Giant Rooks | Biografie

Giant Rooks 2020

Album „Rookery“
VÖ: 28. August 2020
Eigentlich sollten sie gerade mit Milky Chance in den USA auf Tour sein, eigentlich sollte hier in Europa bald ihre eigene Tour starten, in den ganz großen Hallen. All das ist jetzt natürlich erstmal verschoben. Und eigentlich gibt es in der Welt der Giant Rooks kein eigentlich – schließlich überlässt die Band bei ihrem kometenhaften Aufstieg der letzten Jahre nichts dem Zufall. Trotzdem: Statt auf der Bühne zu stehen, sitzen Giant Rooks wahrscheinlich gerade selbstisoliert in ihren Berliner WGs und besprechen in Videokonferenzen, wie sie ihrem am 28.08.2020 erscheinenden Debütalbum „Rookery“ den allerletzten Schliff geben können. Währenddessen erscheint als zweite Single „What I Know Is All Quicksand“ – ein Stück Musik, das ganz anders klingt als die erstausgekoppelte Indie-Hymne „Watershed“ und trotzdem auf ganzer Linie überzeugt.
 
Eine gewisse Ehrfurcht vor dem Debütalbum ist gesund – schließlich stehen am Anfang häufig genug Schnellschüsse, eilig skizzierte Momentaufnahmen, die den Erwartungen dann doch nicht gerecht werden. So viel ist klar: Den Giant Rooks wird das mit „Rookery“ nicht passieren. Es wird ein perfektes Debüt werden. Ein Debüt, auf dem jeder Ton an der richtigen Stelle sitzen wird, ein komponiertes Album mit der richtigen Länge und den richtigen Songs. „Wir fühlen uns bereit für dieses Album“. sagt die Band. Und weiter: „Unser Anspruch ans Debüt war riesig – dafür mussten wir live und auf den EPs (The Times Are Bursting The Lines 2015, New Estate 2017 und Wild Stare 2019) erstmal unseren Sound finden“.
 
2015 gründen Sänger Frederik Rabe, Gitarrist Finn Schwieters, Bassist Luca Göttner, Keyboarder Jonathan Wischniowski und Drummer Finn Thomas Giant Rooks. Die Das-Haben-Wir-Erreicht-Liste der Giant Rooks ist seitdem eindrucksvoll gewachsen: Sie haben eine 1LIVE-Krone gewonnen, siebenstellige monatliche Hörerzahlen bei Spotify, ausverkaufte Konzerte von Rom, über Paris bis Manchester. In Deutschland füllen sie schon jetzt Venues, die andere Künstler*innen erst nach 15 Jahren Karriere auf den Tourneeplan setzen. Die Giant Rooks verkaufen sie scheinbar aus dem Handgelenk mit gerade einmal drei veröffentlichten EPs aus. Giant Rooks sind die wohl vielversprechendste Band, die es in Deutschland seit langer Zeit gab. Mit ihrem Debüt haben sie sich Zeit gelassen. Mehr als 350 Shows hat die Band in den letzten Jahren gespielt. Möglichkeiten genug, den Giant-Rooks-Sound zu erfinden.
 
Die Band hat sich auf spätestens auf „Rookery“ frei davon gemacht, wie man Dinge eigentlich macht. Das Ergebnis klingt wie aus einem Guss, klingt nach 2020 – und spannt einen Referenzrahmen, der so mindestens im deutschsprachigen Raum einmalig ist: Die Beats klingen immer wieder nach HipHop a la Kanye, hier und da erinnern die Songstrukturen sogar an Bob Dylan, Bon Iver schaut für Sounds und Soundscapes vorbei. Spielend verbindet die Band moderne Einflüsse mit klassischen Strukturen, klassische Sounds mit modernen Songstrukturen. Beim Musik machen wie auch hören lassen sich die Giant Rooks treiben, wollen nicht in ein Genre passen oder irgendjemandem nacheifern: „Man hat so viele Möglichkeiten neue Musik zu entdecken, Künstlerinnen wie Celeste oder Joy Crookes, überhaupt Soul – das ist ein riesiger Einfluss für uns“ sagt Sänger Frederik Rabe. Inhaltlich ist es ein Album geworden, das fragend in eine Welt voller Unruhe blickt, sich tastend umschaut, keines, das einfache Antworten bietet. Wer bin ich eigentlich? Und wie kann ich meine Rolle in dieser Welt finden?“
 
