Sex Pistols | Biografie

Sex Pistols

Die Meisten denken beim Stichwort Punkrock zuerst an die Sex Pistols: Vor vierzig Jahren revolutionierten sie den Rock und schrieben Musikgeschichte. Ihr einziges Studio-Album Never Mind The Bollocks, Here´s the Sex Pistols führt die Presse (VH−1, Rolling Stone, NME, Kerrang etc.) stetig in ihren Top-Listen der “Besten Alben aller Zeiten”. Fortlaufend erscheint es in neuen Auflagen und luxuriösen Editionen, natürlich auch 2017, zum 40. Jubiläum.
Die Sex Pistols waren der Sänger John Lydon alias Johnny Rotten, Gitarrist Steve Jones, die Bassisten Glen Matlock und später Sid Vicious und Schlagzeuger Paul Cook. Diese in einem Londoner Modeladen von Vivienne Westwood erdachte und vom exzentrischen Impresario Malcolm McLaren gemanagte Garage-Band, knallte 1976 einem trüben Großbritannien der Streiks und der Arbeitslosigkeit entgegen. Die Pistols ließen den musikalisch dominierenden Prog- und Glam-Rock alt aussehen. In Zeiten, in denen die Band Yes noch sechsmal hintereinander Wembley ausverkauften, war Punk der authentische Kult, gemacht von den Kids für die Kids.
Den damaligen Frust der englischen Jugend knüppelten die Sex Pistols mit schnellem, abrupten DIY–Rock´n´Roll heraus. Röhrende Lautstärke und rotzfreche Haltung machten sie zu Role-Models. Sie rempelten den Punk in Großbritanniens popkulturelle Ahnenreihe von Teddy Boys, Mods, Hippies und Skinheads.
Die Sex Pistols waren gefährlicher und unberechenbarer als ihre musikalischen Vorreiter The Who und Small Faces, aus den USA The Stooges und Ramones. Überall wo sie auftauchten, blutete gleich jemand aus der Nase, rief gleich jemand die Polizei, brachen Waschbecken aus der Wand, regierte das Chaos. Als sie am 1. Dezember 1976 in einer TV–Show für die verhinderte Band Queen (Freddie Mercury hatte Zahnschmerzen) einsprangen, beschimpften sie den Moderator Bill Grundy obszön: es wurde ein nationaler Skandal – Punk war in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Medien und Politiker riefen zum Boykott ihrer beiden vorab zum Album veröffentlichten Singles “Anarchy In The UK” und “God Save The Queen”. Gerade letzterer Song, der anlässlich des 25. Jubiläums der Thronbesteigung von Queen Elizabeth erschien, galt dem britischen Establishment als Kriegserklärung. Aufgebrachte Bürger attackierten Lydon auf der Straße mit einer Machete und schlugen ihm eine Flasche auf den Kopf. Die Single verkaufte wie warme Semmeln, ihr Cover ist heute eine Pop-Ikone. Nachdem zuerst EMI und dann auch das A&M–Label ihre Verträge mit den Pistols auflösten, fing Richard Bransons Virgin-Label sie auf und rettete damit die Popgeschichte: 1977 kam …Bollocks auf Platz 1 der britischen Charts.
Von heute aus betrachtet ist Never Mind The Bollocks eine glorreiche Momentaufnahme, denn ein Jahr danach waren die Sex Pistols ausgebrannt und als Band schon wieder vorbei. Den Nachhall ihrer von Chris Thomas (Beatles, Roxy Music) kristallklar und durchpoliert produzierten Punk-Explosion hört man in der Musik so unterschiedlicher Künstler wie The Police, Elvis Costello und Nirvana, Green Day und No Doubt.