Lana Del Rey | Biografie

Lana Del Rey — Bio 2019

Lana Del Rey – “Norman Fucking Rockwell”
VÖ.: 30. August 2019
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Kaum zehn Jahre hat Lana Del Rey gebraucht, um eine amerikanische Ikone zu werden. Weit über die Musik hinaus. Ihr Empfinden für Stil, das Bewusstsein für Mode, Design und digitale Kommunikation hat bleibende Spuren in der zeitgenössischen Popkultur hinterlassen. Ihr selbstbestimmtes Arbeiten beim Songwriting-Prozess und in der Studioproduktion gehören genauso dazu wie ihre eigene Definition von „Retro“. Ihr Thema sind die Verwerfungen der Zehnerjahre im 21sten Jahrhundert, im Privaten wie im Gesellschaftlichen. Versiert spielt Del Rey ihre analogen Verweise in den digitalen Medien aus. Auf den Clip- und Streaming-Plattformen gehörte sie von Anbeginn zu den weltweit erfolgreichsten Künstlerinnen. Kein Wunder, dass das US-Musikbranchenblatt Billboard ihrer Arbeitsweise und Strategie Ende August 2019 eine (erneute) Titelstory gewidmet hat. 
In dutzenden Videos, Fotos und Grafiken beschwört Del Rey den Mythos USA. Dieser wird verpixelt, überzeichnet und manchmal auch zerstört. Sie spielt mit Licht und Schatten, wobei die „Noir“-Schattierungen ihrer Wahlheimat Los Angeles den Ton angeben. „The ultimate world-historical significance — and oddity — of Los Angeles is that it has come to play the double role of utopia and distopia for advanced capitalism“, schreibt der US-Soziologe Mike Davis in seinem Standardwerk „City of Quartz“. Lana Del Ray bedient sich meisterhaft dieser L.A.-Doppelrolle zwischen Schönheit und Schrecken.
Das Album „Norman Fucking Rockwell“ schreibt diese Saga nun explizit fort. In 14 Songs, die mit der vielsagenden Abmoderation „Hope Is A Dangerous Thing For A Woman Like Me To Have — But I Have It“ enden. Fast ein Spoken Word Ballade zu einem minimalistisch verschleppten Piano-Komposition. Eric Satie trifft auf die tragische Schriftstellerin Sylvia Plath; der im Text eine Widmung zukommt.  
Es sind einmal mehr die direkten Bezüge auf die Westcoast der USA, mit denen sie ihre Kurzgeschichten erzählt. Auf ihrem sechsten Studioalbum seit 2010 grüßt sie „all the ladies of the canyons“, erwähnt die Art-Folk-Supergroup Crosby, Stills & Nash und verweist damit auf die große, fast schon barocke Tradition des schwelgenden Songwritings der 1970er-Ära. Zwischen „California Dreaming“ von The Mamas und The Papas und Fleetwood Macs „Gold Dust Woman“. Eine Atmosphäre der melancholischen Nostalgie, gelebt und vertont für die Jetztzeit. 
„Fuck It I Love You“ etwa ist ein klassischer Del-Rey-Song. Voller Sehnsüchte und Bilder des urtypischen Pazifik, überzogen mit Beats und einer schattigen E-Gitarre. Wie immer bei Del Ray changieren ihre Lyrics zwischen Fantasie und roher Ehrlichkeit. Ihre Kunstfertigkeit bestand und besteht immer wieder darin, sich auch zu enthüllen. „The Greatest“ wiederum lässt ein heftiges Gitarrenriff in ihre Slowtempo-Hymne brettern, bevor Del Rey im Schlusspart ihre schwelgerische Vergangenheits-Sehnsucht hinter sich lässt, um einen kühlen, klaren Blick auf die Gegenwart zu werfen.
Das Doppel-Video „Fuck It I Love You/The Greatest“ zeigt Lana Del Ray zusammen mit Bodybuilder Brad Swanick in perlender Surfer-Herrlichkeit, gefolgt von einer Überblendung in einen weitläufigen, grauen Container-Hafen. Vom Muskelmann-Strand in die Industriezone von Long Beach. Ihre aktuellen Songs heißen „Venice Bitch“, „Mariners Apartment Complex“ oder gleich „California“. In Zusammenarbeit mit Produzent Jack Antonoff (Taylor Swift, Lorde, St. Vincent) vertieft Lana Del Ray mit Hingabe ihr zentrales Thema mit Hingabe. Ein Bilder einer schimmernden Scheinwelt. Aufgelöst in Verweise, Zitate, Charaktere. Das Albumcover in Pop-Art-Optik zeigt sie an der Seite von Duke Nicholson, dem Enkel von New-Hollywood-Superstar Jack Nicholson. 
Ein komplexes Zeichensystem, zu dem auch der Bezug auf „Norman Fucking Rockwell“ gehört. Rockwell, der 1978 verstorbene Meistermaler des heroischen Amerikas der sprichwörtlichen Kleinen Leute schuf hunderte Illustrierten-Titelseiten und sozialromantische Gemälde, darunter die Bilder-Serie „Four Freedoms“ (Redefreiheit, Religionsfreiheit, Freiheit vor Not und Freiheit vor Furcht), mit der 1943 vor dem Eintritt der USA in den II. Weltkrieg um Kriegsanleihen aus der Bevölkerung geworben wurden. Eine Ikone zwischen Americana-Kitsch und Feuilleton-Debatten. Eine Figur, wie gemacht für das Universum von Lana Del Ray
Die Songs von „Norman Fucking Rockwell“ sind komplexe Meisterwerke des Slow — bis Mid-Tempo. Einige erzählen vom Ende der Welt oder vom Ende einer Beziehung, andere vom neu Verlieben und vom Älterwerden. Manchmal auch alles gleichzeitig.  Dutzende Popkulturreferenzen werden so zu einem faszinierenden Endprodukt. Eine antike Jukebox im Video zeigt in brüchiger Schrift der Bon Ivers "22 (Over Soon)“ und The National “Terrible Love”, sowie Leonard Cohens "Chelsea Hotel No. 2“ und David Bowies "Life on Mars“. Ein streckenweise apokalyptisches Album tropisch-flirrend und insgesamt ehrgeiziger als viele von Del Rays bisherigen Arbeiten. Im Frühjahr 2020 stellt sie diese neuen, komplexen Sounds im Rahmen ihrer Europatour (mit deutschen Terminen in Berlin und Köln) auch live auf der Bühne vor. 
TOURDATEN
02.03.20 Berlin, Mercedes-Benz Arena
03.03.20 Köln, Lanxess Arena
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