Daniel Hope | Biografie

Biografie

Aufgrund der Covid−19-Pandemie können wir momentan keine zuverlässigen Aussagen bezüglich der jetzigen und kommenden Spielzeit machen.
Intensität und Menschlichkeit zeichnen Daniel Hopes Musizieren aus, hinzu kommt seine leidenschaftliche künstlerische Neugier. Der in Berlin lebende Geiger spricht mit seiner Kunst Kenner und Klassische-Musik-Neulinge gleichermaßen an, sein poetisches, kenntnisreiches Spiel gewinnt die Herzen und den Geist. Hope lässt sein Instrument singen. Sein Verständnis für musikalische Linien und den richtigen Ausdruck hat seine Wurzeln in der frühen Arbeit mit seinem Mentor Yehudi Menuhin. Es ermöglicht ihm ausgeprägt persönliche Interpretationen eines breiten Repertoires, das von Bach, Händel und Vivaldi bis zu Takemitsu, Tavener und Turnage reicht. Die Frankfurter Neue Presse nannte Hope einen »Musiker mit Sinn und Gefühl für Außergewöhnliches«, und traf damit den Kern von so vielen Rezensionen über Hopes Arbeit. Dieses »Gefühl« speist seinen Wunsch, Grenzen einzureißen, die Individuen, Gemeinschaften und Nationen trennen, und ist treibende Kraft seiner Arbeit als erklärter musikalischer Aktivist.
Daniel Hopes Projekte haben die Aufmerksamkeit auf das Schicksal der von den Nationalsozialisten ermordeten Musiker gelenkt, auf die Geschichten anderer, von Hass und Engstirnigkeit betroffener Menschen und auf die Kunst von Komponisten, die in der Musikgeschichte stiefmütterlich behandelt wurden. Er hat mit Schauspielern wie Klaus Maria Brandauer und Mia Farrow gearbeitet, um bekannte Werke von Mozart und Beethoven in einen neuen Kontext zu stellen, und anlässlich des 100. Jahrestags des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs schuf er ein Projekt, das Lieder jener Zeit, Texte von Soldaten-Dichtern und ein neues Violinkonzert von Gabriel Prokofiev vereinte. »Ich bin fasziniert davon, was Musik erreichen kann, und ich stelle jedes Jahr verschiedene Projekte zusammen, die auf ihre Art eine gewisse politische Aussage haben«, erklärt Hope. »Trotzdem bin ich kein Politiker. Ich bin Musiker. Aber ich glaube, dass Musiker ihre Talente und ihre Kommunikationsform nutzen können, um so manches zu bewirken.«
Sein Engagement umfasst ein breites Spektrum von Aktivitäten. Er ist Moderator einer wöchentlichen Rundfunksendung auf WDR 3, Autor von vier erfolgreichen Büchern für den deutschsprachigen Markt und hat regelmäßig für das Wall Street Journal und Cicero geschrieben. Seine Leistungen wurden mit dem Europäischen Kulturpreis für Musik (2015) und dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt. Hopes Überzeugung, dass die besonderen Ausdrucksmöglichkeiten von Musik die Menschen zum Denken anregen können, veranlasste ihn 2016, Hope@9pm ins Leben zu rufen, eine vierteljährliche Veranstaltungsreihe im Berliner Konzerthaus, bei der er mit eingeladenen Gästen aus Kultur und Politik im Sinne der Salonkultur des 18. Jahrhunderts musikalische Darbietungen und Diskussionen miteinander verbindet. Als Liveaufführungen 2020 nicht mehr möglich waren, veranstaltete er Hope@Home: 150 Konzerte, die in den ersten Monaten der Pandemie täglich per Livestream aus seinem Wohnzimmer übertragen wurden, haben fast 400 Musikern eine Plattform geboten. Im Oktober 2021 erhielt Hope für dieses Format beim OPUS KLASSIK den Sonderpreis der Jury für besondere Leistungen.
