Der Titel des Albums weckt natürlich Assoziationen an Initiationsriten und Rituale, an etwas Archaisches und Magisches, aber auch an Übergangsriten. Dies spiegelt sich auch in den Stücken wider, die der Saxofonist für das Repertoire zusammenstellte. Sie handeln von entscheidenden Episoden und Einflüssen in seinem eigenen Leben und dem seiner musikalischen Weggefährten. Das Stück “
Malinye” (vom zweiten ECM-Album des Trios Codona) ist eine liebevolle Hommage an seinen Komponisten, den im Jahr 1995 verstorbenen Trompeter
Don Cherry. Mit ihm hatte
Garbarek, als er 17 Jahre alt war, das erste Mal 1964 in Oslo zusammengespielt. Zu den Höhepunkten des Albums gehören auch die spannenden Neuinterpretationen der beiden Garbarek-Klassiker “
It’s OK to listen to the gray voice” (vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1985) und “
So mild the wind, so meek the water” (von dem 1987 erschienenen Soloalbum “
All Those Born with Wings”). Auf “
Rites” gibt es zahlreiche Verweise auf die verschiedenen Musikrichtungen aus aller Welt – von Norwegen bis Indien -, mit denen sich Garbarek auf seinen eigenen Alben oder als Gast anderer Künstler eingehend auseinandergesetzt hat. “
We Are The Stars” ist die Vertonung eines Gedichts amerikanischer Ureinwohner. Das Stück wird von jungen Mitgliedern des norwegischen Chors
Sølvguttene gesungen, während Garbareks Sopransaxofon die Stimmen umkreist. Eine der Überraschungen des Albums ist das Stück “
The moon over Mtatsminda”, das von dem georgischen Komponisten Jansug Kakhidze selbst gesungen wird und zusammen mit dem Tiflis-Sinfonieorchester aufgenommen wurde. Neben den Musikern von Jan Garbareks damaliger Tour-Band – dem Pianisten und Keyboarder
Rainer Brüninghaus, dem Bassisten
Eberhard Weber sowie der Schlagzeugerin und Perkussionistin
Marilyn Mazur – ist auf “Rites” als Gast außerdem
Bugge Wesseltoft zu hören. Der norwegische Keyboarder überrascht in der Don-Cherry-Hommage als Akkordeonist und bereichert darüber hinaus auch mehrere Stücke mit elektronischen Klangfarben. Mit “Rites” legte Jan Garbarek 1998 zweifellos eines seiner vielschichtigsten Alben vor, auf dem er mit seiner subtilen Saxofonkunst zudem neue Höhen erreichte.