu spiegeln. Ein Soundtrack zu all den Partiys, die nie zu Ende gehen.

Kings of Suburbia strotzt vor Authentizität, weil Tokio Hotel den Inhalt ihrer Songs leben und ihre Nächte in den Songs zum Leben erwecken.

"Die Produzenten liebten es, wenn ich direkt aus den Clubs ins Tonstudio kam um meine Gesangspuren aufzunehmen." lacht Bill. "So entstanden viele Songs. Wir haben diese Momente direkt eingefangen."

"Für dieses Album sind eine Menge Zigaretten, Drinks und Nächte drauf gegangen." ergänzt Tom, mit einem wissenden Lächeln, "Wir haben während der Aufnahmen keinen einzigen Sonnenaufgang verpasst."

Kings of Suburbia ist ein trotziges und kompromissloses Statement von Tokio Hotel. Zwar arbeiteten sie erneut mit einer eklektischen Auswahl an Produzenten, einschließlich vertrauter Mitstreiter wie Jost, Rock-Mafia und Guy Chambers. Zusätzlich gibt es unüberhörbare Einflüsse der angesagten DJs aus den heißesten Clubs von Los Angeles. Aber zum ersten Mal in ihrer Karriere übernahmen die Kaulitz-Brüder selbst das Ruder und stemmten den Löwenanteil der Arbeit im Studio. Tom fühlte sich sichtlich wohl in seiner neuen Rolle als treibende Kraft und zeigte sein Können diesmal nicht nur an der Gitarre, sondern auch am Klavier, Schlagzeug und Synthesizer.

"Auf den meisten Song fungiert meine Gitarre nur als Werkzeug. Ich sehe mich mehr als Allrounder und Produzent der Band und nicht als reinen Gitarristen. Wir haben uns gegenseitig angetrieben, um das perfekte Album aufzunehmen. Jeder Ton auf diesem Album ist genau so, wie wir ihn haben wollten. Das Meiste haben wir diesmal selbst produziert."

Die Bandmitglieder Georg Listing (Bass) und Gustav Schäfer (Schlagzeug) waren natürlich wie immer Teil des Wahnsinns. Live-Instrumente wurden mit elektronischen Beats verbunden, um am Ende ein Album zu erschaffen, das anders ist als alles, was man von Tokio Hotel bisher gehört hat. Mit Kings of Suburbia haben sie ihre Lust am Leben - und damit ihre Lust an der Musik - wiederentdeckt. Weit weg vom Rampenlicht, weit weg von all den positiven und negativen Aspekten des Ruhms, konnten sie in eine Welt von einfachen (und manchmal waghalsigen) Vergnügen eintauchen, sich selbst neu entdecken und dabei eine neue Welt für sich erschaffen.

"Es ist so, als wenn wir hier zum ersten Mal richtig das Leben genießen konnten. Wir sind mit 15 aus der Schule raus, sind mit der Band durchgestartet und hatten von diesem Moment an kein Privatleben mehr. Es gab nur Tokio Hotel", blickt Bill zurück. "Wir wurden von unserem eigenen Erfolg gejagt und haben irgendwie immer versucht, dem Ganzen zu entkommen. Wir wollten einfach nur so was wie ein normales Leben."

Tom ergänzt: "Irgendwann sehnst du dich danach, ganz einfache Dinge tun zu können. Und hier konnte ich mit dem Fahrrad fahren, in den Supermarkt gehen oder mein Auto anmelden. Das hat mich verdammt glücklich gemacht."

Tokio Hotel sind nicht naiv. Die Gesetze der Musikindustrie besagen, dass man nicht einfach für fünf Monate - geschweige denn für fünf Jahre - verschwinden und danach erwarten kann, dass alles ist wie vorher. Aber die Jungs sind mutig genug, diese Theorie auf die Probe zu stellen. Sie haben schon einmal die Welt im Sturm erobert und sind bereit, es wieder zu tun.  Aber diesmal zu ihren Bedingungen.

"Klar ist es ein Risiko." meint Bill. "Aber bei diesem Album ist alles genauso, wie wir es uns vorstellen und es ist das erste Mal, dass wir das ehrlich so sagen können. Wir haben alles so gemacht, wie es uns passte. Keiner hat uns Songs geschrieben, die wir "verkaufen" müssen. Das Album ist 100 Prozent wir. 100 Prozent Tokio Hotel. Das sagen zu können, fühlt sich verdammt gut an!"