Carla Bruni | Biografie

Carla Bruni “French Touch”, 2017

Im Verlauf ihres ziemlich einzigartigen und extrem abwechslungsreichen Lebens hat sich Carla Bruni bekanntermaßen auch immer wieder der Musik gewidmet – dabei hat sie nicht nur selbst Musik gemacht, sondern war vor allem auch Fan. Die Sängerin pflegt und erweitert schon seit ihrer Jugend – sowohl im Geiste, als auch sehr viel greifbarer: auf Vinyl – eine Art Schatztruhe, in der nur ihre absoluten Lieblingssongs einen Platz haben können. Das sind Popsongs, die sie für immer mit einem Ort, einer Person, einem bestimmten Moment verbindet. Es geht um die Art von Platten, die – wobei Bruni den französischen Ausdruck für “Liebe auf den ersten Blick” verwendet – für sie “einfach ein coup de foudre waren.”
Könnte eine erste Begegnung mit Carla Bruni – dem Menschen, dem Mythos, der Musik, die sie macht – zu etwas anderem führen? Coup de foudre beschreibt denn auch mehr oder weniger, was geschah, als die Sängerin im Jahr 2014 nach einer Show in L.A. auf den legendären Produzenten, Komponisten und Musiker David Foster traf: Die beiden verstanden sich sofort wahnsinnig gut, so dass sich Foster schon nach diesem ersten Treffen dazu anbot, Brunis nächstes Album zu produzieren.
“Aber meine Musik ist ja so französisch”, erinnert sich Bruni und muss lachen. “Also sagte er zu mir: ‘Wie wär’s denn mit englischen Stücken?’ Aber ich kann nicht auf Englisch schreiben. Ich würde es echt gerne können, aber es kommt einfach nichts.”
Die Lösung fand sich, nachdem ein paar Demo-Ideen über den Atlantik hinweg ausgetauscht worden waren; sie nahm noch konkretere Form an in Aufnahmesessions, die in Paris und L.A. stattfinden sollten: Bruni sollte ihre absoluten Lieblingspopsongs neu interpretieren – diejenigen Songs also, die es geschafft haben, mit ihrer Kraft die verführerischste aller Frauen zu verführen. Ja, ein Cover-Album von Carla Bruni: Allein die Idee klingt so schlüssig und stimmig, als ob diese Aufnahmen schon seit Jahren existieren würden.
French Touch – damit bezeichnet man gemeinhin elektronische Musik aus Paris, die um die Jahrtausendwende entstand, aber natürlich hat der Begriff noch ganz andere Bedeutungen: Gemeint ist damit eine gewisse mühelose Eleganz. Etwas Unbeschwertes, eine Art von Sex-Appeal, die nur ganz leicht aufgetragen ist, ein je ne sais quoi. Und Bruni verkörpert diese Eigenschaft, diesen “French Touch”, schon immer. Auf ihrem neuen Album bekommen nun selbst die uramerikanischsten Pop-Hymnen – Stücke also, die normalweise mindestens so weit von Frankreich entfernt sind wie der Sunset Strip – genau diese Eigenschaft, diesen “French Touch”.
Gewiss hat Fosters einzigartiger Ansatz als Arrangeur dazu geführt, “dass sich das alles nun etwas größer anfühlt, als man das von meiner Musik kennt”, wie Bruni sagt. “Es gibt da so eine Art Mineral, mit dem er seinen Sound stets anreichert. Wie ein Stück vom Himmel.” Warm produziert, minimalistisch, dazu durchaus verspielt, bringen die Coverversionen all jene Qualitäten mit, die auch die Originale auszeichnen, versprühen dazu jedoch eine ganz eigene Sinnlichkeit – was sie zum Teil so wirken lässt, als hätten Bruni und Foster sie selbst geschrieben.
Ein Beispiel dafür ist die erste SingleEnjoy The Silence”. Eigentlich gehört dieser Depeche-Mode-Klassiker aus dem Jahr 1990 eher zu denjenigen Songs, an die sich die meisten Leute gar nicht erst heranwagen würden. “Ein Song, der eigentlich kein Cover braucht”, wie Bruni das formuliert – nur ist diese French Touch-Version nun mal wirklich etwas ganz anderes. Was im Original ausladend und düster klingt, wird hier auf die Essenz reduziert: Plötzlich ist es eine ganz minimalistisch arrangierte Ballade, eine mitreißende Meditation. Interpretiert als intimer Tanz, an dem nur Gitarre, Klavier und Brunis rauchige Stimme teilnehmen, werden die Zwischenräume sichtbar: Die Leerstellen, die “Silence” also, die es zu genießen gilt.
Und wer hätte gedacht, dass Bruni ein “AC/DC-Geek” ist? Ungelogen – und zwar, wie sie zugibt, schon seit Jahrzehnten. Bei den vielen Konzerten, die sie schon besucht hat, war es stets vor allem die, wie sie sagt, “explosive” Reaktion des Publikums auf “Highway To Hell”, die es ihr angetan hat. (Und: “Wer will schon in den Himmel kommen, was?”) Dabei ist ihre Version genau das: Der Himmel. Ein mit Jazz flirtendes winziges Liedchen, ihr wie auf den Leib geschrieben – so perfekt passend für ihre Stimme, ihre Nach-mir-die-Sinnflut-Haltung.
Im weiteren Verlauf des Albums ist alles von Rock-Klassikern (“Miss You” von The Rolling Stones, Lou ReedsA Perfect Day”) bis hin zu unvergessenen Standards dabei (“Moon River”, “Love Hurts”, “Crazy”), und doch haben die Tracks eine Sache gemeinsam, die Bruni sehr treffend mit dem Wort “Intimität” beschreibt.
Was das ideale Setting für diese Platte angeht, sieht die Sängerin diese Lieder “im Auto” laufen, “wenn man mit irgendwem, den man mag, irgendwohin fährt – oder sie laufen an einem ruhigen Abend, oder vielleicht an einem Sonntagmorgen. Sie sind für warme, gemütliche Orte gemacht, an der Seite eines süßen Menschen. Für ein paar süße Stunden. Das ist mein Traum, wissen Sie? Dass die Leute meine Songs hören, wenn sie sich entspannen, wenn sie verliebt sind.”
Seit zwanzig Jahren schreibt Carla Bruni Songs und absolviert Auftritte. Ihr Debütalbum “Quelqu’un m’a dit” erschien im Jahr 2002. Seither hat sie drei weitere Longplayer vorgelegt: “No Promises” (2007), auf dem sie englische Gedichte vertonte, “Comme si de rien n’était” (As If Nothing Happened) aus dem Jahr 2008 und zuletzt “Little French Songs” (2013). Insgesamt verkaufte sie weltweit über 3 Millionen Alben.
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