Emigrate | Biografie

Emigrate — “A Million Degrees” — Bio 2018

“Emigrate steht für pure Leidenschaft, die Lust am Musikmachen…” Richard Z. Kruspe, 2018
FALLS ES eine Beschreibung gibt, die auf Richard Z. Kruspe — sowohl persönlich als auch professionell — so gut zugeschnitten ist wie ein maßgeschneiderter Anzug von Savile Row, dann wäre das wohl „..on fire!“ !
Als Mitglied von Rammstein, dem explosivsten Live-Act der hiesigen Musikwelt, ist Richard Z. Kruspe ein fester Bestandteil dieser weltweiten, bahnbrechenden Erfolgsgeschichte.
Über die Jahre hinweg hat er sich parallel vielen anderen Projekten gewidmet, wie z.B. dem Aufbau des eigenen, neuen Studios in seiner Heimatstadt Berlin, aber dennoch ist es Emigrate, das ihm die beste Möglichkeit bietet, seinen kreativen Output außerhalb von Rammstein auszuleben. In vielerlei Hinsicht das genaue Gegenstück!
Das erste Emigrate Album erschien 2007 (ein selbstbetiteltes Album, das in Deutschland direkt in die Top 10 einstieg und dessen Single/Video „My World“ auf dem Soundtrack zum dritten Teil der „Resident Evil“ Filmreihe vertreten war). „Silent So Long“ folgte 2014, mit Gastauftritten von renommierten Künstlern wie Marilyn Manson, Jonathan Davis, Peaches und Musiklegende Lemmy. Nun steht das dritte Album „A Million Degrees“ in den Startlöchern und erscheint am 30. November weltweit.
Mit 11 Tracks, einem neuen Produktionsteam und gesanglichen Gastauftritten von Till Lindemann (Rammstein), Benjamin Kowalewicz (Billy Talent) und Cardinal Copia von Ghost ist dieser Release nicht einfach nur ein Nachfolger von „Silent So Long“, sondern eine komplette Neuauffassung des Gesamtkonzepts sowie die Umsetzung von Kruspes sehnlichem Wunsch, etwas Persönliches zu schaffen. Das Material schrieb er selbst, darunter auch die neue Single mit dazugehörigem Video „1234 feat. Ben Kowalewicz. Außerdem sang er den Großteil der Songs selbst und arbeitete – allen Widrigkeiten zum Trotz – hart daran, den selbstgestellten, hohen Anforderungen gerecht zu werden. Richard Z. Kruspe kreierte mit dem neuen Emigrate Album eine Werksammlung, die sowohl treue Anhänger überzeugt, als auch diejenigen, die die Power eines großartigen, aus dem Herzen entspringenden Songs, zu schätzen wissen.
In diesem Sinne kann Emigrate weder als Nebenprojekt noch als Soloprojekt bezeichnet werden. Ein „Projekt aus Leidenschaft“ trifft es am ehesten – ein notwendiges Ventil zum Druck ablassen, fast schon eine Art Therapie, für einen Künstler, dessen Energie, Vision und Streben nach Perfektion der entscheidende Antrieb sind!
„Ich möchte unbedingt die Freiheit haben, mit verschiedenen Künstlern zu kollaborieren und die unterschiedlichsten Musikarten zu erkunden“, erklärt Kruspe, „Mich als Autor und Sänger fernab von Deadlines, Timelines und anderen Einschränkungen ausdrücken zu können. Ziel ist es, immer weiter zu experimentieren und mich immer wieder selbst herauszufordern. Emigrate wächst auf einem ganz natürlichen, organischen Nährboden, Musiker kommen und gehen und das ist vollkommen ok so, es ist sogar etwas Gutes …“ 
NACHDEM „Silent So Long“ vor vier Jahren veröffentlicht wurde, spielte Kruspe zunächst mit der Idee, zeitnah ein Nachfolgeralbum „Silent So Long — Pt. 2“ herauszubringen. Ein halbes Dutzend Songs hatte er bereits in petto: Tracks die nicht ganz zu den restlichen von „SSL“ gepasst hatten.