Angefangen mit der Arbeit an ihrem Debüt hat die Band, als sie 2018 – kurz vor einem gefeierten Auftritt auf dem Lollaploozza – aus Hamm in Nordrhein-Westfalen nach Berlin übersiedeln. Teile der Musik sind allerdings schon deutlich älter. Viele der Songs auf „Rookery“ begannen als Sprachnachrichten. Als sie mit der Produktion beginnen, hört die Band sich durch einen angesammelten Fundus an Demos, Skizzen und Versatzstücken und wählt ihre Favoriten aus. Die Sachen, die hängen bleiben. Bestes Beispiel auf „Rookery“: „Watershed“ entstand als Idee schon vor Jahren. Mit 16 oder 17. Es sind Melodien und Textfetzen, die die Band schon lange begleiten.
Am Anfang der zweiten Single „What I Know Is All Quicksand“ stand eine radikale Idee: „Wir wollten einen Song, der ganz anders ist als Watershed– lauter sollte er sein, sich weniger an klassischen Strukturen orientieren, sollte freier sein und wütender gleichzeitig. Und tatsächlich: In der Strophe klingt der Song wie eine angeraute Version von Tame Impala. Die Szenerie dazu: Der Protagonist wacht mitten in der Nacht schweißgebadet aus einem Alptraum auf. Eingesperrt in einem Glaskäfig. Zwei Drums legen dazu brachiale Fills übereinander. Die anderen Instrumente brechen nur kurz in den Käfig ein, erstmal halten sich Gitarre und Bass zurück. Der Text der zweiten Strophe entstand im Kino: Tarantino lief, Blut spritzte über die Leinwand – und die Leute lachten. In diesem Moment empfand ich das als sehr absurd, absurd und voyeuristisch“ sagt Schwieters. Im Refrain steigert der Song sich in einen dynamischen Ausbruch. Am Ende geht die Sonne wieder auf: Der wunderbar windschiefe Take mit der Kopfstimme war eigentlich nur der Soundcheck, um die Position des Mikrofons zu testen. Er hat es in den finalen Mix geschafft. Weil Momente manchmal perfekt sind, weil sie nicht perfekt sind.
 
Jochen Naaf, der auch schon die beiden vorherigen EPs produziert hat, lässt der Musik Ecken und Kanten, lässt die Band experimentieren, um sie dann wieder einzufangen. Aufgenommen wurde „Rookery“ in Köln und in Berlin, das Schlagzeug im Toolhouse Studio in der Nähe von Fulda. Gemischt wurden viele Titel des Albums vom Briten Dan Grech-Marguerat, der auch schon am Debüt von Lana Del Rey gearbeitet hat, an Alben von den Killers und Liam Gallagher. Die Band hat viel zuhause vorproduziert, sich in einen natürlichen, dynamischen Prozess gestürzt. Technisches Know-How haben sie sich im Laufe der letzten Jahre angeeignet. Viel wichtiger aber: Der Vibe muss stimmen. Viele Spuren aus den Demos haben es in die finalen Mixe geschafft. Geben dort Leichtigkeit und Lebendigkeit. Egal, ob jetzt mit einem U−47 oder dem internen Mikro eines Mac-Books aufgenommen wurde. Gut ist, was Vibe hat: Da stapeln sich Schlagzeuge übereinander, werden ergänzt von räumlich-klingender Percussion, die Spuren bauen Layers auf. Im Studio sucht die Band nach Spontanität. Dadurch entstehen Sounds, die man so noch nicht gehört hat: Die Gitarren werden in den Keller gepitcht, die Bassabsorber im Studio zur Bassdrums. Dazu kommen orchestrale, große Sounds: Cellos, Trompeten – Kombinationen aus echten Instrumenten und Samples, die dem Sound Tiefe und Weite geben. Und immer im Dienste des Songs, nie drängt sich die Instrumentierung auf. Überhaupt, Giant Rooks sind trotz ihres jungen Alters eine erstaunlich reife Band: Sie sind sich zu 100% bewusst darüber, was sie tun: Wie muss eine Indie-Rock-Band 2020 klingen, um sich nicht in Nostalgie zu verlieren? Mit „Rookery“ beantworten Giant Rooks diese Frage. Es ist eine pointierte Antwort, sie ist reif, voller Hits und ausgefeilter Ideen. 
 
„Rookery“ versteht die Band als Möglichtskeitsraum, versteht die Musik als einen Ort, der ein Zuhause werden könnte. Es geht um Anfänge, um einen Neubeginn, der sich von Euphorie begleitet aber dennoch erst zaghaft aus einer altbekannten Vertrautheit entwickelt. Der Titel war auf einmal da: „Er fühlte sich komplett richtig an, nachdem er das erste Mal ausgesprochen wurde, war allen klar: So muss das Album heißen!“ Während die Welt draußen still steht, geht für Giant Rooks die Arbeit trotzdem weiter. Es gibt gerade — trotz der Ausgangssperre — so viel zu tun: Das Albumartwork will finalisiert werden, die Tracklist auch. Es wird ein perfektes Debüt werden, dieses „Rookery“.