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Kein gewöhnliches Best Of-Album – das neue Album “Zeitreise”

veronika fischer 2011 / 2
22.11.2011
„Zeitreise“ heißt das Jubiläumsalbum von Veronika Fischer. Nach 60 Jahren Lebenszeit gespickt mit deutsch-deutscher Zeitgeschichte, jeder Menge schicksalhaften Begebenheiten sowie 40 Jahren erfülltem Künstlerleben war es Zeit für dieses einzigartige Album. „Zeitreise“ ist dabei aber kein gewöhnliches Best Of-Album mit Aufnahmen all ihrer Hits in neuem Gewand.
Veronika Fischer hat sich zu einem eigenen Weg der Retrospektive entschieden und die Songs persönlich ausgewählt, ihren Gedanken und Gefühlen bei der Selektion freien Lauf gelassen. Für den modernen Sound und die einfühlsamen Arrangements zeichnet das Produzententeam “Valicon” verantwortlich.
Das Album „Zeitreise“ ist daher in jedem Ton Veronika Fischer pur, klar in der Selbstsicht und ohne doppelten Boden. Sie schickt uns auf eine aktualisierte Retro-Tour mit Temposchild Richtung Zukunft. Musikalisch erfolgt ein gelungener und mitunter mutiger Brückenschlag zwischen den Stilrichtungen Rock, Pop, Jazz und Chanson. Neben den besagten Neuaufnahmen von unbekannteren Titeln und einigen ihrer größten Hits sind auch zwei nagelneue Songs in ihre persönliche Schatzkiste gefallen. Das Album enthält klanglich in die Jetztzeit produzierte Hits wie „Nachts“ (ihr erster Hit überhaupt), „Uralte Zeit“, „Sommerbild“, das Duett mit Dirk Zöllner “In jener Nacht“, das emotional bewegende „…daß ich eine Schneeflocke wär“ oder das Kultlied „Auf der Wiese“. Noch heute werden diese Lieder geliebt, wurden zu “Evergreens” im besten Sinne. Das wichtigste Ziel der Produktion war es, die hohe musikalische, inhaltliche Qualität und Emotionalität der Lieder sowie die Unverwechselbarkeit ihrer Interpretin zu stärken. Ein Leitmotiv das die neuen Songs mit den Neuaufnahmen älterer Titel verbindet. Damals in der DDR stand ihr der Komponist Franz Bartsch zur Seite, der es verstand, ihr die Melodien passgerecht zu schreiben. Die Flucht von Franz Bartzsch in den Westen war ein wichtiger Wendepunkt im Leben von Veronika Fischer. Sie durfte die bekannten Lieder des Komponisten nicht mehr singen, nur noch selten auftreten und kam selbst in den Verdacht nicht linientreu zu sein.
Im Kern stimmte das auch, doch die Künstler der DDR wagten selten offenen Aufstand, sondern ließen ihre Kritik am System gekonnt zwischen den Zeilen erklingen. Die Menschen in der DDR waren dahingehend sehr aufmerksam und verstanden die Anspielungen. In jedem Fall wurde es nach der Flucht ihres Schreibers schwer für Veronika Fischer an Auftritte zu kommen und somit auch die Existenz zu sichern. Der Weg in den Westen mit Mann und Kind war auf lange Sicht der einzige Ausweg aus der Misere. In den Achtziger Jahren im Westen angekommen, viel die Künstlerin erstmal weich. Die WEA nahm die Künstlerin, die auch im Westen keine Unbekannte war, unter Vertrag. Von 1990 an war vor allem Andreas Bicking ihr bevorzugter Schreiber und Pianist und die Zusammenarbeit mit Lyrikerin Gisela Steineckert führte zu einigen großartigen Songs. Diese kreative Zelle ist auch mit dem neuen Song „Mein seltsames Leben“ auf dem Album vertreten. Das Lied im Musette-Sound gehalten ist ein Chanson mit interessanten harmonischen Wendungen und einem Text, der wie ein Leitmotiv für das ganze Album wirkt. Es ist eine persönliche Rückschau mit fast kindlichem Staunen aber letztlich ohne Bedauern. Eine Gedankenspielerei im heute eher seltene 3/4 –Takt durch die letzten 60 Jahre eines bewegten Lebens. Stefan Olsson, Fred Johansson, Mark Read  heißen die schwedischen Komponisten zum zweiten neuen Titel „Ein Blick, ein Kuss“. Der deutsche Text stammt von Thomas Woitkewitsch, der schon in den 80ern für Veronika Fischer die Erfolgs-CD „Sehnsucht nach Wärme textete.
Es ist ein Popsong im besten Sinne mit treibendem Rhythmus und unverkennbarer Liebeslyrik. Es geht um das unkontrollierbare Gefühl des Verliebtseins, um das Aussetzen jeder Ratio wenn die viel bemühten Endorphine in Wallung geraten. „Ein Blick, ein Kuss“ ist ein atmosphärisch dichter Song mit eingängiger Melodie, der eindeutig das Zeug zu einem Hit hat.
„Zeitreise“ ist ein Album, das im Prinzip keinen Anfang und kein Ende hat. Die Musik fließt an uns vorüber und nimmt uns mit durch persönliche Erlebnisse, Zeitgeschichte, oder einfach nur gute Gefühle, die wir mit all den wunderbaren Songs von Veronika Fischer verbinden. Es ist verblüffend wie zeitlos diese „Zeitreise“ ist und es verwundert noch mehr, wie schwer es ist in diesen Tagen Musik und Texte dieser Klasse zu finden. Künstler wie Veronika Fischer stehen nicht für eine Musikrichtung, sie stehen einfach für sich. Und diese Einzigartigkeit ist wirklich nur den ganz großen Künstlern zu Eigen.

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