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Intime Jazzballaden, die tief unter die Haut gehen

Keith Jarrett, Charlie Haden: Jasmine (Luminessence Series)
08.10.2026
“Na endlich!”, werden sich viele Jazzfans gedacht haben, als ECM Records im Mai 2010 “Jasmine” veröffentlichte, das erste Duo-Album des Pianisten Keith Jarrett mit dem Bassisten Charlie Haden. Dass es nicht schon wesentlich früher dazu gekommen war, ist in der Tat verwunderlich. Denn als Jarrett 1967 – vier Tage vor seinem 22. Geburtstag – mit Haden und dem Schlagzeuger Paul Motian sein Debütalbum “Life Between the Exit Signs” für das Atlantic-Sublabel Vortex aufnahm, sprang der kreative Funke zwischen den Musikern auf Anhieb über. In den folgenden neun Jahren spielten sie zusammen sechzehn weitere Alben ein – mal als Trio, mal mit dem Saxofonisten Dewey Redman als viertem Mann in Jarretts “American Quartet”. Ende 1976 trennten sich die Karrierewege von Jarrett und Haden, um sich erst 31 Jahre später erneut zu kreuzen. Die Wiedervereinigung kam dabei eher zufällig zustande. Anfang 2007 bat der Dokumentarfilmer Reto Caduff den Pianisten, sich für “Rambling Boy”, ein Biopic über Haden, an die Zusammenarbeit mit dem Bassisten in den 70er Jahren zu erinnern. Als sich die beiden während der Dreharbeiten trafen, kamen sie auf die Idee, noch einmal völlig zwanglos zusammenzuspielen. Diese Session machte ihnen so viel Spaß, dass Jarrett Haden anschließend zu sich nach Hause einlud, um dort weiterzumachen. Und so trafen sie sich im März 2007 und zogen sich vier Tage lang in Jarretts Heimstudio in Oxford Township, New Jersey, zurück. Das Resultat dieser intimen Aufnahmesession, bei der das Duo balladesken Jazzstandards neuen Glanz verlieh, wurde im Mai 2010 – anlässlich von Jarretts 65. Geburtstag – von ECM Records auf dem Album “Jasmine” veröffentlicht. Die internationale Presse feierte es unisono als wahres Meisterwerk zweier Ausnahmemusiker an ihren Instrumenten. 
Eine absolute Rarität in Keith Jarretts Œuvre!
In Jarretts sehr umfangreicher ECM-Diskografie stellt das Album “Jasmine” eine Besonderheit dar. Zwar hatte er mit "Ruta and Daitya” eines seiner ersten Alben für das Label von Manfred Eicher 1971 im Duo mit dem Schlagzeuger Jack DeJohnette eingespielt, danach machte er jedoch nur noch vier Duo-Alben mit klassischen Musiker:innen. Ganz anders Charlie Haden: Er entwickelte Mitte der 1970er Jahre ein Faible für Duette und nahm mit Musikern wie Ornette Coleman, Hampton Hawes, Egberto Gismonti, Jim Hall, Hank Jones, Kenny Barron, John Taylor, Gonzalo Rubalcaba und Brad Mehldau zwanzig Alben in diesem Format auf. Auf dem ersten dieser Alben, "Closeness” aus dem Jahr 1976, war er in einem Stück im Duo mit Keith Jarrett zu hören. Schon damals sangen sie mehr auf ihren Instrumenten, als dass sie “nur” spielten, und bewiesen ihren Sinn für Poesie und Räumlichkeit. Und obwohl beide noch ziemlich am Anfang ihrer Solokarriere standen, lag der Fokus ganz auf der Musik und nicht auf ihrem Ego.
 
Die hohe Kunst des Duos wird auf einen neuen Gipfel getrieben
All diese Qualitäten zeigte das Duo auch bei den Aufnahmen für “Jasmine”, wobei die beiden Künstler inzwischen 30 Jahre gereifter waren und über einen weitaus größeren Erfahrungsschatz und ein umfangreicheres musikalisches Vokabular verfügten. So gelang es ihnen, die hohe Kunst des Duos auf ein vollkommen neues Level zu heben. “Jasmine‘ ist tatsächlich eine verträumte Nachtmusik”, schrieb Uli Bernays in der Neuen Zürcher Zeitung, als das Album im Jahr 2010 erschien. “Das Interplay wirkt ruhig, gelassen und schlafwandlerisch sicher. Dabei hatten die beiden jahrzehntelang nicht zusammen musiziert. […] Die Partner mochten die Kompositionen – alte, eher selten gespielte Standards – nicht groß variieren oder dekonstruieren. Sie ließen sich auf die musikalische Vorgabe quasi wie auf ein momentanes Schicksal ein. Statt die Stücke zu verfremden, verklären sie diese.”
 
Am 20. November erscheint “Jasmine” in der “Luminessence”-Reihe von ECM Records erstmals als Doppelalbum auf Vinyl und ist ab sofort exklusiv im JazzEcho-Store vorbestellbar. Das Album ist dort zudem als Download im Hi-Res-Audio-Format erhältlich.

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