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Wilhelm Furtwängler

Neues von Furtwängler

08.10.2004
Der Historiker Alexis Schwarzbacher hat für die Wochenzeitschrift “Die Zeit” in Züricher Archiven geforscht und herausgefunden, dass Wilhelm Furtwängler im Herbst 1944 in der Schweiz während einer Konzertreise um Asyl gebeten hat. Der Antrag wurde abgelehnt, weil der Dirigent nicht wirklich glaubhaft machen konnte, dass er in Nazi-Deutschland verfolgt werden würde. Im Januar 1945 wiederholte sich die Prozedur, nachdem er als Kulturprotagonist des Dritten Reichs beinahe nicht hätte einreisen dürfen.
Die Konzerte waren von öffentlichen Protesten begleitet, Furtwängler brachte unbeeindruckt seine Geschichte von der vermuteten Beschattung durch die Gestapo vor und hatte außerdem ein Attest vom C.G.Jung im Gepäck, das ihm Depressionen bescheinigte. Durch Interventionen einflussreicher Freunde schließlich konnte er in der Schweiz bleiben, allerdings mit Berufsverbot belegt, und schaffte es sogar, sich nach dem Krieg dort trotz vieler Widerstände niederzulassen.
 
Das von ihm im Rahmen der Entnazifizierung gerne vorgebrachte Argument der inneren Emigration allerdings wird dadurch weder gestützt noch entkräftet. Goebbels jedenfalls notierte 1939 in sein Tagebuch über Furtwängler: “Er hat uns im Ausland wieder große Dienste getan”. Und da bleibt es gleich, wie sehr der Dirigent in seinem Inneren emigrierte.

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