In den letzten 20 Jahren ist Daniel Hope mit vielen international führenden Orchestern und Dirigenten aufgetreten, hat eng mit Komponisten zusammengearbeitet, von Alfred Schnittke, Harrison Birtwistle und Torū Takemitsu bis zu Sofia Gubaidulina, Roxanna Panufnik und Gabriel Prokofiev, und er hat über 30 neue Werke in Auftrag gegeben und uraufgeführt. Als Solist in Konzerten und Recitals ebenso gefragt wie als Kammermusiker ist er in den renommiertesten Konzertsälen zu hören wie der Carnegie Hall, der Wigmore Hall und dem Amsterdamer Concertgebouw oder bei prestigeträchtigen Festivals wie den BBC Proms oder den Festspielen in Salzburg und Tanglewood. 2002 wurde er das jüngste Mitglied in der Geschichte des Beaux Arts Trio und gab 400 Konzerte mit dem legendären Ensemble, bis das Trio sich 2008 auflöste.
Für das alljährliche Savannah Music Festival hat Daniel Hope als Stellvertretender Künstlerischer Direktor (2004–2019) Saison für Saison außergewöhnliche Programme konzipiert. Zu Beginn der Spielzeit 2016/17 wurde er Nachfolger von Roger Norrington als Musikdirektor des Zürcher Kammerorchesters, und zwei Jahre später wurde er Musikdirektor des New Century Chamber Orchestra in San Francisco, mit dem er im Juni 2019 dessen erste Europa-Tournee unternahm. 2019 trat er das neu geschaffene Amt des Künstlerischen Direktors der Dresdner Frauenkirche an, die für ihn nicht nur ein Ort des Gottesdienstes, sondern auch ein Symbol für Frieden, Versöhnung und Toleranz ist. Im Januar 2020 wurde er neuer Präsident des Beethoven-Hauses Bonn, das im Zentrum der Veranstaltungen stehen wird, mit denen die Musikwelt Beethovens 250. Geburtstag feiert.
Nach seinen ersten Aufnahmen 1999 erwarb sich Hope schon bald den Ruf eines der individuellsten und faszinierendsten Virtuosen seiner Generation. 2007 unterzeichnete er einen Exklusivvertrag mit Deutsche Grammophon. Auf seinem ersten Album für das gelbe Label spielte er Werke von Mendelssohn, unter anderem die Originalfassung des Violinkonzerts in e-Moll. Im selben Jahr nahm er Schulhoffs Sonate für Solovioline als Beitrag zu Anne Sofie von Otters Album mit Musik jüdischer Komponisten aus dem Konzentrationslager Theresienstadt auf.
Zu Hopes DG-Veröffentlichungen zählen Projekte mit dem post-minimalistischen Komponisten Max Richter, darunter das überaus erfolgreiche Recomposed by Max Richter: Vivaldi – The Four Seasons und Remixes von Berlin by Overnight (beide 2014), sowie eine Reihe von Alben, die thematisch oder anhand einer musikalischen Stimmung konzipiert sind. Air – A Baroque Journey (2009) zeigte die Ausdruckskraft der virtuosen Violinmusik des 17. und 18. Jahrhunderts; The Romantic Violinist (2011) widmete sich dem Vermächtnis des legendären Geigers und Komponisten Joseph Joachim; Spheres (2013) bot eine Sammlung von 15 Stücken, die durch die aus der Antike stammende Vorstellung von der Sphärenmusik inspiriert waren; und Escape to Paradise (2014) galt Werken europäischer Komponisten, die in Hollywood Zuflucht vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten fanden.
Daniel Hope feierte den 100. Geburtstag von Yehudi Menuhin 2016 mit dem Album Daniel Hope – My Tribute to Yehudi Menuhin. Das 2017 veröffentlichte For Seasons geht auf Hopes Erinnerung zurück, wie er als Kind eine Aufführung von Vivaldis Vier Jahreszeiten mit Menuhin und dem Zürcher Kammerorchester erlebte. 2018 erschien Journey to Mozart, wiederum mit dem Zürcher Kammerorchester aufgenommen, mit Musik von Gluck, Haydn, Mysliveček und Mozart selbst.
