Lxandra | Biografie

Lxandra Bio 2018

Es gibt Momente, in denen man alles auf eine Karte setzen muss. Vor gut zwei Jahren packte Lxandra deshalb ihre sieben Sachen und zog von der kleinen finnischen Inselgruppe Suomenlinna ins laute und bunte Berlin. Ein Wagnis, das sich gelohnt hat, denn mittlerweile hat die 21-Jährige nicht nur einen Plattenvertrag, sondern mit der einfühlsamen Klavierballade „Hush Hush Baby“ zuletzt für viel Furore gesorgt. Dabei war der Song eigentlich ein Geburtstagsgeschenk für ihre Mutter. Doch der Reihe nach.
 
Suomenlinna ist eine im 18. Jahrhundert entstandene Festung und wird gerne das „Gibraltar des Nordens“ genannt. Zwar liegt die rund 800 Einwohner zählende Inselgruppe nur 15 Fährminuten von der finnischen Hauptstadt Helsinki entfernt, doch die Uhren ticken dort anders. „Suomenlinna ist wie eine kleine Blase. Dort aufzuwachsen, war wirklich toll“, erinnert sich Lxandra. „In der Nachbarschaft lebten viele Familien. Als Kinder trafen wir uns ständig draußen und die Inseln waren unser Spielplatz.“ Wenn Lxandra nicht mit den anderen Kids durch die Gegend tobte, dann machte sie gerne Musik. Schon mit sechs Jahren begann sie klassisches Piano zu lernen, als Teenagerin sang sie im Chor. „Ich wäre aber nie auf die Idee gekommen, dass ich mal Sängerin werde“, lacht sie. „Mein Traumberuf war Schauspielerin. Ich wollte nach Hollywood und versprach meinem Dad damals, dass ich ihn eines Tages zu den Oscars mitnehmen würde.“
 
Aber oft kommt es eben anders als man denkt. Während ihres Studiums an der „University of the Arts Helsinki“ wuchs Lxandras Leidenschaft für das Singen immer mehr – bis ein Besuch bei dem befreundeten finnischen Produzenten Perttu Kurttila in Berlin im Frühjahr 2015 schließlich ihr Leben veränderte. „Wir schrieben ein paar Songs zusammen, unter anderem meine erste Single ‚Flicker’. Danach war mir klar, dass ich das für immer machen will“, erzählt sie. Wenig später zog sie nach Berlin. „Das war die beste Entscheidung, die ich in meinem Leben getroffen habe. Früher war ich sehr traditionell und wollte am liebsten, dass alles für immer bleibt, wie es ist. Ich glaube das geht vielen jungen Menschen so, denn es bedeutet Sicherheit. Aber irgendwann hat sich das bei mir geändert. Ich will die Welt sehen, Erfahrungen sammeln.“
 
Aus dem kleinen Mädchen aus Suomenlinna ist eine selbstbewusste junge Frau geworden, die genau weiß, was sie will. Das merkt man in Lxandra Kunst. Von ihren Outfits bis zur visuelle Umsetzung ihrer Videos ist bei ihr alles bis ins Detail durchdacht. Zusammen ergeben all diese Details eine komplexe, künstlerische Vision. „Ich bewundere selbstbewusste Künstlerinnen wie Lana Del Ray oder SIA, die nicht nur Interpretinnen sind, sondern das große Ganze im Blick haben, die Visionen haben. Ich finde, man kann das spüren“, sagt sie. „Es ist mir deshalb wichtig, mich als Künstlerin so zu präsentieren, wie ich bin. Denn niemand kann so sein wie du.“
 
Im Moment arbeitet Lxandra an ihrem Debütalbum, das Ende dieses Jahres erscheinen soll. Elektronische Einflüsse verbindet sie in ihren Stücken mit klassischem Klavierspiel, kraftvolle Refrains treffen auf atmosphärische, sanfte Sounds. Als hätte man einen Berliner Club in eine finnische Blockhütte verwandelt. Und auch textlich verschmilzt Lxandras in ihren Songs oft mehrere Dinge. Ihre Debütsingle „Flicker“ zum Beispiel, die Anfang 2017 erschienen ist und auf Spotify schon fast die Millionen-Grenze geknackt hat, ist auf den ersten Blick ein Liebeslied. „Darüber hinaus geht es aber auch ums Loslassen – ob nun auf eine andere Person oder sich selbst bezogen. Es geht darum, ein neues Kapitel zu beginnen“, sagt sie. „Im Grunde drehen sich alle meine Songs um drei Themen: Darum, wie ich die Welt sehe, um Beziehungen oder intime Geschichten, und um meine inneren Kämpfe als 21-Jährige. Oft gehen diese Themen ineinander über.“
 
Zum Beispiel in ihrer neuen Single „Dig Deep“. Zwar ist der Song lange vor der #MeToo-Kampagne entstanden, aber er könnte aktueller kaum sein: Text und Video kritisieren das Frauenbild, das in unserer Gesellschaft nach wie vor regiert. „Frauen sind in den Augen der Gesellschaft schnell ‚zu viel’, von ihnen wird erwartet, dass sie ruhig und leise sind“, kritisiert Lxandra. „Dieses Thema wiederholt sich in all den Visuals des Videos. Wir porträtieren eine starke, laute und freie Frau, vor der viele Angst haben, weil die Welt daran immer noch nicht gewöhnt ist. Nicht bloß das hübsche Mädchen von nebenan, das seinen Mund hält. Das reflektiert auch die #MeToo-Kampagne: Es geht darum, Dinge auszusprechen, wenn sie unfair sind.“ Das Video ist übrigens eng mit dem „Flicker“-Video verknüpft: In „Dig Deep“ bricht die Protagonistin aus dem „Flicker“-Video aus und befreit sich – auch wenn die Gesellschaft sie nicht akzeptiert.
 
Es darf aber auch mal ganz einfach und intuitiv sein, so wie das eingangs erwähnte Stück „Hush Hush Baby“. „You gave me strength when I felt weak / You got me up when I dived too deep“, singt Lxandra darin. „Meine Mutter hat um Weihnachten herum Geburtstag und als ich Ende 2016 nach Hause kam, fragte sie mich, ob ich auf ihrer Party ein kleines Konzert spielen könnte. Als Überraschung beschloss ich, einen Song für sie zu schreiben, und ihn ganz am Ende des Sets zu spielen. Das war ein sehr emotionaler Moment“, erzählt sie. „Eigentlich hatte ich nicht vor, den Song zu veröffentlichen, aber weil er den Leuten so gut gefiel, lud ich ihn auf meiner Soundcloud-Seite hoch.“ Und mir nichts, dir nichts wurde „Hush Hush Baby“ – dessen Gesangsspur nach wie vor die der ersten Demoaufnahme ist – der Song für die Vorweihnachtskampagne von Saturn. So schnell kann’s gehen. Also: Bestimmt klappt das mit dem Oscar auch irgendwann. Lxandra lacht. „Vielleicht bekomme ich ja mal einen für den besten Song. Dann kann ich meinen Dad doch noch mitnehmen!“