Celeste | Biografie

CELESTE 2019

Es gibt Menschen, die schlichtweg zum Singen geboren sind. Die Sängerin aus Brighton Celeste ist eine von ihnen. Ihre emotionale und herzerwärmende EP “Lately” beschwört den Geist von Soulsängern und thematisiert unter anderem das Erwachsenwerden, das Verlassen des eigenen Zuhauses, unerwiderte Liebe und die Suche nach seinem Platz in der eigenen Familie.
Die Entstehungsgeschichte ist eine ganz besondere. Geboren in LA, wo sie mit ihrer in Essex geborenen Mutter und dem Vater aus Los Angeleno bis zu ihrem dritten Lebensjahr lebte, zog sie als Kleinkind nach Dagenham, bevor sie sich mit ihrer Mutter in Brighton niederließ. Als Kind hörte sie die Musik ihrer Großeltern: Das erste Lied, an das sie sich erinnern kann, ist Aretha Franklins klassisches Soul-Meisterwerk “Chain of Fools”, welches einen großen Einfluss auf ihren eigenen Gesang nahm. Ihre Mutter spielte ihr “The Clash” oder “The Specials”. All ihre musikalischen Einflüsse kamen von den Erwachsenen aus ihrem Umfeld. Anstatt sich an moderner Popmusik zu orientieren, ließ sie sich von Klängen der 70er und 80er Jahre inspierieren. Schließlich nahm sie ihr Schicksal in die eigene Hand und fing an, die Songs, die sie immer auf YouTube gehört hatte, genauer zu recherchieren. Wer ist sonst noch auf dem Track zu hören? Wer hat den Song schon gesampelt? Wer hat ihn gecovert? So kam es, dass ihr Weg in den Hip-Hop und modernen R’n'B führte.
Als sie 17 Jahre alt war, wurde ihr immer klarer, dass sie singen wollte. Sie ging zu den Häusern der Jungs aus der Schule, mit denen sie rumschäkerte, und fing an ihre Gedichte zu den Beats, die sie in ihren Schlafzimmern gemacht hatten, zu singen. Musik war die Rettung. In ihrem ersten Lied, “Sirens”, ging es darum, dass ihr Vater im Sterben liegt. “Ich habe es einfach als Ablenkung benutzt und mich in die Musik vertieft”, sagt sie. “Es war ursprünglich ein Gedicht. Ich habe mit dem Titel angefangen und die Jungs, mit denen ich geprobt habe, spielten improvisierten ein paar Akkorde… Ich habe einfach den Titel immer und immer wieder gesungen, sodass sich das Lied langsam daraus entwickelte.”
Sie wusste, dass sie das Talent und die Hartnäckigkeit hatte, Sängerin zu werden. Sie wusste bloß nicht wie. Mit dem Wunsch Musik zu machen, wie sie sie aus ihrer Jugend kannte (Old Sould und R’n'B) brachte sie sich das Singen selber bei und hat erst kürzlich angefangen Klavier zu spielen. Schreibe über das, was du kennst, wie man so schön sagt. Also wendete sie das gleiche Muster an, das sie nutzte um Musik zu entdecken und veröffentlichte ihren Song auf YouTube. Ihre erste Managerin sah das Video, schickte ihr eine E-Mail und lud sie zu einem Treffen ein. Daraufhin nahm sie den Zug von Brighton nach London. “Wir haben uns eine halbe Stunde lang in Costa Coffee getroffen. Dann stieg ich einfach wieder in den Zug und fragte mich, ob ich wieder von ihm hören würde.” Glücklicherweise lauetete die Antwort: ja. Er fing an, sie zu Sessions zu schicken und brachte sie dazu, Musik zu schreiben, aber so perfektionistisch wie sie ist, wollte Celeste, dass alles fertig ist, bevor sie es ihm schickte. “Also hat er mich am Ende einfach in die Saam Studios gebracht. Ich schrieb einen Song namens Devil und von diesem Moment an begannen die Leute, die ins und aus dem Studio kamen, mir ihre Zeit und ihr Gehör zu schenken.” Es war harte Arbeit, aber die Dinge fingen an sich zu fügen.
Ihre bevorstehende EP enthält mehrere Songs, die auf ihrer Familie basieren. "Meine Mutter hat mir eine Denkweise beigebracht: “Du kannst alles ausprobieren. Wenn du etwas wirklich willst, dann mach' es.”  Was auf ihren Schreibprozess zutrifft. "Ich beginne mit den Titeln. Sobald ich mit einem Titel zufrieden bin, kommt das dazugehörige Konzept, das sich aus meiner momentanen Stimmung entwickelt. Ein Großteil der EP wurde mit dem Leeds Jazz/Hip-Hop-Kollektiv Gotts Street Park geschrieben. In ihrem Studio am Rande der Stadt hat das Team mit Mabel, Cosima sowie Kali Uchis und Rejjie Snow gearbeitet. Moderner Hip-Hop und Philosophie zählen zu ihren Einflüssen. Celeste kam zufällig zu ihnen. “Mein Manager erwähnte immer wieder ihren Namen, aber erst als ihre Musik zufällig im Auto kam, wusste ich, dass ich mit ihnen arbeiten musste”.
