Sasha | Biografie

Sasha 2018

Sasha, Momentaufnahmen aus der schönsten Ecke, 2018 
„Ich weiß noch genau: Wir haben auf dem Dach von deinem Ford Escort getanzt / Wodka-O in Plastikbechern in der Hand / Das Radio laut / Die Nacht um uns herum.“ (aus dem Song „Immer wie immer“)
In kurzen, knappen Sätzen skizziert Sasha große Tableaus, übersetzt er Erinnerungen, Inneneinblicke und Gedanken in mitreißende, eingängige Songs.
Nach einer an und für sich beispiellosen internationalen Pop-Karriere hat Sasha beschlossen, wieder alles auf Anfang zu stellen. Für sein neues Album SCHLÜSSELKIND hat er insgesamt 14 neue Songs eingespielt — allesamt erstmals auf Deutsch. Wir erleben die Neuerfindung eines Sängers, der im Rückblick zeitlebens musikalisch immer offen für Neues war, sich nie hat in ein Korsett zwingen lassen.
„Ich habe mteine ersten Versuche auf Deutsch zu singen bereits Mitte der Neunzigerjahre gehabt“, sagt Sasha: „Ich war damals beeindruck von der Band Nationalgalerie, aber auch von Selig. Da wusste ich: Es geht auch auf Deutsch. Aber mir hat damals die Ernsthaftigkeit bei mir selbst gefehlt. Ich bin beim Schreiben immer wieder ins komische Fach abgedriftet: Ich bildete mir damals ein, jede Strophe müsse einen lustigen Twist aufweisen, damit es auch wirklich ein Lied wird.“
Zwei Jahrzehnte vergehen, in denen Sasha eine internationale Karriere mit diversen Hits (u.a. „“If You Believe”, “Slowly”, “Coming Home”, “Lucky Day” und “Hide & Seek” und zuletzt “Good Days”) meisterte und insgesamt acht Alben veröffentlichte. Seine Plattenverkäufe im In- und Ausland erzielten 17 Mal Gold- und sechsmal Platin-Status. Er wurde unter anderem mit vier Echos, drei 1Live-Kronen einem Bambi, einer Goldenen Kamera und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet, denn er stand auch erfolgreich vor der Kamera.
Als Dick Brave and The Backbeats tobte sich Sasha zwischenzeitlich auf einem ganz anderen musikalischen Feld erfolgreich aus, und auf Einladung Xavier Naidoos sang er bei der ersten Staffel Sing meinen Song. Seit über zehn Jahren tourt er schließlich mit Rea Garvey, Xavier Naidoo und Michael Mittermeier unter dem Projektnamen “Alive & Swingin” durch Deutschland und probierte abermals eine neue Inkarnation aus.
Sashas neue Songs besitzen jetzt diese Ernsthaftigkeit, vor der er früher zurück geschreckt war. „Ich wollte dabei aber musikalisch nicht viel anders machen als ich die letzten 20 Jahre auf Englisch gemacht habe. Wichtig war es, dieses Denken in der englischen Sprache zu durchbrechen und von nun an das Deutsche als meine neue Singsprache zu akzeptieren. Bis vor Kurzem kam immer ein englisches Gemurmel heraus, wenn ich vor mich hin komponierte. Ich hatte ja gar keine Erfahrung auf Deutsch zu schreiben. Und heute träume ich Songs sogar auf Deutsch.“
Die eigene deutschsprachige Stimme hat Sasha in den letzten drei Jahren ausgelotet. So lange dauerte die Arbeit an SCHLÜSSELKIND. Gemeinsam mit Robin Grubert und Ali Zuckowski — zwei seiner engsten Co-Autoren, Komponisten und Freunde begann Sasha in Los Angeles bereits 2015, an einem Neustart zu arbeiten. Gemeinsam mit ihnen begann Sasha neues Material so lange zu bearbeiten, bis er sich selbst darin wiederfand. „Ich erinnere mich noch ganz genau, wie ich das erste Lied eingesungen habe: Da stand ich vor dem Mikro mit meinem Text und ich hielt einen Moment inne. Ich dachte: Krass, jetzt wird es ernst! Und dann habe ich es einfach gesungen. Und als ich fertig war, machte ich die Augen wieder auf, und ich sah, wie Robin und Ali über beide Ohren grinsten. Da wusste ich: Geil, es ist alles gut!“
Nicht nur klingt seine eigentlich doch vertraute Stimme heute viel reifer und, darf man es sagen: erwachsener? Sashas Gesang klingt vor allem auch selbstverständlich. Und das erklärt schließlich, warum wir bereit sind, seinen Texten interessiert zu folgen. In dem Titelsong “Schlüsselkind” erinnert sich Sasha etwa autobiografisch an seine eigene Kindheit. „Hey, hey, Schlüsselkind, glaubt mir, in ein paar Jahren / Macht das alles Sinn / Du kriegst das hin.“ Das sind elegante, mit entwaffnender Direktheit gesungene Zeilen. Embedded in den entkernten, trockenen, bisweilen an George Michael erinnernden Pop-Sound Sashas summieren sich die 14 neuen Songs zu einem Album, das persönlich und  zum Hörer spricht.
Ein letztes Wort zu Sashas Einflüssen. Als Kind und Jugendlicher hörte er zuhause im Ruhrgebiet zwangsläufig jeden Tag Radio WDR4, weil seine Mutter die Tür zur Küche stets offen ließ. Auf diese Weise lernte Sasha die Songs von Frank Sinatra bis Udo Jürgens bald auswendig — „die alten Schlager, die guten Schlager,“ wie er es ausdrückt. „Udo Jürgens hat mich indirekt zu dem Schritt jetzt auf Deutsch zu singen ermutigt“, sagt Sasha nachdenklich. „Ich bewundere ihn als einen der größten Sänger, die je in deutscher Sprache gesungen haben. Gefragt, wen er denn aus Deutschland als würdigen Vertreter für den Grand Prix d’Eurovision sähe, nannte er meinen Namen. Das hat mich sehr berührt.
Das wirklich Schöne an SCHLÜSSELKIND schließlich ist, wie Sasha mit diesem Ritterschlag umgeht: Er nahm das Lächeln und das Selbstbewusstsein mit, geht dabei aber seinen ganz eigenen musikalischen Weg — in eine musikalische Zukunft, die gerade erst begonnen hat.
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