Brazilian Girls | Musik

Talk To La Bomb 0602517229219
Talk To La Bomb
VÖ: 26. Januar 2007
Brazilian Girls

Produktinformation

Eine Band wie ein Gewitter. Heftig, elektrisierend und unvorhersehbar. Donner und Blitz folgen auf ein friedlich dahin ziehendes Grummeln. Plötzliche Ausbrüche beenden leise, geradezu träumerische Passagen. Ist das Electro Clash 2007? Ein außergewöhnlich reichhaltiger neuer Pop-Entwurf? Oder einfach nur der pure Wahnsinn? Genau genommen ist es alles zusammen. Ein Gesamtkunstwerk.

Die Brazilian Girls sind ein Quartett aus New York City mit klassischer Instrumentierung. Auf den ersten Blick zumindest. Gesang, Bass, Drums, Keyboards – nur die Gitarre in zentraler Position fehlt. Diese wird über eine atemberaubende Strecke von 12 Songs ersetzt – oder besser: vergessen gemacht – von allerlei Saxophonen, Trompeten, Flöten oder Percussions. Und dann taucht sie doch auf. Bei “Last Call” greift Produzent Ric Ocasek, der einst mit seiner Band The Cars in den Tagen des New Wave berühmt wurde, zur elektrischen Gitarre und unternimmt mit uns einen melancholischen Ausflug durch ein herunter gekommenes Stadtviertel bei Nacht.

Auf dem schwarz-weißen Cover des zweiten Albums sind die Model-mäßigen Beine der deutsch-italienischen Sängerin Sabina Sciubba zu sehen. Sie stecken in hochhackigen Stiefeln. Sabinas Mini-Rock – ihren Oberkörper sieht man nicht – ist mit Filzschreiber nachlässig zinnoberrot eingefärbt. Eine grellgelbe Klospruch-Schrift verkündet den multi-lingualen Titel des Albums “Talk to LA Bomb”. Das Unmögliche wagen. Ein Schwätzchen mit der Bombe. Ein Tanz auf dem Vulkan. | Auf “Le Territoire” zeigt Sabina ihre Französisch-Kenntnisse, und die Brazilian Girls klingen ein wenig wie die deutsch-amerikanische Frauenband Chicks on Speed. Beim Eröffnungs-Song “Jique” wagt die Sängerin gar einen Entwurf ihrer eigenen Esperanto-Variante, die sich aus englischen, deutschen, französischen, italienischen und spanischen Wortgebilden zusammen setzt. Sätze wie ein Gang durch Brooklyn oder die Lower Eastside Manhattans. Eine flamboyante Verrücktheit, die aber von ihren “Jungs” – Didi Gutman (Keyboards), Jesse Murphy (Bass) und Aaron Johnston (Drums) – immer wieder in die Spur zurück geholt wird. Sonderlich ernst nehmen sich die Brazilian Girls dabei nicht, wie ihre furiosen Live-Auftritte beweisen, die zuweilen in eine groteske Maskenrevue ausarten können.

Dabei verstehen die Musiker und ihre Studioäste selbst redend ihr Handwerk. Die Brazilian Girls beweisen, dass ein rauer Mix aus Melodien und Improvisation durchaus gute Popsongs hervor bringen kann. Die Band jedenfalls hat das Experiment gewagt, ohne große Song-Layouts oder Basis-Kompositionen ins renommierte Electric Lady Studio zu gehen. Einfach drauf los, lautete das erklärte Motto. Wohlwissend, dabei nicht in einer selbst gefälligen Freestyle Session zu enden. Die Brazilian Girls wollten einfach die fiebrige Stimmung ihrer Auftritte ins Mischpult übertragen. Vielleicht haben sich die Vier ihre überschäumende Bühnen- und Studiopräsenz bei George Clinton und seiner vielköpfigen Crew Parliament abgeschaut. Mit der gleichen Energie jedenfalls, wie das “Funk-Mutterschiff” damals in den Siebzigern zu Werke ging, verhackstücken die Brazilian Girls ihr Verhältnis zu Manhattan-Eindringlingen mit Reiseführern im speziellen (“Tourist Trap”) oder den Krauts im allgemeinen (“Never Met a German”).

In ihrer Thanks-Liste grüßt die Band die brasilianische Singer/Songwriterin Bebel Gilberto genauso wie den legendären Gründervater des Island-Labels und Reggae-Entdecker Chris Blackwell oder die crossovernde US–Band Thievery Cooperation. Ein dezenter Hinweis auf den weiten Horizont, welcher die Brazilian Girls schlichtweg zu einer absolut internationalen Angelegenheit werden lässt. Es ist nach dem ersten, zweiten und auch dritten Hören schwer zu bestimmen, aus welchem Land oder welcher Soundschule diese vier Multi-Stylisten kommen. “Wir wollten die Massen zum Beben bringen”, definiert der argentinische Keyboarder Didi Gutman schlicht und ergreifend die Marschrichtung ihrer aktuellen Liveshows. Ein Vorhaben, welches die Brazilian Girls auch bei ihrer neuen Platte niemals aus den Augen verloren haben.

Einen exklusiven Clip von Brazilian Girls gibt es hier!
Veröffentlichung
2007-1-26
Format
CD
Label
Verve
Bestellnummer
00602517229211

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