„Ich habe mich 2015 dazu entschlossen, nach Fertigstellung des Albums wieder nach Los Angeles zu gehen, um erneut mit Ben Grosse das Album zu mixen. Aber zum ersten Mal im Laufe meiner Karriere hatte ich das Gefühl, dass etwas fehlte. Ich war einfach nicht inspiriert und konnte nicht die 120 Prozent abliefern, die ich sonst in jedes Album, an dem ich arbeite stecke, also entschied ich mich aufzuhören.“
„Ich hatte zu der Zeit viel Stress in meinem Privatleben, u.a. die Bauarbeiten an meinem Haus in Berlin und dann fingen wir im September 2015 an, über die nächsten Schritte mit Rammstein nachzudenken …“
Nach reichlicher Diskussion haben wir uns entschieden, dass das Rammstein „Kollektiv“ zurück in den Proberaum geht; es gab keinen Druck etwas Bestimmtes zu schaffen, es ging darum, einfach neue Musik zu machen und grundsätzlich ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie es allen geht. Gute Neuigkeiten für Rammstein Fans, zugleich aber auch der Grund dafür, dass Emigrate, wenngleich immer in Richard Z. Kruspes Hinterkopf, vorübergehend in den Hintergrund rücken musste. Und dann schlug das Schicksal zu!
„2016 erlitt mein Haus einen schweren Wasserschaden; mein Studio war überflutet und mein halbes Equipment, darunter auch die Festplatte, war(en) zerstört, also musste ich quasi wieder von null anfangen. Alles was von den Songs noch übrig war, waren meine Erinnerungen!“
Damals schienen die Ereignisse wie ein Fluch; im Rückblick allerdings boten sie Kruspe die Gelegenheit, Emigrate noch einmal neu zu überdenken und zu entscheiden, was für eine Art Statement das dritte Album werden sollte.
„Das Leben hat mir ein Zeichen gesendet!“ lacht er.
Und so wurde die Idee eines Nachfolgers „Silent So Long“ Teil 2 überworfen und die Idee eines kühneren, umfassenderen Ausgangspunktes mit dem Verlassen jeglicher Komfortzonen geboren. Eine Schlüsselrolle während dieser Umstellung spielte Sky Van Hoff – ein junger Produzent, Toningenieur & Gitarrist aus Düsseldorf.
Die beiden fanden ihre Zusammenarbeit sowohl einfach als auch produktiv und das Ergebnis ist ein ausgeklügelter, besonders detailreicher Emigrate Sound, den Kruspe als „einen der Besten, an dem ich je gearbeitet habe. Ich bin sehr stolz darauf …“  beschreibt. 
Seit September 2017 arbeitete Kruspe mit neugewonnener Energie daran, die Albumtracks neu zu schreiben, zu arrangieren und ein weiteres Mal aufzunehmen, wobei er die Produktion in Eigenregie führte und Van Hoff sich auf die technischen Aspekte und das Mixen konzentrierte. Während sie für die Aufnahmen der Drums das Funkhaus Berlin in der Nalepastraße (dem ehemaligen Sendehaus der DDR) nutzten, wurde alles andere in Richard Z. Kruspes neuem Heimstudio aufgenommen. Der Rammstein-Mann kümmerte sich um Vocals und Gitarren und ließ sich dabei von Apocalypticas Mikko Siren an den Drums und Arnaud Giraux am Bass unterstützen, die beide bereits auf „Silent So Long“ zu hören waren, sowie von Sky, der ebenfalls Bass spielt. 
