5 Seconds Of Summer | Biografie

5 Seconds of Summer, “Yungblud”, 2018

 
5 Seconds of Summer — Youngblood (15. Juni 2018)
Was bleibt einem zu tun, wenn alle Träume, inklusive denjenigen, von denen man vorher gar nichts wusste, binnen weniger Jahre in Erfüllung gegangen sind? Ganz einfach: man fängt wieder von vorne an. Das ist letztlich genau das, was 5 Seconds of Summer mit ihrem neuen Album Youngblood getan haben – sehr zur Freude ihrer Fans übrigens: Schon der erste Vorbote des neuen Albums, das am 15. Juni bei Capitol Records erscheint, die Single „Want You Back“, belegte postwendend Platz #1 der iTunes-Charts in 18 Ländern und verzeichnete binnen kürzester Zeit mehr als 55 Millionen Streams. Dabei hätten 5SOS genau genommen überhaupt kein neues Album aufgenommen, wären sie nicht als Band an einem Punkt angelangt, der sich wie eine kreative Wiedergeburt, wie ein kollektives Wiedererwachen angefühlt hat. Es war ein extrem wichtiger Moment – nach gut fünf Jahren, die sie pausenlos auf Tour, in Studios oder mit Promo verbracht hatten. Und schließlich hatte das alles ja angefangen, als sie allesamt noch Teenager waren…
Tatsächlich fing für 5SOS – also Luke Hemmings (Gesang/Gitarre), Michael Clifford (Gitarre/Gesang), Calum Hood (Bass/Gesang) und Ashton Irwin (Schlagzeug/Gesang) – alles schon während der High-School-Zeit in Australien an: Damals waren es lässige Pop-Punk-Coversongs, die sie via YouTube ins Netz stellten. Wenig später schon hatten diese Videos bereits Viewzahlen im Millionenbereich – und 5SOS waren weltbekannt, obwohl sie an dem Punkt offiziell noch gar keinen eigenen Song veröffentlicht hatten. 2012 starteten sie dann richtig durch, als sie im Vorprogramm von One Direction auf Tour gingen. Inzwischen nicht nur live ein absolut eingespieltes Team, funktionierte auch die Songwriting-Chemie perfekt, was sie mit dem gleichnamigen Major-Debüt noch einmal unterstreichen sollten, woraufhin sich der Erstling mehr als 3,5 Millionen Mal verkaufte – allein in den USA waren’s über 1,5 Millionen Alben sowie gut 4,5 Millionen Singles. Nicht zuletzt dank Hits wie „She Looks So Perfect“ eroberten 5SOS auch die Spitze der US-Charts mit ihrem Album – weshalb sie der US-Rolling Stone wenig später als „den größten neuen Rock-Act der Welt“ feierte.
Auch mit dem zweiten Album, dem 2015 veröffentlichten Sounds Good Feels Good, setzte die Band auf Anhieb neue Rekordmarken: Nachdem nämlich auch diese LP auf Platz 1 in die US-Albumcharts eingestiegen war, konnten sich die Australier darüber freuen, als einzige Band in der US-Chartgeschichte bereits mit den ersten beiden Alben gleich zwei Mal hintereinander die Spitze erobert zu haben. Insgesamt ging Sounds Good Feels Good in 12 Ländern auf Platz 1 – u.a. in den Staaten, in UK und Australien. In Deutschland kletterte der zweite Longplayer in die Top−3 der Albumcharts. Die erste Auskopplung „She’s Kinda Hot“ belegte Platz 1 der iTunes-Charts in 44 Ländern; dazu gab’s Gold und Platin in etlichen Ländern. Auch Preise räumten 5SOS, die inzwischen auf 6 Millionen verkaufte Alben sowie über 3 Milliarden Streams (!) zurückblicken können, in den letzten Jahren reihenweise ab: neben einer BRIT-Nominierung gewannen sie u.a. einen American Music Award, einen People’s Choice Award, einen iHeartRadio Music Award, fünf MTV EMAs, zwei ARIA Awards und einen MTV Video Music Award. Eine ziemlich beeindruckende Erfolgsgeschichte bis hierhin – besonders wenn man bedenkt, dass sie wenige Jahre davor noch ein Haufen schmuddeliger Teenager aus einem Vorort von Sydney waren.
