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Klaus Florian Vogt
20.07.2017

Moderner Held – Klaus Florian Vogt singt bewegenden Parsifal

Klaus Florian Vogt ist ein großer Verwandlungskünstler. Der 1970 in Heide/Holstein geborene Opernsänger steht nie still. Irgendetwas bewegt sich immer in ihm, nimmt Fühlung auf, testet eine Richtung aus, in der Vielversprechendes zu erwarten ist.

Künstler mit Witterung: Klaus Florian Vogt

So hält er es auf der Bühne, und so hat er es in seiner Karriere immer gehalten. Begonnen hat Klaus Florian Vogt als Hornist. Gleich nach dem Diplom heuerte er beim hochangesehenen Philharmonischen Staatsorchester Hamburg an, musizierte dort von 1988 bis 1997 mit viel Herzblut und ließ gleichzeitig einen weiteren Traum seiner Laufbahn reifen. Vogt spürte die immense Kraft seiner Stimme.
Noch während seiner Tätigkeit als Orchestermusiker nahm er ein Gesangsstudium auf, und seine Witterung erwies sich als goldrichtig. Spätestens als er im Jahre 1998 an der Semperoper aufgeschlagen hatte und sich der engagierten Förderung des italienischen Meisterdirigenten Giuseppe Sinopoli sicher sein durfte, war klar, dass er mit seiner Gesangslaufbahn zu den Sternen greifen kann. Und das gelang ihm dann auch.  

Parsifal reloaded: Moderner Held

Bereits als lyrischer Tenor legte er beachtliche Bühnenerfolge hin. Doch Vogt war immer noch nicht da, wo er sein wollte. Mit spannungsgeladeneren Rollen wie Hans in Smetanas Verkaufter Braut oder Matteo in Richard Strauss’ Arabella lotete er seine dramatischen Möglichkeiten aus, und als er im Jahre 2002 am Theater Erfurt als Lohengrin debütierte, da offenbarte sich sein dramatisches Charisma glänzend und sprach sich im internationalen Opernbetrieb blitzschnell herum.
Publikum und Fachpresse waren hingerissen von seinem Auftritt. Ein jugendlicher Heldentenor war geboren, frisch, neuartig und modern. Vogt schlug als Wagner-Sänger eine Weltkarriere ein, und dass der norddeutsche Meistertenor einen mythischen Helden zu erneuern weiß, zeigt sich nun in der fulminanten Parsifal-Produktion, die im Vorjahr unter der Regie von Uwe Eric Laufenberg bei den Bayreuther Festspielen Premiere feierte und soeben auf DVD/Blu-ray erschienen ist. Vogt verkörpert die Unschuld des jungen Ritters eindringlich. 

Üppige Bilder: Uwe Eric Laufenberg

Parsifal, der am Ende der Oper zum neuen Gralshüter erstrahlen soll, kommt hier in berührend naiver Gestalt zur Geltung. Mit Kundry, die in ihrer seelischen Vielfalt von der russischen Sopranistin Elena Pankratova eindrucksvoll interpretiert wird, knistert es heftig. Parsifal verliert, aller Engelhaftigkeit zum Trotz, bei Vogt nie seine menschlichen, verführbaren Züge.
Die Inszenierung ist auch sonst glänzend besetzt: Georg Zeppenfeld singt einen bewegenden Gurnemanz. Ryan McKinny stattet Amfortas mit nobler Eleganz aus. Dazu: strahlende Wagner-Klänge des Bayreuther Festspielorchesters unter der Leitung von Hartmut Haenchen. Mit Wehmut blickt man auf die Partie des Klingsor, erlebt man hier doch zum letzten Mal den großen Wagner-Interpreten Gerd Grochowski, der am 16. Januar 2017 vollkommen unerwartet starb.
Die Oper lebt von den markanten Charakteren ebenso wie von den üppigen Bildern, die die Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg hervorzurufen weiß. Das trug dem Regisseur in der internationalen Presse viel Lob ein und beweist einmal mehr, wie reizvoll das Projekt von Deutsche Grammophon ist, jedes Jahr eine bedeutende Premiere der Bayreuther Festspiele als Video zu veröffentlichen.