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Ledisi
22.09.2017

It’s not easy. It’s Ledisi.

Let Love Rule” hat Ledisi Anibade Young ihr inzwischen achtes Album genannt. Das Beste daran: Es lebt tatsächlich vor allem von Lust und Liebe.
Auch wenn es sich – wie sollte es bei diesem Titel anders sein – bei “Let Love Rule” um ein Album mit Destination Herz-Schmerz handelt, die Rede von Lust und Liebe hatte nicht nur biologische Triebe im Auge. Mit ihrem neuesten Album ist Ledisi und ihrem Produzenten Rex Rideout ein echtes musikalisches Schmuckstück gelungen. Konstruiert um vier – wirklich sehr kurze – Interludes, die jeweils eine neue Phase emotionaler Bewältigungsszenarien für zwischenmenschliche Kalamitäten einläuten, findet hier alles seinen Platz, ohne dabei wie ein klanglicher Ramschladen zu wirken. Ob es dabei um das reggae-eske “Shot Down” geht, das sich die Klinke mit dem besten Song, den Robin Thicke nie geschrieben hat – dem Titelstück “Let Love Rule” – in die Hand gibt; das Omar-ige “Add To Me”; die unglaublich herzzerreißende Ballade “Forgiveness” oder der von zeitgeistigem Trap informierte Beat von “High”. Rideout und Young gelingt der Spagat, sich möglichst breit aufzustellen und trotzdem nicht an dem Versuch zu scheitern, sich erfolgreich zu profilieren.
Apropos: Man kann es drehen und wenden wie man lustig ist – die Klang-Assoziationen, die Ledisi Young mit Songs wie “Hello”, “Here”, “Give You More” oder auch “All The Way” nahelegt, reichen von Angie Stone über Alicia Keys bis Des’ree – und zwar genau in dieser Reihenfolge. Dass sich das Name-Dropping problemlos mit Janelle Monae, India Arie und Erykah Badu fortsetzen ließe, bedeutet allerdings mitnichten, Mrs Young sei vor allem eine Epigonin. Wenn überhaupt, dann ließe sich behaupten, dass die wunderschöne Mitt-Vierzigerin (warum sind sämtliche Fotos im Booklet aufsehenerregender als das auf dem Cover?) schlicht eine Spät- bzw. Später-als-andere-Zünderin ist. Und jetzt, da klassisch orientierter R’n’B wegen self-empowering Future-Twerk, feministischem Booty-Shake und anderer merkwürdiger musikalischer Experimente Mangelware zu sein scheint, landet Ledisi mit “Let Love Rule” wie ein Rosinenbomber auf Tempelhof.
Singen-Können hilft dabei natürlich: Mit ihrem hochvariablen Organ scheint es keine Gesangshürde zu geben, die sie nicht nehmen könnte – dabei ist gar nicht immer deutlich, was ihr selbst möglicherweise lieber ist: Weich und klar steht ihr ebenso wie rau und röhrend, Kopf- und Bruststimme harmonieren in friedlicher Koexistenz und sich mehrfach durch den Quintenzirkel scatten, das kann sie auch. John Legend macht auf “Give You More” zwar eine gute Figur – so richtig nötig hatte ihn der Song allerdings nicht. Frau Ledisi Young kommt auch so klar. Absolute Empfehlung!
 

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