Jan Delay | Biografie

Biografie 2022

Jan Delay – Earth, Wind & Feiern (Live aus dem Hamburger Hafen)

Vertigo Berlin – VÖ: 03.06.2022

Jan Delay hat sein Album “Earth, Wind & Feiern” neu aufgelegt – mit zwei komplett neuen Songs sowie einem Live-Album, aufgenommen bei einem triumphalen Heimspiel im Hamburger Hafen. Soweit die nüchternen Fakten. Um die aber geht es bei Jan Delay stets nur am Rande. Viel mehr noch geht es um den Vibe. Um die Beats, um den Bass und um die Bretter, die uns die Welt bedeuten. Um die Gang, um gemeinsame Momente und um das Gedränge zwischen Boxen und Bar. Um die Nacht, um die Liebe und darum, dass das Feuer nie, nie, nie aufhört zu brennen – egal wie viel Scheiße gerade auf der Welt passiert.
Das Lied vom ewigen Feuer im Herzen ist über die Jahre zu einer Art Mission Statement geworden für den Hamburger und seine Band, die Disko No.1: Wenn Janni sagt, es geht nicht aus, dann geht es verdammt noch mal nicht aus. Auch die neuen Songs auf “Earth, Wind & Feiern (Live aus dem Hamburger Hafen)” gießen wieder feinstes, ungestrecktes, 100% unproblematisch importiertes Öl in diese Flammen. “Der Bass & Die Gang” ist eine Afrobeats-Dancehall-Fusion für alle, die keinen Bock mehr haben auf Netflix und Chillen; für alle, die es zurück auf den Tanzflur zieht, zurück zu den tiefen Frequenzen und den geteilten Hochgefühlen. “Alles gut” betont ebenfalls das “Feiern” in “EW&F”: Raven als Rache an zwei Jahren Tristesse, Tanzen als Therapie in einer Zeit, in der die Welt aus den Fugen zu geraten scheint. Der Delay Lama wäre schließlich nicht der Delay Lama, wenn er zwischen aller Party-Poesie nicht auch ein paar treffliche Zeilen zur Lage der Nation parat hätte – über das faktenferne Geschrei auf Social Media zum Beispiel oder die Doppelmoral einer Gesellschaft zwischen Konsumkult und Aktivismus to-go. Denn: Alles ist scheiße. Aber alles wird gut. Weil Jan Delay vorlebt, dass man auch Realist*in und Optimist*in sein kann.
Wer einmal ein Konzert von Jan Delay und seiner Band Disko No.1 erlebt hat, kennt dieses Gefühl: für zwei Stunden komplett aufzugehen in der Musik und dem Gefühl, Teil einer bunteren, besseren Parallelrealität zu sein. “Live aus dem Hamburger Hafen” hält dieses Gefühl für die Ewigkeit fest. Die 18 Stücke auf der Setlist reichen von Klassikern wie “Vergiftet” und “Klar” über unverwüstliche Fetenhits wie “Türlich, Türlich” und brandneue Mashups bis hin zu reichlich Material aus dem aktuellen Album “Earth, Wind & Feiern”. Es sind Songs, die für die Bühne geschrieben wurden, fürs Abgehen. Corona aber hat weitgehend einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Die Touren und die Festivals und die Partys, auf die wir uns nach Lockdown No.1 bis hundert so gefreut hatten, sind größtenteils nie passiert. Jetzt aber geht es wieder los. Club statt Quarantäne. Bass statt Bananenbrot. Boom statt Zoom. “Live aus dem Hamburger Hafen” gibt einen Vorgeschmack darauf, was uns erwartet.
Die Live-Version “Saxophon” tritt umgehend ein monumentales Moshpit vor dem inneren Auge los. “Kinginmeimding” (mit D-Flame auf der Bühne, Ehrensache) ballert noch heftiger als im Original. Die Gänsehaut bei “Alexa” will gar nicht mehr weggehen. Und die herrliche ausufernde Version von “Eule” lässt in knapp sieben Minuten all die elend langen Wochenenden auf der Couch vergessen, die irgendwann nur noch genervt haben.
Das echte Leben, es wartet da draußen. Und Jan Delay hat auch im Sommer 2022 den Soundtrack dafür. Trotz allem: Feiern ist zurück. Live ist zurück. Life ist zurück.
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