Diverse Künstler | News | Ein Plädoyer für alte Musik – Maddalena del Gobbo im KlassikAkzente Interview

Maddalena del Gobbo
23.01.2017

Ein Plädoyer für alte Musik – Maddalena del Gobbo im KlassikAkzente Interview

Ihr neues Album “Henriette – The Princess Of The Viol” widmet Maddalena del Gobbo der französischen Prinzessin Anne Henriette und ihrer Musik. Im Interview spricht sie über das ideale Publikum, gibt allerhand Persönliches preis und bricht eine Lanze für die alte Musik.
1. Könnten Sie wählen, in welcher Zeit hätten Sie dann gern gelebt?
Einer meiner größten Wünsche wäre Zeitreisen zu können! Mein erstes Ziel wäre vermutlich  Versailles, in der Zeit von Louis XIV. Wien in der zweiten hälfte des 18. Jahrhundert würde ich auch gerne sehen, sowie auch Wien um 1900. Das alte Japan fasziniert mich auch sehr. Es gibt eigentlich kaum eine Zeit, die mich nicht interessieren würde, aber ich bin ganz froh, trotzt allem, in der heutigen Zeit zu leben, spätestens dann, wenn man zum Zahnarzt muss, ist es ein Segen.
2. Welchen Komponisten der Vergangenheit würden Sie bitten, ein Stück für Sie zu komponieren?
Ich würde Luigi Boccherini bitten, mir ein Viola da Gamba Concerto zu komponieren. Er ist einer meiner Lieblingskomponisten, aber leider stammen aus seiner Feder keine Gambenkonzerte.
3. Welchem Maler aus Vergangenheit oder Gegenwart hätten Sie gern einmal Modell gesessen?
John William Waterhouse wäre meine Wahl, ich fand schon als Kind seine Bilder faszinierend. Aber tatsächlich fühle ich mich sehr geehrt, denn der Österreichische Maler Leo Stopfer wird demnächst ein Bild von mir malen, da bin ich schon sehr gespannt und freue mich sehr!
4. Welches war Ihre musikalisch aufregendste Begegnung?
Ich hatte das Glück schon viele faszinierende  musikalische Persönlichkeiten treffen zu dürfen…Unglaublich inspirierend fand ich  meine Masterclasses bei Eleonore Schoenfeld. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich noch ihren Unterricht erleben durfte. Ihre Weisheiten werde ich nie vergessen, und sie werden mich immer begleiten. Die aufregendste Begegnung ist aber die mit der Viola da Gamba, denn das hat mein Leben sehr beeinflusst.
5. Welche Begegnung würden Sie in der Phantasie gern herbeiführen?
Ich würde sehr gerne den Mann mit der Eisernen Maske treffen, um endlich zu wissen wer er wirklich ist!
6. Auf welches nicht musikalische Abenteuer würden Sie sich gern einmal einlassen?
Surfen auf Hawaii!
7. Wie sähe Ihr ideales Publikum aus?
Am liebsten habe ich es, wenn das Publikum bereit ist, sich von der Musik tragen und bezaubern zu lassen und das Herz zu öffnen. Natürlich ist es schön, wenn sich Menschen mit dem Gamben Repertoire und der Barockmusik auskennen, aber es ist keine Voraussetzung um eines meiner Konzerte genießen zu können. Wichtiger ist  es, offen zu sein und Spaß und Freude an der Musik zu haben.
8. Welches Musikstück treibt Ihnen den Schweiß auf die Stirn?
Beim Spielen hab ich dieses Gefühl eigentlich nie, eher bei der Frage, wenn die Wetterbedingungen schwierig sind, ob die Stimmung und die Saiten im Konzert halten. Das ist immer im Hinterkopf bei mir.
9. Welcher Komponist bzw. welches Werk wird Ihrer Meinung nach heutzutage überschätzt bzw. unterschätzt?
Ich finde, dass jede Musik eine Berechtigung hat. Es ist oft leider die Art, wie manche Stücke vorgetragen werden, die sie dadurch zu gewöhnlich macht.
10. Welche Aussage über Musik möchten Sie nie wieder hören?
“Alte Musik ist langweilig”. Das kommt tatsächlich vor, und die Gambe wird leider noch immer in eine Nische gedrückt. Man hat noch Berührungsängste und ist misstrauisch was Garbenmusik betrifft, aber ich bin sicher, es wird sich allmählich ändern.
Mein Tipp: jedem, der denkt alte Musik sei “leise und langweilig” würde ich empfehlen, zum Beispiel, die Oper von Leonardo Vinci “Artaserse” anzuhören.
11. Wie lautet Ihr musikalisches Credo?
Bei jedem Ton ist das Herz und meine ganze Energie dabei.
12. Welches Buch liegt z.Zt. neben der Stimmgabel und welches auf Ihrem Nachttisch?
Tatsächlich lese ich gerne mehrere Bücher gleichzeitig, je nach Stimmung. Im Moment liegt auf dem Nachtisch das Buch von Durian Sukegawa “Kirschblüten und rote Bohnen”, und “neben der Stimmgabel” ein Buch über die Geschichte der Viola da Gamba in England. 
13. Mit welcher Märchengestalt würden Sie sich identifizieren?
Cinderella, würde ich sagen. Ich spreche manchmal mit Tieren, bin sehr geduldig, wenn jemand mich herumkommandiert, bin ich erstmal sprachlos, und ich gehe gerne zu Bällen. Und irgendwie hatte ich im Leben schon so viel Glück, da muss ich einen Schutz von Oben haben, anders erkläre ich es mir nicht.
14. Welches der vier Temperamente – sanguinisch, melancholisch, cholerisch, phlegmatisch – entspricht Ihrem Wesen am ehesten?
Ich wäre vermutlich eine Mischung zwischen sanguinisch und melancholisch, würde ich sagen. Meistens bin ich gut gelaunt und positiv, aber ich habe auch eine melancholische, Seite vor allem macht mir das winterliche Wetter in Wien manchmal ein bisschen zu schaffen.
15. Welches Gericht käme nie auf Ihren Tisch?
Hase, denn ich habe ein Kaninchen als Haustier.