Rea Garvey | Biografie

Rea Garvey, “Neon”, 2018

Ein Album kann eine Reise sein. Manchmal bedeutet das, fremde Länder und Orte zu besuchen, um das eigene Zuhause zu finden, über Schatten zu springen, damit aus Fremden Freunde werden und die Erkenntnis, dass man nicht immer weit hinaus muss, um weit zu kommen. Von diesem Weg erzählt das neue, 14-Song starke Album “Neon” von Rea Garvey.
Vielleicht begann die Reise bereits zur Jahrtausendwende, als es den irischen Sänger und Songschreiber aus seiner Heimat nach Deutschland verschlug. Das Resultat: Ein Abenteuertrip, der mit Neon als mittlerweile für Rea Garvey einen neuen Wegpunkt verzeichnet. Ein Ende ist damit jedoch noch lange nicht in Sicht. Warum auch Bedeuten die neuen Erfahrungen und vielen verschiedenen Inspirationen immer auch ein Umdenken und Einlenken, ein Umwerfen und Neugestalten. Von “Ankommen” kann für Rea mit Neon jedenfalls keine Rede sein. Es geht um neue Wege.
Immer in Bewegung bleiben, dem Hunger nach Neuem folgend, es sich nie auf bisher Erreichtem bequem zu machen oder gar in Comfort-Zonen zu versacken — die Grundsätze des Wahlberliners sind seine Lebenseinstellung. Aus diesen Mantras schöpft Rea Garvey auch die Motivation für seine künstlerische Arbeit, immer verbunden mit dem Risiko des grandiosen Scheiterns. Auch nach mehr als einer halben Million weltweit verkaufter Einheiten seiner Soloalben, den damit verbundenen vielfachen Auszeichnungen mit Edelmetall sowie Awards wie dem ECHO oder dem Bambi und restlos ausverkaufter Touren ist Neon ganz bewusst ein Wagnis und ein weiterer entschiedener Schritt ins Unbekannte. Welches Neuland hier betreten wird und wie sehr sich Rea musikalisch weiterentwickelt hat, macht bereits die Ende Januar veröffentlichte Vorabsingle “Is It Love?” in Zusammenarbeit mit der Deutschraplegende Kool Savas deutlich. Mit seinem neuen Studioalbum beweist Rea Garvey wiederholt, dass Musik für ihn ein stetiger Prozess der Selbsterfahrung ist — ohne Raum für Kompromisse.
Auf das gesellschaftskritisch-wütende Vorgängeralbum Prisma von 2015 antwortet Rea Garvey nun mit einem hoffnungsvollen Neon als Metapher dafür, das Leben von einem anderen, einem wohlwollenden Standpunkt aus zu betrachten. Ein Perspektivwechsel und Abenteuer zugleich: “Nach der letzten Platte hatte ich das Gefühl, alles schon einmal gemacht zu haben”, beschreibt Rea die Entstehungsgeschichte von Neon. “Ich wollte etwas ganz Neues ausprobieren, von dem ich im Vorfeld nicht hundertprozentig sicher war, was wohl passieren würde.” Zwei Jahre hat sich Rea für die Arbeiten an dem neuen Album Zeit genommen und hat zum Songwriting Island, Schweden, die USA, Großbritannien und seine irische Heimat bereist. Ein Trip mit überraschender Wendung, wie er heute weiß. „Ich hatte überall das Gefühl, irgendwie fehl am Platze zu sein. Bisher hat es mich immer in die Ferne gezogen, wenn ich neue Inspirationen brauchte. Diesmal wollte ich unbedingt zurück nach Berlin. Für mich ein merkwürdiger Impuls, den ich in dieser Form noch nie so stark wahrgenommen habe. Ich lebe ja dort und war mir bisher sicher, dass die Einflüsse für meine Songs von außerhalb kommen müssten.“, so der Mann, der eher mit Menschen, als mit Orten verwurzelt ist. Heimweh als künstlerischer Antrieb.
"Man kann die Arbeit an einem Album mit einer Bergbesteigung vergleichen. Man erklimmt die höchsten Gipfel, nimmt die größten Strapazen auf sich. Man dreht jeden Stein auf der Suche nach der Inspiration für einen guten Song um. Das ganze Leben ist eine Reise", auf der Rea diesmal die Bekanntschaft eines sehr besonderen Menschen machte: Der Großteil der Songs auf Neon entstand gemeinsam mit dem Produzenten Imran “Abaz” Abbas, der durch Kollaboration mit Größen der deutschen Rap-Szene (namentlich Künstlern wie Kollegah, Haftbefehl, Samy Deluxe, Culcha Candela und vielen anderen) Kultstatus erlangte. Was nach unvereinbaren Gegensätzen klingt, wurde im Studio zu einem homogenen, genre-sprengenden Mix aus Rock, Singer/Songwriter-Ästhetik, Urban-Pop und Hip Hop, dem Abaz seinen deutlichen Stempel aufdrückt: Packende Rock-Power trifft auf modernes Programming, zurückgelehnte Beats auf irische Traditionsinstrumente und urbane Pop-Vibes auf Reas sofort wiedererkennbare Gänsehaut-Vocals.
