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Keith Jarrett — Ein unermüdlich kreatives Genie

Keith Jarrett
07.05.2020
Die Aufzeichnung stammt von einem Solokonzert, das Jarrett am 3. Juli 2016 in der Béla Bartók National Concert Hall in Budapest gegeben hat
"Ich glaube, dass man nur dann ein wirklich wertvoller Künstler sein kann, wenn man die Unmöglichkeit seiner Aufgabe erkennt — und trotzdem weitermacht." Die Worte stammen von dem Pianisten Keith Jarrett, der am 8. Mai 2020 seinen 75. Geburtstag begeht. Das Œuvre, das Jarrett in den annähernd fünfzig Jahren eingespielt hat, die er nun schon aufs Engste mit Manfred Eicher und ECM Records verbandelt ist, könnte kaum beeindruckender sein.
Es umfasst einen schier unerschöpflichen Strom völlig improvisierter Solokonzerte, mit denen Jarrett in der Jazzwelt (und keineswegs nur dort) in mehrfacher Hinsicht neue Maßstäbe setzte — von “Solo Concerts Bremen/Lausanne” über den Bestseller “The Köln Concert” und die monumentalen “Sun Bear Concerts”, die eine Box mit sechs CDs füllten, bis hin zu dem letztes Jahr erschienenen Doppelalbum “Munich 2016”, das hymnische Kritiken erntete.
So zahlreich wie Jarretts improvisierte Soloaufnahmen auch sind, offenbaren sie doch nur einen Aspekt dieses facettenreichen Künstlers. 
Denn in seiner ECM-Diskographie gibt es auch exquisite Duo-Alben mit dem Bassisten Charlie Haden (“Jasmine” und “Last Dance”) oder dem Schlagzeuger Jack DeJohnette (“Ruta And Daitya”). Das traditionelle Piano-Trio-Format lotete Jarrett besonders intensiv und erfolgreich im sogenannten “Standards”-Trio mit Gary Peacock und Jack DeJohnette aus, aber auch in Kollaborationen mit Peacock und Paul Motian (“Live At The Deer Head Inn”) oder Haden und Motian (“Hamburg ‘72”). Eine zeitlang unterhielt er außerdem parallel zwei Quartette: ein US-amerikanisches mit Dewey Redman, Haden und Motian (“The Survivor’s Suite” und “Eyes Of The Heart”) sowie ein europäisches mit Jan Garbarek, Palle Danielsson und Jon Christensen (u.a. “Belonging” und “My Song”).  Auf Alben wie “Invocations”, “Spirits” und “No End” unternahm er zudem abenteuerliche Seitensprünge als Multiinstrumentalist. Mit Interpretationen der Meisterwerke von u.a. Bach, Mozart, Händel, Bartók, Barber, Shostakovitch und Gurdjieff bis hin zu Pärt wagte sich der Improvisationsmeister außerdem auf das Feld des klassischen Repertoires hervor. Und als Sideman kann man Jarrett schließlich noch auf ECM-Alben von Paul Motian (“Concept Vessel”), Kenny Wheeler (“Gnu High”) und Gary Peacock (“Tales Of Another”) erleben.
Der “Unmöglichkeit seiner Aufgabe” war sich Keith Jarrett in den zurückliegenden fünfzig Jahren sicherlich stets bewusst. Das hat ihn aber nie daran gehindert, unermüdlich zu versuchen, sie trotzdem zu bewältigen. Dass er ein “wirklich wertvoller Künstler” ist, wird bestens durch seine breitgefächerte ECM-Diskographie unterstrichen, die mit bahnbrechenden und historischen Aufnahmen reichlich angefüllt ist.

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