Tocotronic | Biografie

Tocotronic, Die Unendlichkeit, 2018

Wollte man dem zwölften Album von Tocotronic ein Motto geben, könnte das Öffnung und Rückblick sein oder Verletzlich und frei. Es handelt von dem, was war, dem, was ist, und dem, was sein wird. Es heißt “Die Unendlichkeit” und ist deep!
Es ist ein doppeltes Konzeptalbum. Jedes Stück weist spezifische, zeitgebundene musikalische Referenzen auf und hat seinen Ausgang im Werden und Sein. Es ist eine Biografie. Ein Ansatz, den Tocotronic 15 Jahre lang abgelehnt haben. Aber einmal gefunden, erwies sich die Vorgabe, über das eigene Leben zu schreiben, als äußert produktiv. Wobei das Album keinesfalls eine individualistische
Nabelschau geworden ist. Denn es erzählt von allgemein gültigen, wenn nicht existenziellen Erfahrungen: von Angst, Verliebtsein, Einsamkeit und Tod.
Mit dieser neuen Art von Songwriting geht eine andere Sprache einher. Eine, die keine Verklausulierungen duldet. “Ein bisschen haben wir uns zuletzt sicherlich hinter Manifesten, Theorie-Referenzen und dem Formalismus versteckt”, sagt Dirk von Lowtzow. “Die Unendlichkeit” ist daher auch ein Neubeginn. Das Biografische also, das auf dem letzten, “Das Rote Album”, mit Stücken wie “Ich öffne mich” oder “Jungfernfahrt” schon angelegt war, wird hier zum konzeptuellen Ansatz: von der Kindheit über die Adoleszenz und frühe Erwachsenenzeit bis in die Gegenwart. Nach 25 Jahren Bandgeschichte heißt das auch: Die Hälfte dieser Zeit hat mit Tocotronic selbst zu tun. Mehr als das halbe Leben.
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