2020 wurde das Album Belle Époque veröffentlicht, das einen vielfältigen Eindruck bietet von der Musik, die zwischen dem Ende des deutsch-französischen Kriegs und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs entstand und Werke so unterschiedlicher Komponisten wie Elgar, Debussy, Chausson, Zemlinsky und Schönberg enthält. Es folgte zunächst ein Album, das die Kammerkonzerte Hope@Home dokumentiert, mit Gastkünstlern wie Christoph Israel, Till Brönner und Max Raabe und dann eine Veröffentlichung anlässlich des 75. Geburtstags des Zürcher Kammerorchesters, die drei klassische Serenaden als Höhepunkte dieser Gattung vorstellt: Tschaikowskys und Elgars Streicherserenaden sowie Mozarts Eine kleine Nachtmusik.
Im Februar 2021 folgte Schnittke: Works for Violin and Piano, das mit dem Pianisten Alexey Botvinov aufgenommen wurde, zu hören sind die Suite im alten Stil, die Sonate Nr. 1 für Violine und Klavier sowie »Tango« aus der Musik zum Film Agonia. Das Album Hope – während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr aufgenommen und im September 2021 veröffentlicht als ein Versuch, einen Hoffnungsschimmer zu senden und Halt zu geben – präsentiert Musik von Schubert, Elgar und Pärt sowie Arrangements von traditionellen Liedern und eine neue Fassung von Ariel Ramírez‘ Missa Criolla.
In seinem aktuellen Album America, ab Februar 2022 auf dem Markt, taucht Daniel Hope in das reiche Repertoire amerikanischer Musik ein, um ihre Wurzeln zu erforschen und ihrer Eigenart nachzugehen. Aufgenommen mit dem Zürcher Kammerorchester und Gästen wie dem Marcus Roberts Trio stellt er neue Arrangements vor von Werken von Bernstein, Cook, Copland, Ellington, Gershwin, Price, Ward und Weill.
2004 wurde Hope bei den Classical Brit Awards zum »Nachwuchskünstler des Jahres« gekürt. Er erhielt sieben ECHO Klassik-Preise, darunter den Preis »Klassik ohne Grenzen« 2017 für For Seasons, sowie den Deutschen Schallplattenpreis, Prix Caecilia, »Diapason d’Or des Jahres« und Edison Classical Award Special Prize 2014. Hinzu kommen zahlreiche Grammy-Nominierungen.
Daniel Hope kam 1973 in Durban in Südafrika zur Welt. Als er sechs Monate alt war, erhielt sein Vater, der Romanautor, Dichter und Antiapartheid-Aktivist Christopher Hope, ein Ausreisevisum unter der Bedingung, dass er nie zurückkehre. Die Familie ging zunächst nach Paris, dann nach London, wo Daniels Mutter Eleanor Sekretärin und später Managerin von Yehudi Menuhin wurde. Als kleiner Junge spielte er mit den Enkelkindern des Geigers, der ihn anregte, Geigenunterricht bei Sheila Nelson zu nehmen, einer der besten Musikpädagoginnen für Kinder in England. 1984 trat er in das Royal College of Music in London ein und studierte anschließend an der Royal Academy of Music. Hope startete 1990 seine Laufbahn als Berufsmusiker und nahm zwischen 1992 und 1998 als Krönung seiner formellen Ausbildung noch Unterricht bei Zakhar Bron.
Er spielt die »Ex-Lipiński« von Guarneri del Gesù aus dem Jahr 1742, die ihm von einer ungenannten Familie aus Deutschland zur Verfügung gestellt wurde.
Zu seinen Plänen für die laufende Spielzeit gehören vier Konzerte im Januar 2022 mit dem New Century Chamber Orchestra und Sopran Leah Hawkins mit Werken von Diamond, Price und Copland und eine Deutschland-Tournee im Februar mit seinem Zürcher Kammerorchester, auf der er das Repertoire von America vorstellt.
12/2021
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