Unterwegs von einem Erfolg zum nächsten lernten sie auch, dass man vorsichtig sein muss mit seinen Wünschen – schließlich könnten diese ja in Erfüllung gehen und alles auf den Kopf stellen: „Ja, es war eine Hammerzeit, das auf jeden Fall, aber natürlich hat sich unser Leben auch radikal verändert“, holt Luke Hemmings aus, der Frontmann der Band. „Irgendwann kamen wir sogar an einen Punkt, an dem wir nicht mal mehr unsere Garderobe verlassen oder einfach rausgehen konnten, ohne belagert zu werden. Das war schon hart… nur haben unsere Fans uns das alles ja auch erst ermöglicht; sie waren von Anfang an da und sind uns immer treu geblieben – ohne sie wären wir nirgendwo! Ihre Treue und Loyalität erlauben es uns, weiterhin die Musik zu machen, die wir machen wollen, und sie rund um den Globus live zu präsentieren. Ohne sie würde es uns doch gar nicht mehr geben.“
Allerdings kann man in Anbetracht der Belagerungszustände auch verstehen, dass 5SOS nach ihrem grandiosen, ausverkauften Heimspiel im Hordern Pavillion von Sydney zum Abschluss der Sounds Good Feels Good-Tour im Jahr 2016 den Entschluss fassten, erst mal eine Pause zu machen. Sie wollten den Reset-Button drücken, wollten in sich gehen und herausfinden, wohin diese gemeinsame Reise als nächstes gehen sollte. „Wir waren in diesem endlosen Kreislauf gefangen“, meint Hemmings rückblickend, „aber wir mussten einfach herausfinden, wie das nächste Kapitel der Band aussehen konnte.“
Als erstes verließen sie Australien und flogen um die halbe Welt nach L.A., wo sie ein temporäres Lager aufschlagen wollten – um neue Kontakte, neue Einflüsse, neue Inspirationen zu finden. „Wir mussten den nächsten Schritt gehen und dafür auch unseren Ansatz als Songwriter generalüberholen“, sagt der Frontmann weiter. „Und das war die beste Idee überhaupt. Wir waren nämlich richtig hungrig auf Neues, auf etwas Aufregendes. Fühlte sich ein bisschen so an, als hätten wir ’ne neue Band gegründet!“
Außerhalb ihrer angestammten Komfortzone, plötzlich in L.A., lebten Hemmings, Clifford, Hood und Irwin auch erstmals seit mehr als fünf Jahren nicht zusammen unter einem Dach. Stattdessen war jeder für sich, konzentrierte sich auf die eigenen Interessen, was auch neue Musikinstrumente beinhaltete – denn sie alle ergänzten etwas Neues zu ihrem Repertoire: Hemmings zum Beispiel ist auf dem neuen Album auch am Klavier zu hören, eine logische, organische Weiterentwicklung ihres Sounds. Irwin hingegen tauchte in die Goth/Industrial/Darkwave-Clubszene der Westküstenmetropole ein, deren Energie er daraufhin in den kreativen Prozess der Band einbrachte. „Ich finde an New Wave wahnsinnig gut, dass es da diese Mischung aus Melancholie und Energie gibt“, meint Irwin. „Da ist dieses romantische Element, und dazu diese Wut – diese Energie und diese Farben. Um genau dieses Spektrum ging es uns auch bei unseren neuen Songs.“
Es sind diese und viele weitere Einflüsse, die das Klangspektrum des neuen 5SOS-Albums erweitern und aufbrechen: so unterschiedliche Referenzen wie The Police, INXS und The Church waren z.B. im Spiel, auch Gorillaz oder The Presets. Mit abgefahrenen Synthesizern und sexy Reggae-Beats kommt z.B. ein Song wie „Valentine“ daher – produziert von Mike Elizondo und geschrieben zusammen mit Justin Tranter, den man für seine Arbeit mit Imagine Dragons, Fall Out Boy, Linkin Park, Justin Bieber und Gwen Stefani kennt. „Wir loten mit dem neuen Album letztlich aus, wo wir stehen, wo unser Publikum steht, um darauf basierend gemeinsam den nächsten Schritt gehen zu können“, so Clifford. Und so erzählt Youngblood von ihrer individuellen und kollektiven Zeit in L.A., ihrem kreativen Wachstum und von jüngsten Inspirationen…
