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Verliebte Töne – Mischa Maisky, Janine Jansen & Lucas Debargue mit Schostakowitschs erstem Klaviertrio

Verbier Festival - Schostakovich Piano Trio No. 1
© Fred Münzmaier / DG
15.07.2020
Das Verbier Festival in den Schweizer Alpen kann in diesem Jahr coronabedingt nicht stattfinden. Martin Engstroem, Gründer des beliebten Musikevents, das jährlich bis zu 35.000 Besucher ins malerische Wallis lockt, hat als Alternative zu der örtlichen Zusammenkunft ein digitales Programm aufgelegt. Unterdessen würdigt Deutsche Grammophon das Festival mit der Veröffentlichung von vier Live-Alben. Als Auftakt der Reihe erscheint jetzt eine gefeierte Aufführung von Schostakowitschs fesselndem Klaviertrio Nr. 1 in c-Moll, op. 8. Der Konzertmitschnitt stammt aus dem Jahre 2017. Zu erleben ist ein ebenso virtuos wie leidenschaftlich aufspielendes Trio, dessen kommunikative Sensibilität beeindruckt. Der lettische Starcellist Mischa Maisky, die niederländische Geigenvirtuosin Janine Jansen und der junge französische Pianist Lucas Debargue finden als Team zusammen. 

Musikalische Höchstspannung

Die drei Solisten verstehen sich glänzend darauf, ihre unterschiedlichen Temperamente und Fähigkeiten in das Ensemble einzubringen, um gemeinsam ein Höchstmaß an Spannung zu erzeugen. Routine kommt in diesem Trio nicht auf. Neben dem Teamgeist garantiert die musikalische Individualität jedes einzelnen Solisten dafür. Mischa Maisky ist das Energiezentrum des Ensembles. Er treibt das Trio mit seiner wilden Ekstatik am Cello impulsiv voran. Janine Jansen sorgt mit ihrem fein ziselierten Geigenspiel für die poetischen Töne der Aufnahme, während Lucas Debargue, der im Jahre 2017 zum ersten Mal in Verbier auftrat und dort mit begeisternden Recitals von sich reden machte, das Trio durch sein rhythmisch furioses Klavierspiel zu bereichern weiß. 
Verbier ist bekannt dafür, dass es Altstars der Klassikbranche mit jung aufstrebenden Hochbegabungen zusammenführt. In dem jetzt erschienenen Live-Mitschnitt erweist sich einmal mehr der Vorteil neu zusammengesetzter Ensembles, die dazu gezwungen sind, jegliche Routine zu vermeiden.  

Verliebte Töne

Lucas Debargue fühlte sich geehrt, mit einem derart “eindrucksvollen Team” zusammenarbeiten zu dürfen, und hob gegenüber medici.tv die starke Gefühlskomponente von Schostakowitschs erstem Klaviertrio hervor: “Man sollte nicht zu viel nachdenken, bevor man es spielt”, so der französische Ausnahmepianist, der in den letzten Jahren einen immer größeren Bekanntheitsgrad erlangte. Wichtiger sei es, “die Energie jedes einzelnen Musikers zu spüren und gemeinsam Spannung zu erzeugen”. 
Schostakowitsch schrieb sein erstes Klaviertrio im Jahre 1923 im Alter von nur 17 Jahren. Er schuf es unter dem Eindruck heftigen Verliebtseins und widmete es seiner Angebeteten. Das Stück steckt voller Sehnsucht und Leidenschaft. Träumerische Passagen changieren darin mit erwartungsvoll flirrenden Stimmungen und ironischen Untertönen. Diese Stimmungsvielfalt bildet sich in der entfesselten Darbietung von Mischa Maisky, Janine Jansen und Lucas Debargue kongenial ab.

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