"Durch die Zusammenarbeit mit Abaz habe ich eine Seite an mir entdeckt, die mir völlig neu war", erzählt Rea Garvey. “Ich habe mir zum ersten Mal erlaubt, Wege zu gehen, die ich vor zwei Jahren noch gescheut hätte. Abaz und ich sind während der Aufnahmen zu echten Freunden zusammengewachsen. Bevor wir überhaupt mit den Aufnahmen anfingen, haben wir sehr viel geredet, uns ausgetauscht und schon bald gemerkt, dass wir auf der gleichen Wellenlänge lagen. Diese Art von Enthusiasmus und gegenseitigem Verständnis kann man nicht kaufen.” Ganz bewusst fiel die Wahl der ersten Vorabsingle auf den Track “Is It Love? (feat. Kool Savas)”, die für Reas neu gewonnene Experimentierfreude und Unbefangenheit im Umgang mit seiner Musik steht.
Schon der Albumtitel Neon spiegelt die für Rea Garvey völlig neue Herangehensweise wider, unter der die 14 Songs entstanden sind. “Ich habe nicht nur meine eigene Perspektive auf die Welt geändert, ich möchte auch die Hörer ermutigen, ihre Sicht hin und wieder zu überprüfen und die Dinge mit anderen Augen zu betrachten. Vor den Aufnahmen habe ich mich gefragt, was ich eigentlich will. In diesen hektischen Zeiten ist man oft viel zu beschäftigt, um auf die eigenen Bedürfnisse zu hören oder kurz innezuhalten und in sich hinein zu horchen, ob man noch bei sich ist. Meine Lieder waren schon von jeher wie kleine Wegweiser, durch die mir gewisse Dinge klar geworden sind und die mir meinen Weg gezeigt haben. Es geht auf dem Album auch darum, loszulassen. Sich freizumachen von all dem unnötigen Ballast und den Sorgen, die wir ständig mit uns herumtragen. Darum, einfach im Moment zu leben und sich trotz aller Mühen über die schönen Seiten des Lebens zu freuen.” Positivität mit Ohrwurmcharakter, die sich besonders in der Hymne “Beautiful Life”, der mitreißenden Folktronic-Ballade “Hometown” oder dem sympathisch knarzigen Song “Water” wiederfindet.
Einen inneren Kontrast, den Rea Garvey auf dem Stück “Darkness” in wundervoll poetischen Worten umschreibt, schildert er so: „Wenn man als Musiker noch keine Dunkelheit erlebt hat, dann weiß man gar nicht, wovon man überhaupt spricht. Ich habe diese innere Schwärze oft genug am eigenen Leib gespürt. Ich habe festgestellt, dass ich nicht an diesem Platz sein möchte; trotzdem ist es gut, ihn manchmal zu besuchen. Nur so weiß man das Licht wieder zu schätzen.“ So erzählt Neon nicht nur musikalisch, sondern auch mit seiner Entstehungsgeschichte vom Wechselspiel des alltäglichen Lebens, bei dem man Menschen verliert, wiederum andere hinzu gewinnt und von den schönen Momenten, die uns zwischendurch immer wieder für die Strapazen belohnen. „Diese kostbaren Augenblicke sind es wert, selbst die härtesten Schlachten zu schlagen. Man steht ständig an irgendwelchen Weggabelungen und muss sich für eine Richtung entscheiden. Manche Pfade sind länger, andere kürzer. Aber jeder Pfad bringt neue Erfahrungen mit sich; selbst, wenn man überzeugt ist, es wäre der falsche Weg. Doch die Wahrheit ist: Es gibt keinen falschen Weg! Ich will die Leute mit meiner Musik mitreißen und ihnen Mut machen, ihren eigenen Weg zu gehen. Selbst, wenn es manchmal hart und steinig wird. Aber nach schlechten kommen auch immer wieder gute Zeiten. So viel steht fest!"
Im kommenden Herbst ist Rea Garvey auf ausgedehnter Stadiontour live zu erleben, auf der er die Songs seines neuen Albums Neon  u.a. in Köln, Stuttgart, Mannheim, Erfurt, Rostock, Bielefeld, Leipzig, Hannover, Würzburg, Freiburg, München, Frankfurt, Oberhausen, Berlin, Hamburg, Ulm, Zürich und Wien vor gigantischer Kulisse live präsentieren wird.
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