SEITDEM er 2007 das Lead-Mic erstmals in die Hand nahm, arbeitet Kruspe stetig am Feinschliff seiner Vocals, insbesondere in Bezug auf Power, sowie an seiner Darbietung und den Songtexten. Mit weniger Gastauftritten auf diesem Album als auf dem letzten, entstand genügend Raum für seine Performer-Fähigkeiten, um sich komplett zu entfalten, was besonders auf dem Eröffnungstrack „War“ deutlich wird …
„Ich liebe diese Energie und den harten, modernen, Zeppelin-ähnlichen Groove“, reflektiert er, „und irgendwann sprach ich dann mit Serj (Tankian) von System Of A Down darüber, ob er die Lead-Vocals auf dem Song singen will. Er war sehr angetan von der Idee, aber dann rief er mich einen Tag später an und sagte, dass der Song seiner Meinung nach perfekt zu meiner Stimme passt und er nicht wüsste, was er noch beisteuern könnte, also beließ ich es bei meinen eigenen Vocals. Das war für mich ein riesiges Kompliment.“
Für Rammstein Fans und auch für Kruspe selbst ist es von großer Bedeutung, dass Lindemann auf „Let’s Go“ mitwirkt — mit eigenen Lyrics, auf Deutsch und Englisch – setzt er ein wichtiges Zeichen, denn Lindemann ist nicht dafür bekannt, sich an außerplanmäßigen Projekten zu beteiligen, eine Tatsache, die diese Kollaboration zu etwas ganz Besonderem macht.
 „Wir sind seit 1987 befreundet und das ist das erste Mal, dass wir außerhalb von Rammstein zusammen an etwas arbeiten“, bestätigt Kruspe. „Ich hatte diese Nummer schon eine Weile in der Warteschleife. Sie handelt von unserer gemeinsamen Geschichte und unserer Freundschaft, welche ich nur wie folgt zusammenfassen kann: Ich glaube, dass ich der Grund dafür bin, dass er eine Karriere in der Musik angestrebt hat und er ist wiederum der Grund dafür, dass ich die dunklen Seiten des Lebens kennengelernt habe! Drei Worte: Eine wunderschöne Zerstörung! Der Song selbst unterscheidet sich ziemlich stark von unseren Rammstein Sachen, aber ich finde, das ist etwas Gutes …“
Zu dem Song „1234“ erklärt Richard Z. Kruspe:
„Ich muss sagen, dass Ben von Billy Talent den Song auf ein ganz neues Level gebracht hat. Mein Manager hatte vorgeschlagen, dass ich ihn kontaktiere. Mir war bis dahin eher der Gitarrist seiner Band bekannt gewesen, Ian (D’Sa), den ich richtig gut finde, aber Ben entpuppte sich als perfekter Kandidat und natürlich ist er auch im Promo-Clip zu sehen – genau wie Ian, mein Freund Joe Letz (Combichrist), der bereits in der Vergangenheit für Emigrate an den Drums gespielt hat, und ich.“
Die Videos für „1234“ und „You Are So Beautiful“ wurden in Los Angeles vom Regisseur Bill Yukich gedreht, den Kruspe kontaktierte, nachdem er das Video zu „Devil“ gesehen hatte, welches Yukich für Shinewdown gedreht hatte. Beeindruckt von seinem Flow und dem Edit seiner Bearbeitung, war er sich sicher, dass Yukich genau der Richtige, sowohl für den Live-Clip von „1234“, wie auch für die umfangreichere, filmische Erzählung war, die er sich für „You Are So Beautiful“ ausgedacht hatte – ein komplexes Kunstwerk mit Anspielungen auf Kruspes Leben außerhalb der Musikwelt.
„Bei diesem Song war ich mir anfangs nicht ganz sicher, wem der Song gewidmet ist“, erklärt er. „Später wurde mir klar, dass der Song eine Liebeserklärung an meine Tochter Maxime ist. Im Video, welches den Flair eines 70-er Jahre Kinofilms hat und in den Canyons von L.A. spielt, spiele ich die Rolle eines Vaters und man sieht, wie zwischenmenschliche Beziehungen kaputtgehen können und dass man auch auf eine zweite Chance manchmal keine Antwort hat.“
„In alles, was ich mit Rammstein und Emigrate mache, fließt immer auch ein Teil meiner ganz eigenen Geschichte mit hinein. Es mag hier und da überspitzt dargestellt werden, vielleicht wird ein bisschen extra Farbe hinzugefügt, aber im Grunde ist es immer etwas Persönliches …“
Emigrate, es gibt keine Regeln und keine Prüfpunkte, die es abzuhaken gilt. Und genau so mag es Richard Z. Kruspe am liebsten.
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