Die Zeit in L.A. hielt nämlich die unterschiedlichsten Erfahrungen bereit: Mal feierten sie zu viel, zu hart, dann setzten sie auf Fitness/Gesundheit, verliebten sich, trennten sich wieder – lebten das Leben also in vollsten Zügen, sammelten Erfahrungen, als Menschen und Musiker, als Band, die einfach wissen wollte, wo sie eigentlich angefangen hatte und wo sie seither gelandet war. „Als wir damals anfingen als Songwriter, da waren wir ja genauso alt wie unsere Fans: gerade mal 16, 17 Jahre alt“, meint Bassist Hood. „Und seither begleiten sie uns, gehen quasi mit uns durchs Leben.“
Wo sie heute klanglich stehen? Zum Beispiel bei überraschend sexy Tracks wie „Lie To Me“ und dem druckvollen Titelsong „Youngblood“, den sie mit dem in L.A. ansässigen Hitmaker-Duo Andrew Watt und Ali Tamposi aufgenommen haben (u.a. verantwortlich für Camila Cabellos Hit „Havana“). Watt bestätigt denn auch persönlich, dass 5SOS noch nie so umwerfend klangen wie auf Youngblood: „Diese Jungs sind einfach eine echte Band, verdammt noch mal!“, holt er aus. „Sie spielen ihre Instrumente: echte Live-Rock & Roll-Drums, dazu Bass und Gitarre, und das in einer Zeit, in der das kaum noch einer macht! Jeder von ihnen strahlt so viel Energie aus: Das war wirklich der Hammer, mit vier derartigen Persönlichkeiten in einem Raum zu sein und daran zu arbeiten, all ihre Stimmen in ein und demselben Song unterzubringen… Ich finde, dass man auf diesem Album ganz klar heraushört, was für unglaublich gute Musiker und Songwriter sie sind – denn manch einer hat das vielleicht vorher gar nicht kapiert.“
Die Vorabsingle „Want You Back“ entstand zusammen mit einem anderen L.A.-Songwriter, J Kash (Maroon 5, Charlie Puth), wobei auch Asia Whitacre (Hailee Steinfeld, Zedd) und Andrew Goldstein (Linkin Park, Simple Plan, MKTO, Hoodie Allan), ein guter Freund der Band, ihre Finger im Spiel hatten. „Want You Back“ musste allein deshalb die erste Single werden, weil der Track perfekt den neuen Ansatz von 5SOS auf den Punkt bringt – sowohl musikalisch als auch inhaltlich. Schon der Refrain ist der Hammer, wenn sich Hemmings leidenschaftlich über das Ende einer Liebe auslässt… und dabei sogar einen Falsettgesang à la Michael Jackson auspackt. Auch die Produktion klingt vollkommen neu, der Bass ist mehr im Vordergrund, denn 5SOS lassen sich nicht nur auf neue Gefühlswelten ein, sondern auch auf ganz neue Grooves. „Ja, es war nun mal das verrückteste Jahr meines bisherigen Lebens“, holt der Sänger aus, „und das hört man auch ganz deutlich raus in den Songs. Plötzlich ging es nicht mehr nur darum, dass man sich in irgendwen verguckt hat; stattdessen ging’s jetzt darum, von Gefühlen überrollt und erdrückt zu werden, es ging um richtiges Verlangen und darum, alles für einen anderen Menschen geben zu wollen.“
