Long Yu | Biografie

Biografie

Der chinesische Dirigent Long Yu, den die New York Times zur »einflussreichsten Persönlichkeit in Chinas klassischer Musikszene« kürte, blickt auf eine glanzvolle Karriere im In- und Ausland. Sein Anliegen ist, Barrieren zwischen verschiedenen Kulturen zu überwinden und so fördert er die wachsenden Beziehungen Chinas zur klassischen Musik und macht zugleich das internationale Publikum mit den größten Musikern und Komponisten des Landes vertraut. Yu bekleidet zurzeit die Spitzenpositionen bei den drei bekanntesten chinesischen Orchestern – als Künstlerischer Direktor des China Philharmonic Orchestra in Peking und Musikdirektor der Symphonieorchester von Shanghai und Guangzhou – und ist Erster Gastdirigent des Hong Kong Philharmonic Orchestra. Er ist Kodirektor des MISA-Sommerfestivals in Shanghai und Vorsitzender des künstlerischen Komitees des Musikfestivals Peking, einer alljährlichen Veranstaltung im Herbst, die er 1998 gründete und deren Künstlerischer Direktor er bis 2017 war. Gegenwärtig ist er zudem Vizepräsident der China Musicians Association und Vorsitzender der unlängst geschaffenen League of China Orchestras.
Unter Yus Leitung trat das China Philharmonic Orchestra als erstes chinesisches Orchester in der vatikanischen Audienzhalle, der »Aula Paolo VI«, auf. Das Konzert, dem auch Papst Benedikt XVI. beiwohnte, war ein bedeutender Brückenschlag zwischen Ost und West. 2014 gab Yu mit dem Ensemble das erste Konzert eines chinesischen Orchesters bei den BBC Proms in der Royal Albert Hall in London – ein Ereignis, das Millionen Fernsehzuschauer in Großbritannien sahen.
Zu Yus herausragenden Aktivitäten beim Shanghai Symphony Orchestra, dessen Leitung er 2009 übernahm, gehörte 2014 die Eröffnung der Shanghai Symphony Hall. Im selben Jahr gründete er die Shanghai Orchestra Academy, Chinas erstes postgraduales Ausbildungsprogramm für Orchestermusiker, in Partnerschaft mit dem Shanghai Conservatory of Music und den New Yorker Philharmonikern. Diese ernannten Yu zum Ehrenmitglied ihres International Advisory Board, eines 12-köpfigen Netzwerks von Förderern und Botschaftern, die das amerikanische Orchester in Kontakt mit Persönlichkeiten und Institutionen ihres jeweiligen Heimatlands bringen. 2016 rief er die alle zwei Jahre stattfindende Shanghai Isaac Stern International Violin Competition ins Leben – zur Familie des Geigers pflegt er enge Beziehungen seit dessen Auftritt beim Musikfestival Peking im Jahr 2000 anlässlich des 20-jährigen Jubiläums seiner bahnbrechenden Chinatournee. Im Juni 2018 unterzeichnete Long Yu als erster chinesischer Dirigent einen Exklusivvertrag mit Deutsche Grammophon, der dem Shanghai Symphony Orchestra eine weltweite Veröffentlichungs- und Vertriebspartnerschaft eröffnet. Ihr erstes DG-Album, Live from the Forbidden City, war die Aufnahme des Galakonzerts in Peking zum 120. Geburtstag des Labels und erschien im Januar 2019. Es folgten bisher Gateways (Juni 2019) und The Song of the Earth, das Mahlers Das Lied von der Erde mit der Welt-Ersteinspielung von Xiaogang Yes Vertonung derselben Texte in der Originalfassung auf Mandarin koppelt (Juli 2021). 2019 führte Yu das Orchester auf eine Tournee durch die USA und Europa mit Auftritten bei den BBC Proms und im Amsterdamer Concertgebouw sowie bei den Festspielen in Edinburgh, Luzern und Ravinia.
Das Guangzhou Symphony Orchestra dirigierte Long Yu erstmals 1994, seit 2003 ist er Musikdirektor des Orchesters und hat dessen Repertoire, Tourneeradius (bis Europa, die USA, Australien, Afrika und Nahost) und auch pädagogische Tätigkeit erweitert. Zwischen 2005 und 2007 veranstaltete das GSO die Canton International Summer Music Academy, zu deren hochkarätigem Lehrkörper auch Martha Argerich und Gary Graffman zählten. Im Januar 2017 startete das GSO unter dem Titel Youth Music Culture Guangdong ein Konzert- und Weiterbildungsprojekt, das »ein neues Kapitel in der symphonischen Welt Chinas eröffnet«; Yo-Yo Ma ist Künstlerischer Direktor der Initiative, Long Yu leitet ihr künstlerisches Komitee.
Auch im internationalen Konzertleben ist Long Yu eine überragende Persönlichkeit und er hat viele Spitzenorchester in der ganzen Welt dirigiert: unter anderem New York Philharmonic Orchestra, Chicago Symphony Orchestra, Philadelphia Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Orchestre symphonique de Montréal, Orchestre de Paris, Bamberger Symphoniker, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, NDR Elbphilharmonie Orchester, Münchner Philharmoniker, Sydney Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Philharmonia Orchestra, Tokyo Philharmonic Orchestra und Singapore Symphony Orchestra.
1964 als Sohn einer musikalischen Familie in Shanghai geboren, erhielt Long Yu ersten Musikunterricht bei seinem Großvater, dem angesehenen Komponisten Ding Shande, er studierte dann am Konservatorium in Shanghai und an der Hochschule der Künste in Berlin. 1992 wurde er Chefdirigent des Zentralen Operntheaters in Peking und hatte dieses Amt drei Jahre lang inne.
Zu seinen Auszeichnungen in seinem Heimatland zählen die Wahl zur Persönlichkeit des Jahres im Bereich der Künste 2010, die Verleihung des China Arts Award 2013 und die Ernennung zum Ehrenakademiker durch die Zentrale Musikhochschule für seine Verdienste um den Kulturaustausch und die musikalische Entwicklung in China.
Auch international wurden Long Yu zahlreiche Ehrungen zuteil. 2002 erhielt er den Arts Patronage Award der Montblanc Kulturstiftung, im Jahr darauf wurde er in Frankreich zum Chevalier dans l’Ordre des Arts et des Lettres ernannt. 2005 ehrte die italienische Regierung ihn mit dem Titel eines Commendatore dell’Ordine al merito. 2014 erhielt er mit der Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion den höchsten französischen Verdienstorden. Ein Jahr später wurde Yu der angesehene Global Citizen Award des Atlantic Council und der Samuel Simons Sanford Award der Yale School of Music verliehen. 2016 wurde er zum ausländischen Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences gewählt und erhielt zudem das deutsche Bundesverdienstkreuz. 2018 verlieh ihm die Hong Kong Academy for Performing Arts die Ehrendoktorwürde.
2021