Mit “Lately”, einer langsamen, dunklen Blues-Nummer, die in einen mitreißenden Drumbreak übergeht, setzt sie sich mit dem Gefühl der Ennui auseinander zu Hause zu leben und bereit für eine Veränderung zu sein. “In letzter Zeit fühlte ich mich nutzlos, in letzter Zeit war ich aufgelöst, in letzter Zeit zog ich durch”, singt sie. “Ein Großteil meiner Musik kommt aus den härteren Zeiten”, sagt sie.
"Both Sides Of The Moon" erzählt die Geschichte einer unerwiderten Liebe. “Er vertraut mir, er braucht nicht zu lügen.... Mein Verdacht gibt mir immer Recht, dass ich ihn verdiene.” Sich in jemanden zu verlieben ist eine uralte Zwickmühle, aber Celeste behandelt sie mit Samthandschuhen; sie berührt das ungewisse Gefühl der Unsicherheit, das entsteht, wenn sie nicht weiß, ob die Person ein Freund oder mehr sein will. “Es geht um den Mond und die Flut”, sagt sie. “Ich bin der Mond und diese Person ist die Flut.” Und obwohl der Mond die Flut kontrolliert, beobachtet “Both Sides Of The Moon” von oben die Unsicherheit, diese Kontrolle zu verlieren: “Unsere Liebe wird durch die Flut belastet, beide Seiten, beide Seiten des Mondes.”
"Ich weiß nicht, ob die Person, um die es geht, weiß, dass es um sie geht", gesteht sie, “geschweige denn ob sie es realisieren würde, wenn sie das Lied hört. Aber wenn sie es tut, bin ich sicher, dass sie es lustig finden wird.”
Im Sommer geht es darum die langen, endlosen Sommerabenden zu reflektieren. Mit einem Vers des in London geborenen Rappers Jeshi trägt der Song einen langsamen und herrlichen Ton, der an den schönen Anblick erinnert, in dessen Genuss man kommt, wenn man auf dem Weg nach Hause der Sonne beim Aufgehen zuschaut.
Nachdem sie bereits mit dem in North London ansässigen Elektronik-Trio Real Lies auf Tournee war — die Band brachte sie dazu, für ein paar Songs zu singen — spielte sie ihre ersten Gigs in diesem Jahr außerhalb Großbritanniens. In ihrer eigenen Live-Show werden jedoch Mitglieder des Gotts Street Park am Schlagzeug, am Keyboard, an der Gitarre und an der Live-Horn-Sektion sein, “aber das ist offensichtlich nicht praktisch für eine Tournee”, strahlt sie.
Diese Realität könnte nicht weiter entfernt vom Arbeiten in einer Bar in Brighton und den Tagträumen einer aufstrebenden Sängerin sein. Doch genau das tat sie noch im letzten Jahr. “Ich habe versucht, meinen Sound zufinden, und in dieser Bar für diese beiden Jungs gearbeitet, die auch mal spontan als Drags auftraten. Sie brachten mich die ganze Zeit dazu zu singen und ärgerten sich, wenn ich Schichten verpasste, weil ich in London war…” Sie hält inne. “Aber ich schätze, am Ende hat es geklappt. Ich bin gespannt, was hoffentlich in den nächsten Jahren passieren wird — ich bin auch so dankbar.”
Celeste wurde als Artist in Residency im Oktober bei LAYLOW, dem Club, der der kulturellen und kreativen Szenen in West-London neues Leben einhauchte ausgewählt. Der Monat war geprägt vom Schreiben, Aufnehmen, zahlreichen Auftritten, Vorführungen und Abendessen. Ihre Auftritte nahmen in ihrer Art zu. Es gab eine überfüllte Headline-Show, um die Residenz abzuschließen, intime Auftritte mit dem Klavierspieler Sam Beste (Amy Winehouse's Pianist der Wahl) und verschiedene gemeinsame Veranstaltungen mit einigen der coolsten aufstrebenden Musikern und Dichtern Londons. Die Shows wurden von Künstlern wie Idris Elba, Spike Lee, Edward Enniful, Michaela Coel und anderen besucht.
Der unveröffentlichte Song “Somebody” wurde auch als Titel und Abspann der BBC-Dokumentarreihe “They’ve Got To Have Us” ausgewählt, die vom gefeierten Regisseur Simon Frederick als Nachfolger des von der Kritik gefeierten “Black Is The New Black” kreiert wurde. 
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