„Während man heranreift und sich entwickelt, verändert man sich, wird ein neuer Mensch: jemand, den man selbst erst wieder neu kennenlernen muss“, meint Irwin. „Und diesen ganz besonderen Moment in unseren Leben und im Leben unserer Fans wollten wir dieses Mal thematisieren.“ „Überhaupt ging es uns dieses Mal um etwas Universelleres, um etwas mit mehr Soul auch“, fügt Hemmings hinzu. „Wir wollten Songs schreiben, die wir bis in alle Ewigkeit spielen wollen – und deren Gefühl einen einfach sofort packt.“

Die Entscheidung, gemeinsam ein Album aufzunehmen, das an den zeitlosen Sound von Soul-Klassikern anknüpft aber zugleich in der aktuellen Poplandschaft funktioniert, führte schließlich dazu, dass sich 5SOS nach neuen Leuten umschauten, mit denen sie diese Vision umsetzen konnten: „Wir wollten unbedingt von den Meistern des Fachs lernen“, so Irwin. Und so streckten sie ihre Fühler zum Beispiel zu Noah Passovoy aus – jenem Produzent und Toningenieur, der schon seit geraumer Zeit Maroon 5 dabei unterstützt, ihren 100% zeitgenössischen Popsound zu kreieren. Das funktionierte dermaßen gut, dass Passovoy direkt weite Teile der Aufnahmen von Youngblood im Studio begleitete. „Am grandiosesten fanden wir, was Noah beim Overexposed-Album von Maroon 5 gemacht hat: diese Balance zwischen echtem Band-Sound und zeitgenössischer Pop-Produktion war einfach perfekt, wenn du mich fragst“, so Hemmings. „Manchmal können sie richtig abrocken, und doch ist jeder Song von ihnen ein perfektes Pop-Meisterwerk: Die Art von Song, die jeder sofort mitsingen kann. Das war eine absolut wichtige Inspiration für unsere neuen Songs.“
Darüber hinaus holten 5SOS noch ein paar weitere Hochkaräter an ihre Seite, um gemeinsam mit ihnen das musikalische Spektrum von Youngblood zu vergrößern, ohne dabei jedoch diejenigen Hooks aus dem Blick zu verlieren, die von Anfang an ihr Markenzeichen waren. Ein weiteres beteiligtes Produzenten/Autoren-Team sind z.B. Carl & Rami aus Schweden, bekannt für ihre Arbeit mit Nicki Minaj, Britney, Madonna & Co., mit denen 5SOS einen Großteil der neuen Songs komponieren und aufnehmen sollten. Und dann wäre da natürlich noch der bereits erwähnte Mike Elizondo (Dr. Dre, Eminem, Fiona Apple, Mastodon), auf dessen Konto als Musiker und Produzent etliche Meilensteine gehen: „Mikes Studio in L.A. ist immerhin jener Ort, wo Guns ’N Roses Appetite for Destruction aufgenommen haben“, holt Irwin aus. „Auch die ganzen Hip-Hop-Klassiker von Death Row Records sind dort entstanden. Es war einfach unglaublich, in einem derartigen Ambiente zu arbeiten… auch weil es uns als Songschreiber und Musiker extrem motiviert hat. Vor jeder einzelnen Session hat Mike Elizondo seinen Spruch aufgesagt: ‘Wenn ihr’s nicht korrekt einspielt, dann existiert es auch nicht auf dem Album…’“.
„Erwachsen werden – das war’s wohl, was wir für Youngblood mussten“, meint Hemmings abschließend. „Sieben Jahre als Band klingen war erst mal nach einer langen Zeitspanne, aber man darf auch nicht vergessen, dass wir noch Teenies waren, als das alles anfing. Wir mussten uns in die Augen schauen und einander fragen: ‘So, war’s das jetzt also, oder wollen wir damit für immer weitermachen? Und wenn wir weitermachen, dann müssen wir noch viel mehr geben und weiter gehen, als wir das je zuvor getan haben.’ Verglichen mit unserem Debüt, waren wir dieses Mal sogar noch hungriger. Wir wollten es einfach wissen. Wir mussten wirklich alles geben, um nicht bloß irgendein weiteres 5SOS-Album zu machen: für dieses hier mussten wir uns so richtig ins Zeug legen.“
Mehr von 5 Seconds Of Summer