Cluster | Biografie

Cluster

Krautrock-, Industrial- und Ambient-Pioniere, visionäre Elektronik-Künstler, Pop-Rocker: Clusters vielschichtige Klang-Legende lebt. Ihre Bedeutung in der jüngeren Musikgeschichte ist unumstritten. Als Clusters Mitbegründer Dieter Moebius 2015 starb, ging ein ehrfurchtsvolles Raunen durch die Medienlandschaft. “Cluster gehört zu den Heroen in der unsichtbaren, aber längst existierenden ‘hall of fame’ all jener Künstler, die sich der Kunst um der Kunst willen verschrieben haben”, schrieb ihm zum Abschied sein Cluster-Weggefährte Hans-Joachim Roedelius. Man habe gemeinsam “die Türen zu einem unendlich weiten und grenzenlos interessanten Klang-Universum aufgestoßen”, zitiert der Spiegel in einem Nachruf. Ohne sie würden Einstürzende Neubauten, Pole, The Orb, Aphex Twin und DJ Spooky anders klingen.
Cluster gingen 1969 aus der alternativen Kunstszene West-Berlins hervor. Moebius, Roedelius und der Beuys-Schüler Conrad Schnitzler (später Tangerine Dream) trafen sich im Kreuzberger Live-Musik-Projekt Zodiak Free Arts Lab. Ohne Schnitzler brachten sie zwei Jahre später mit ihrem dritten Album Cluster 71 einen Meilenstein hervor. Das renommierte britische Avantgarde-Musikmagazin The Wire nahm Cluster 71 in seine von Plattensammlern geschätzte Rubrik: 100 Records That Set the World on Fire auf. Begründung: Cluster war dem Illbient- und Trip-Hop-Sound der frühen 1990er um zwanzig Jahre voraus.
Auch der Albumnachfolger Cluster II hat Musikgeschichte geschrieben: Gleich nach Gründung ihres epochalen Krautrock-Plattenlabels Brain-Records nahmen Bruno Wendel und Günter Körber die Band unter Vertrag. Aufgenommen mit dem wegweisenden Tonmeister und Produzenten Conny Plank, einst Soundmann von Marlene Dietrich, markiert das Album den Übergang zwischen dem strukturalistischen proto-industriellen Avantgarde-Sound ihrer frühen Alben und dem späteren, songformatigeren Ambient-Rock von Cluster.
1974 spielten sie mit dem Gitarristen Michael Rother (Kraftwerk, Neu!), produziert von Plank, ihr womöglich eingängigstes Album Zuckerzeit ein. Ein Proto-Minimal-Techno-Opus, in dem angetrashte, aufgebauschte Drum-Machines dominieren, unter filigranen, auf Synthies und Gitarren eingespielten Melodien: “Space Rock ohne den Rock”, schreibt der AllMusic-Guide.
Clusters Sound mit seinen offenen Rhythmen, den schimmernden, drone´igen, düsteren, kaleidoskopischen, analogen Synthesizer-Passagen, begeisterte den britischen Ambient-Champion Brian Eno. Mit ihm produzierten Moebius und Roedelius zum Ende der 1970er Jahre die beiden Alben Cluster & Eno und After The Heat. “Eno lernte hier von den deutschen Kollegen alles, was er kurz darauf mit David Bowie nutzen würde, um Low zu erschaffen”, bemerkt Laut.de.
In den frühen 1980ern lösten Cluster sich auf. Sowohl Moebius als auch Roedelius begannen immens produktive Solo-Karrieren. Zum Ende der Nullerjahre nahmen sie wieder gemeinsam neues Material auf und gaben Konzerte. In einer dritten Inkarnation lebt Cluster heute als Qluster weiter, geführt von Roedelius und dem Tontechniker Onnen Bock.