Ella Fitzgerald | News | 100 Jahre Ella - "First Lady of Song", "Queen of Jazz" oder "Mamma Jazz"?

100 Jahre Ella – “First Lady of Song”, “Queen of Jazz” oder “Mamma Jazz”?

Ella Fitzgerald & Ray Brown by Herman Leonard
21.04.2017
Alle lieben Ella! Das war schon vor beinahe 80 Jahren so, als sie mit dem verjazzten Kinderlied “A-Tisket, A-Tasket” in den USA ihren ersten Nummer−1-Hit landete. Und daran hat sich bis heute, 21 Jahre nach ihrem Tod, auch nichts geändert. Ellas Fangemeinde einte schon früh die High Society mit dem einfachen Mann von der Straße, umfasste – so manche Widerstände überwindend – Menschen aller Rassen, Altersgruppen, Religionen und Nationalitäten. Die Kritiker lagen Ella zu Füßen, prominente Kollegen wie Frank Sinatra, Nat “King” Cole und Bing Crosby schwärmten von ihr in den höchsten Tönen und Songwriter-Ikonen wie Cole Porter, Ira Gershwin oder Richard Rodgers fühlten sich mächtig gebauchpinselt, wenn Ella ihre Lieder sang.
Doch mehr als all die Loblieder ihrer professionellen Kollegen ging Ella zu Herzen, als eine Schar von Kindern sie bei einem Auftritt in Italien einmal als “Mamma Jazz” bejubelte. Dieser simple Titel bedeutete der privat stets sehr scheuen, großherzigen und bescheidenen Sängerin mehr als die von Marketing-Fachleuten und Kritikern ersonnenen Etiketten “Queen of Jazz” oder “First Lady of Song” (im Laufe ihrer sechs Jahrzehnte umspannenden Karriere nahm sie für über 200 Alben mehr als 2.000 verschiedene Songs auf). Ella Fitzgerald verkörperte den Jazz wie keine andere Sängerin vor und auch nach ihr. Sobald sie ein Mikrophon in die Hand nahm, schien sie ihre natürliche Scheu vollkommen abzustreifen und all ihre Energien in die Musik zu kanalisieren. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie sinnliche Balladen hauchte oder temporeiche und virtuose Scat-Einlagen bot. “Ella konnte alles singen”, meinte der Saxophonist Benny Green einmal, “sie hatte ein besseres Ohr für Harmonien als sehr viele Jazzmusiker und kombinierte eine süße Reinheit des Tones mit einer Diktion, die noch die neurotischsten Lyriker beglückte.”
Am 25. April 2017 wäre Ella Fitzgerald 100 Jahre alt geworden. Und dieses Jubiläum wird nun rund um den Globus gefeiert – von Norwegen bis Südafrika und von Australien bis Kolumbien. Wenn man dieser Tage, wo auch immer, einen Blick in die lokalen Veranstaltungskalender wirft, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man dort eine Reihe von Gedenkkonzerten für Ella findet. Geehrt wird sie dabei keineswegs nur von Jazzern, sondern auch von Musikern aus dem klassischen Fach oder dem weiten Popuniversum. Könnte es einen besseren Beleg dafür geben, dass Ella immer noch eine universell geliebte Künstlerin ist? Ihr einstiges Label Verve steht bei all diesen Feierlichkeiten natürlich nicht hintenan. Im Laufe der kommenden zwölf Monate wird es seinen unbestritten größten Star mit einer Reihe von Wiederveröffentlichungen, Compilations und einem Tribute-Album ehren. Zum Auftakt erschienen vorletzte Woche Ellas legendäre “Song Book”-Alben erstmals im digitalen HiRes-Format. Neben unserer zum Jubiläum ganz auf Ella eingestellten JazzEcho-Playlist erscheint diese Woche aber auch die CD-Box100 Songs For A Centennial”, die auf vier CDs – der Titel lässt es erahnen – genau Einhundert ihrer populärsten Stücke und größten Erfolge versammelt. Die Kollektion umfasst Aufnahmen von den am Beginn ihrer Karriere für Decca entstandenen bis hin zu den im Zenit ihres Könnens für Verve aufgenommenen. Musikfans steht also gewissermaßen ein absolut “ellastisches” Musikjahr ins Haus.
 
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