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Julian le Play, Julian le Play BACKSTAGE EXCLUSIV

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14.04.2016

Julian le Play, "Zugvögel", 2016

Julian le Play hat einen Tick: Er bleibt nicht gern am selben Fleck. Mit dem Kopf in den Wolken, das ist er ohnehin stets. Doch die schönsten Abenteuer sind nicht nur im Kopf: Reisen ist Leben. Am Fenster stehen, Sterne zählen, so fängt es immer an mit dem Fernweh. Und dann: Rucksack packen, Abteil suchen, den Fahrtwind im Gesicht spüren. Der Sonne hinterher. Und sich an der unbändigen Lust erfreuen, alles hinter sich zu lassen.

Genau so ein Album wollte Julian le Play schreiben. Jetzt ist es da: Sein drittes Album widmet sich dem Reisen. "Zugvögel" heißt es: Nicht mehr die Akustikgitarre der vorigen Platten bestimmt nun die Melodie, sondern große, epische Pop-Arrangements und Synthesizer prägen des Österreichers Soundtrack der Sehnsucht. Zwölf Songs, die sich zum musikalischen Roadmovie mit Mut zum Cinemascope formen. Mal vernimmt man Einflüsse von Soul und RnB, dann wieder treiben elektronische Beats die Nummern voran. Wie ein roter Faden verbindet Julian le Plays warme, sonore Stimme alles mühelos miteinander. Und macht aus kleinen Geschichten große Hymnen mit Tiefgang.

Es sind Songs von einer Tour de Force der Sinne. Lissabon, Amsterdam, Stockholm, Sevilla, Cinque Terre, Istrien. Nächte im Zugabteil und Tage in fremden Gassen wurden zu Monaten weit weg von Zuhause. Was als ewig aufgeschobener Eurotrip begann wurde bald zur Gewohnheit, vielleicht auch zur Sucht. "Nordwind" nennt der Sänger heute das Gefühl, das ihn unangekündigt immer wieder vor die Tür treibt. Sich vom Gemurmel in den Cafés umschmeicheln lassen, ein gutes Glas Rotwein und Aussicht aufs Meer. Eintauchen ins Flair der Fremde, der Zeit einen Zacken ausbeißen. Die Sorgen? So weit entfernt. Stattdessen sich selber auf die Spur kommen in der Ferne. Mit einem Wort: Inspiration. Was sich in Wien erlebt – das weiß der Sänger ganz genau – lässt sich anderswo einfach besser verarbeiten. "Kaum sitze ich im Zug oder Flugzeug fügt sich eines zum anderen", weiß er. "Es ist fast so etwas wie Trance, die einsetzt, sobald ich unterwegs bin."

Nachdem Julian le Play mit dem Song "Mr. Spielberg" 2012 in Österreich seinen ersten Hit gelandet hatte und das Album "Soweit Sonar" Platz fünf der Charts erreichte, etablierte sich der damals 19-jährige Wiener mit dem zweiten Album "Melodrom" als eine von Österreichs meist beachteten Stimmen. Die Platte erreichte Gold-Status, die Single "Mein Anker"ging in die Top Ten, die erste Open Air-Tournee war ausverkauft. Auf dem Donauinselfest, immerhin das größte Freiluftfestival Europas, spielte le Play vor 30.000 Fans. War da noch was? Ach ja: eine Auszeichnung mit dem Amadeus etwa – Österreichs wichtigster Musikpreis und das Äquivalent zum Echo – für das Beste Album.

Und doch musste Julian le Play wieder zurück zum Anfang. Im Rucksack nur das Nötigste: Laptop, Keyboard und Notizblock. Inmitten dem Flirren der Bars und Cafés produzierte er nächtelang den Soundtrack seiner Zugvögel.

Die erste Single "Hand in Hand"ist Zeugnis seines neuen Selbstverständnisses: ein auffällig tanzbarer Beat, wie man es von dem 24-Jährigen so noch nicht kennt. Dabei erzählt Julian le Play vom Zauber einer ersten Begegnung. Ein kalter Wintermorgen. Eine Straßenbahn für zwei am Weg raus aus der Stadt. Die letzten Minuten einer durchzechten Nacht, vielleicht die ersten einer gemeinsamen Reise.

Starke Bilder wie diese einzufangen ist die große Stärke des Österreichers. Er entwirft Bilder, die jeden einladen selbst Teil der Reise zu werden. Dann fliegt man plötzlich auch mit, "hinter der Sonne her" ("Zugvögel")– oder sitzt auf der Rückbank im alten Ranger Pick-Up am Freeway Richtung Ungewiss ("Tausend Kilometer","Hollywood BLVD"). Auch "Lauf Lauf Lauf" schließt hier an. "Alles was ich brauch passt in einen Rucksack", singt Julian le Play und spricht die Sehnsucht jedes Menschen an, seinen Seelenballast abzuwerfen und neu anzufangen. Aus dem Hamsterrad auszusteigen – und seinen Sehnsüchten nachzugeben.

Sehnsüchte, die schon früh eine Rolle spielen und Julian le Play zu der Gedankenspielerei des Liedes "Die Eisenbahn" inspiriert haben: Was würde der kleine Julian vom erwachsenen le Play halten, fragt er sich – hat er seine Träume erfüllt oder verraten? "Tausend bunte Träume" wiederum erzählt von einer Nacht, in der man der Sonne wieder einmal beim Aufgehen zugesehen hat – und der Sucht danach, das immer wieder zu erleben. "Wo geht sie hin, wenn ich schlafe?", singt der ehemalige Moderator einer nächtlichen Radiomusiksendung Richtung Sonne. "Geht sie mir fremd – und wem schenkt sie ihr Licht in der Nacht?"

"Wenn dieses Album etwas macht", sagt Julian le Play, "dann vor allen anderen Dingen eines: nämlich Mut." Es animiert dazu, auch Zugvogel zu werden. Dessen erstes Gebot: Er schaut nie zurück und teilt sein Glück – die wichtigsten Zeilen des Albums, so Julian le Play. Kein Wunder, dass die Platte nicht in einem gewöhnlichen Tonstudio aufgenommen wurde. Stattdessen mietete der Sänger sich mit seiner Band sieben Wochen in einem stillgelegten Bauernhof aus dem 18. Jahrhundert nahe Bordeaux ein. Eine vibrierende Atmosphäre erwartete ihn dort, die sich in den Sound der Songs sofort einklinkte. Eine Klassenfahrt für die Kreativität, Zugvögel unter sich. Herausgekommen ist daraus ein neuer Mosaikstein seines Schaffens – Julian le Play, positiv und mutig wie nie zuvor.